Der Fahrplan für 2026 steht
Riot Games hat die Release-Daten aller Sets von Riftbound für das gesamte Jahr 2026 in einem Interview mit IGN bestätigt. Der Zeitplan gibt Sammlern und Spielern erstmals eine verbindliche Roadmap. Riftbound ist das erste physische Trading Card Game des Studios, das zuvor mit Legends of Runeterra (2020) ein digitales Sammelkartenspiel im League of Legends-Universum etablierte. Riot selbst hat keine nennenswerte Erfahrung in der Produktion physischer Karten, das Geschäft mit Booster-Packs und limitierten Auflagen ist Neuland für den Publisher, der sonst vor allem digitale Inhalte und E-Sports-Infrastruktur betreibt.
Der Schritt ins physische TCG folgt auf die Einstellung des Supports für Legends of Runeterra im Jahr 2024, nachdem das Spiel nie die Spielerzahlen von Hearthstone oder Magic: The Gathering Arena erreichte. Riftbound soll die Fangemeinde nun über den Tisch und das Regal im Laden binden. Das League of Legends-Universum umfasst über 160 Champions, 10 Regionen und eine 15-jährige Lore, ein reichhaltiger Pool für regelmäßige Set-Veröffentlichungen.
Was erwartet die Spieler?
- Vier Sets sind für 2026 geplant: „Die Schattengleve“ (März), „Der Hextech-Kern“ (Juni), „Das Dämmerungsportal“ (September) und „Die Sternenwächterin“ (Dezember). Jedes Set enthält 120 bis 150 Karten, darunter 20 neue Champion-Karten pro Block.
- Die ersten beiden Sets konzentrieren sich auf Regionen wie Demacia und Noxus, während die späteren Sets Zaun, Piltover und die Schatteninseln einführen. Mechaniken wie Mana-Ramp, Champion-Synergien und Hextech-Ausrüstung werden in jedem Set variiert.
- Riftbound erscheint im Standard-Booster (15 Karten, 5,99 Euro) und in Theme-Decks (fertige Decks mit einem Champion, 14,99 Euro). Eine Collector’s Edition mit alternativen Artworks und einer exklusiven Karte wird für das zweite Set angekündigt, limitiert auf 10.000 Exemplare.
Die große Sorge: Scalper
Trotz der klaren Roadmap überschattet die Angst vor Scalpern die Vorfreude. Limitierte Auflagen, wie die Collector’s Edition oder sogenannte First-Edition-Booster, sind in der TCG-Branche traditionell ein Magnet für Wiederverkäufer. Magic: The Gathering erlebte 2021 mit der Secret Lair: The Walking Dead-Kollaboration eine Scalper-Welle, bei der Einzelkarten für über 100 US-Dollar auf eBay gehandelt wurden, während der UVP bei 39,99 US-Dollar lag. Pokémon-Jubiläumssets von 2021 erreichten auf dem Sekundärmarkt das Zehnfache des Ladenpreises.
Riot Games hat noch keine konkreten Gegenmaßnahmen genannt. Mögliche Optionen sind Kauflimits pro Kunde (z. B. zwei Collector’s Editionen pro Haushalt), Vorverkaufsregistrierung mit Riot-Konto oder Print-on-Demand für Basissets, wie es Wizards of the Coast 2024 für einzelne Commander-Decks testete. Bisher beschränkt sich Riot auf die Ankündigung, die Produktion „maximal zu skalieren“, eine vage Zusage, die viele Fans nicht beruhigt. Auf Reddit und Twitter fordern die Spieler konkrete Limits und transparente Lagerbestände.
Ein Blick auf die Gegenwart
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Riot aus den Fehlern anderer TCGs lernt. Der globale TCG-Markt wurde 2025 auf 15,2 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle: Statista), wobei Magic: The Gathering mit rund 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz und Pokémon TCG mit etwa 1,1 Milliarden US-Dollar die Spitze bilden. Riftbound startete im Herbst 2025 mit einer ersten Vorschau-Auflage von 500.000 Booster-Packs, die innerhalb von drei Wochen ausverkauft war, ein vielversprechender, aber auch alarmierender Indikator für die Nachfrage.
Das Potenzial von Riftbound ist riesig: Die League of Legends-Community zählt über 180 Millionen monatlich aktive Spieler, und allein die Untergruppe der Sammelkartenfans ist schwer abzuschätzen. Bleiben Scalper unkontrolliert, könnte der Sekundärmarkt die Preise für Starter-Sets auf 30 Euro und für Collector’s Booster auf über 100 Euro treiben, ein Szenario, das den langfristigen Erfolg eines physischen TCGs gefährdet, wie der Niedergang des World of Warcraft TCG (2006–2013) zeigte, der unter anderem an überteuerten Zweitmarktpreisen für seltene Karten litt.