Eine Messe, die zur Legende wurde
Die Electronic Entertainment Expo (E3) ist tot, und doch nie ganz verschwunden. Nach Jahren des Niedergangs und einer letzten Absage 2023 gehört sie der Geschichte an. Heute veröffentlicht die Video Game History Foundation eine neue Kollektion, die die Show „wie nie zuvor“ zeigt.
Die Stiftung sammelt seit Jahren Unterlagen, Fotos und Videos von der Messe. Der Umfang reicht von frühen 1990ern bis in die 2010er-Jahre.
Was die Sammlung bietet
- Eine breite Mischung aus Pressemappen, Eintrittskarten und Werbematerial.
- Videomitschnitte von Pressekonferenzen, darunter legendäre Auftritte von Nintendo, Sony und Microsoft.
- Interne Dokumente und Planungsunterlagen, die den Wahnsinn hinter den Kulissen zeigen.
Die Foundation verspricht „einen tiefen Einblick in die Jahre, in denen E3 das Zentrum der Spielewelt war“.
Vom Glanz zum Stillstand
Die E3 begann 1995 als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung von Videospielen. Über zwei Jahrzehnte war sie der Ort, an dem Konsolenkriege ausgetragen und Überraschungen gefeiert wurden. Doch mit der Digitalisierung und geänderten Marketingstrategien verlor sie an Zugkraft.
Man könnte sagen, die Show hätte früher auf Geoff Keighleys Summer Game Fest setzen sollen, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Video Game History Foundation
Gründer Frank Cifaldi arbeitete zuvor bei Nintendo of America als „Leiter der Spieleerhaltung“ und kuratierte dort die Klassiker für den Nintendo Switch Online-Dienst. 2017 gründete er die VGHF mit Sitz in Oakland, Kalifornien. Das physische Archiv umfasst über 30.000 Objekte, darunter 1.500 Quellcodes und 3.000 Design-Dokumente.
Frühere Sammlungen der Stiftung: die Sierra On-Line Collection (2022) mit 500 Prototypen und einem unveröffentlichten Söldner-Spiel, die Atari Jaguar Prototypes oder die The Making of Karateka-Dokumentation. Die E3-Kollektion enthält laut VGHF mehrere tausend Dateien, darunter Pressekit-Folien von Sega und handschriftliche Notizen von Sonys PR-Team aus den 90ern.
Historische Einordnung und vergleichbare Archive
Die Library of Congress archiviert seit 2006 US-Videospiele, aber kaum PR-Materialien. Das Strong National Museum of Play in Rochester besitzt 60.000 Spiele, jedoch keine vergleichbaren Messedokumente. Die VGHF-Sammlung ist die erste öffentlich zugängliche, die den kompletten PR-Apparat einer Messe abbildet.
Konkrete Zahlen zur E3: 1995 kamen 40.000 Besucher, 2005 waren es 70.000. Die Sammlung zeigt unter anderem nie veröffentlichte Werbevideos von Microsoft zur Xbox-Enthüllung und Baupläne für Sega-Messestände. Das Summer Game Fest startete 2019 mit digitalen Streams; die traditionelle Messe wurde 2023 von der ESA eingestellt.
Ein Archiv für die Nachwelt
Die Video Game History Foundation macht diese Sammlung digital zugänglich. Für Nostalgiker und Forscher gleichermaßen ist das ein Schatz. Wer sich durch die Ordner klickt, sieht, wie sich PR, Präsentationen und sogar der Messebau verändert haben.
Die E3 ist vorbei. Ihre Spuren bleiben nun in einer Datenbank, die zeigt, was einmal war.