Millionen für den Chef, Kündigungen für die Belegschaft
EAs Finanzbericht für das letzte Geschäftsjahr zeigt eine krasse Schieflage: CEO Andrew Wilson erhielt eine Gehaltserhöhung von satten 30 Millionen Dollar auf insgesamt 38 Millionen Dollar. Das Paket umfasst Boni und Aktienoptionen.
Zum Vergleich: Der Medianeinkommens-Mitarbeiter bei EA verdient 126.612 Dollar im Jahr. Wilsons Vergütung liegt beim 305-Fachen davon. Die Schere klafft gewaltig, besonders bitter, weil EA im selben Zeitraum Personal abbaute.
Private Jets aus „Sicherheitsgründen“
Ein Detail aus dem SEC-Filing sorgt für zusätzliche Diskussionen: Wilson fliegt grundsätzlich mit Privatjets, nie kommerziell. Offiziell begründet EA dies mit „persönlicher Sicherheit und der seiner Familie aufgrund von Bedrohungseinschätzungen“.
Konkrete Gefahren werden nicht genannt. Der Privatjet darf Wilson auch privat nutzen, ein Luxus, den sich die meisten Beschäftigten nur von Weitem ansehen können.
Die Battlefield-Studios und ihre Geschichte
Das Flaggschiff-Studio DICE in Stockholm entwickelte die Battlefield-Reihe seit 2002, vom ersten Battlefield 1942 bis zum umstrittenen Battlefield 2042. DICE arbeitet aktuell am sechsten Haupttitel, intern Battlefield 6 genannt.
Zwei weitere Studios wurden in den letzten Jahren eingegliedert: Ripple Effect (vormals DICE LA) arbeitete an Battlefield 4 und Battlefield 1 und leitete das Portal-Modus-Projekt. Criterion aus Großbritannien, bekannt für die Burnout-Serie und Need for Speed, unterstützt seit Battlefield V die Multiplayer-Entwicklung.
Das vierte Studio Ridgeline Games wurde 2023 mit Marcus Lehto (Ex-Bungie, Halo-Co-Schöpfer) gegründet, um eine Einzelspieler-Kampagne zu entwickeln. EA schloss Ridgeline im Februar 2024, noch vor einem Release. Die Entlassungen trafen Mitarbeiter aller vier Studios, insgesamt wurden bei EA rund 670 Stellen gestrichen.
Die anderen Spitzenverdiener bei EA
Nicht nur Wilson profitiert. Auch andere Führungskräfte streichen üppige Pakete ein, inklusive Boni und Aktien:
- Laura Miele (Präsidentin EA Entertainment), 13,7 Millionen Dollar
- Stuart Canfield (Finanzvorstand), 11,3 Millionen Dollar
- Jake Schatz (Chefsyndikus), 8,4 Millionen Dollar
- Mala Singh (Personalchefin), 8,3 Millionen Dollar
Die Zahlen stehen im selben Bericht, der auch über die Entlassungen informiert. Eine interessante Mischung.
CEO-Vergütung im Kontext der Branche
EAs Vergütungspraxis ist nicht einzigartig. Activision Blizzards CEO Bobby Kotick bezog 2022 rund 155 Millionen Dollar, bevor das Unternehmen an Microsoft verkauft wurde. Take-Two-CEO Strauss Zelnick verdiente 2023 etwa 42 Millionen Dollar.
Der Unterschied: Die Medianvergütung bei EA liegt mit 126.612 Dollar über dem US-Median von etwa 60.000 Dollar. Dennoch fällt das Verhältnis von 305:1 weit höher aus als bei vielen Technologieunternehmen. Bei vergleichbaren Spielefirmen wie Ubisoft liegt das CEO-Vergütungsverhältnis bei etwa 100:1.
Kritiker verweisen auf EAs Aktienkurs, der binnen eines Jahres um 15 Prozent fiel. Wilsons Bonus ist an Umsatz- und Gewinnziele gekoppelt, nicht an Aktienperformance.
Battlefield 6 als Vorzeigeprojekt, aber Stellenabbau
Der Bericht feiert Battlefield 6 als finanziellen Erfolg und lobt EAs KI-Strategie. Laura Miele erklärte kürzlich, KI habe bei den Entwicklern zu einem „echten Kreativitätsschub“ geführt, wer die KI nicht nutzt, bleibt wohl außen vor.
Doch gleichzeitig strich EA Stellen in allen vier Studios des Battlefield-Banners. Der Konzern bezeichnet die Kürzungen als „Neuausrichtung“. Für die betroffenen Entwickler dürfte der Trost mager sein.
Verkauf an Saudi-Arabien auf der Zielgeraden
Die Übernahme von EA durch den Public Investment Fund Saudi-Arabiens hat eine wichtige Hürde genommen: Die EU-Kommission gab grünes Licht. Der Deal ist noch nicht abgeschlossen, aber sobald EA privatisiert ist, verschwinden solche Finanzoffenlegungen für immer aus der Öffentlichkeit.
Der Verkauf an Saudi-Arabien: Details und Folgen
Der Public Investment Fund (PIF) hält bereits einen Anteil von 5,6 Prozent an EA, erworben 2021. 2023 bot der Fonds eine Übernahme für 20 Milliarden Dollar, das entspricht rund 135 Dollar pro Aktie, ein Aufschlag von 20 Prozent auf den damaligen Kurs.
Die EU-Kommission genehmigte die Übernahme im Oktober 2023 unter der Bedingung, dass EA seine FROSTBITE-Engine nicht exklusiv für den saudischen Markt lizenziert. Die US-amerikanische CFIUS-Prüfung steht noch aus. Sollte der Deal vollzogen werden, würde EA von der Börse genommen, die jährlichen Vergütungsberichte würden dann nicht mehr öffentlich sein.
Parallel dazu investiert PIF auch in andere Gaming-Firmen: Savvy Games Group, eine Tochter, besitzt Anteile an Nintendo (5%), Capcom, SNK und Embracer Group. Kritiker befürchten eine wachsende Abhängigkeit der Branche von saudischem Staatskapital.