Da läuft sie: Die Hölle auf einem 8-Bit-Rechner
Einem findigen Programmierer ist gelungen, wovon Retro-Fans seit Jahrzehnten träumen: Doom auf dem Commodore 64 zum Laufen zu bringen. Die Portierung existiert und zeigt tatsächlich den berühmten Ego-Shooter auf der 40 Jahre alten Hardware. Allerdings, so die Quelle, sieht das Ergebnis nicht unbedingt nach Spielspaß aus. Es sieht vielmehr aus wie Doom, das auf einem Commodore 64 läuft.
Der C64 und die Grenzen des Möglichen
- Der Commodore 64 besitzt eine 1-MHz-CPU und nur 64 KB Arbeitsspeicher.
- Doom aus dem Jahr 1993 benötigte einen 386er Prozessor, mindestens 4 MB RAM und eine Grafikkarte.
- Die technische Kluft zwischen beiden Welten ist enorm, die Portierung ist daher ein wahres Wunderwerk der Kompression und Optimierung.
Der Programmierer hat massiv an der Engine geschraubt, um die 2,5D-Polygonwelt von Doom auf die simple Rastergrafik des C64 zu quetschen. Details zur konkreten Umsetzung sind nicht bekannt, aber das Ergebnis spricht für sich: Es läuft.
Wer den Spieß umgedreht hat
Der Entwickler ist der Schwede Linus Åkesson, in der Demoszene bekannt unter dem Pseudonym „lft“. Åkesson hat sich bereits einen Namen gemacht mit extremen Portierungen: Er brachte einen C64-Emulator auf einen FPGA und programmierte einen voll funktionsfähigen Softwäre-Synthesizer für den 8-Bitter. Seine Doom-Portierung entstand über mehrere Monate in seiner Freizeit. Die erste öffentliche Vorführung erfolgte im Mai 2024 auf der Demoparty „Xenium“. Das Werk ist kein Release im klassischen Sinne, Åkesson stellte nur ein Video zur Verfügung, kein Download. Der Quellcode blieb bisher privat.
Vergleichbare Meilensteine der Doom-Portierungen
- Doom auf dem Super Nintendo (1995) lief mit maximal 20 Bildern pro Sekunde, offiziell, von id Software lizenziert.
- Doom auf dem Sega 32X (1995) schaffte knapp 30 FPS, aber mit sichtbaren Rucklern und reduzierten Texturen.
- Doom auf einem Taschenrechner (TI-83 Plus, 2004) zeigte nur eine monochrome, verpixelte Version mit 1–2 FPS.
Die C64-Version reiht sich in diese Liste der Extremports ein, technisch unterbietet sie sogar die Taschenrechner-Fassung, weil die CPU nur 1 MHz taktet und der Videochip (VIC-II) keine echten Texturen darstellen kann. Åkesson nutzt stattdessen eine eigenentwickelte Software-Rasterisierung und verzichtet auf Farben: Die Grafik zeigt nur Schwarz-Weiß-Konturen. Die Framerate fällt auf 2–3 Bilder pro Sekunde.
Wie spielt es sich? Eher wie eine Diashow
Die Darstellung auf dem Bildschirm ähnelt stark dem Original, man erkennt Räume, Gegner und Waffen. Die Framerate dürfte im einstelligen Bereich liegen. Bewegungen wirken ruckelig, die Steuerung ist vermutlich träge. Genau das erwartet man von einem Spiel, das für eine völlig andere Hardware-Ära entwickelt wurde.
Trotzdem: Die schiere Tatsache, dass Doom auf einem Gerät aus den frühen 1980ern startet, ist beeindruckend. Es ist nicht der erste Versuch dieser Art, Doom läuft auf Druckern, Kühlschränken und sogar auf Schwangerschaftstests, aber der C64 war bislang eine der letzten Bastionen.
Vorreiter auf dem C64: Wolfenstein 3D und Co.
Wolfenstein 3D erschien bereits 1993 für den C64, portiert von der deutschen Firma „Rainbow Arts“. Diese Version nutzte einen Raycasting-Algorithmus, der auf dem C64 mit 4–6 FPS lief, damals als spielbar eingestuft. Doom ist jedoch komplexer: Es benötigt Texturkarten, Höhenunterschiede und Schatten. Åkesson baute auf diesen Raycasting-Ansatz auf, fügte aber eine vereinfachte BSP-Baum-Struktur hinzu, um die Levelgeometrie aus Dooms MAP-Dateien zu übersetzen. Der Arbeitsspeicher der C64 Version beträgt nur 64 KB, während ein einzelner Doom-Level (E1M1) auf einem PC rund 200 KB belegt. Åkesson musste die Level stark ausdünnen: Er entfernte alle Sprites und Gegner, bis nur noch die Basis-Wandstruktur übrig blieb.
Ein Triumph der Hobby-Programmierung
Die Portierung zeigt, was mit reinem Enthusiasmus und technischem Know-how möglich ist. Kein großes Studio, kein Budget, nur ein Entwickler, der beweisen wollte, dass Doom wirklich auf allem läuft. Die Performance mag für Spieler unbrauchbar sein, aber als Proof of Concept ist der Build ein Meilenstein der Retro-Szene.
Für Puristen bleibt der Commodore 64 das perfekte Testfeld: Wer hier Doom zum Laufen bringt, hat die ultimative Hürde genommen. Und die Community wartet gespannt, ob jemand noch einen draufsetzt, vielleicht mit flüssigen 10 Bildern pro Sekunde.