Edifier M90: Kompakter Kraftprotz für den Schreibtisch
Edifier bringt mit dem M90 ein aktives 2.0-System fürs Nahfeld. 300 Euro kosten die Boxen. Der Verstärker liefert 100 Watt RMS Gesamtleistung, genug für klaren, druckvollen Sound auf dem Schreibtisch. Zielgruppe sind Gamer und Musikliebhaber, die keinen Subwoofer wollen.
Das Unternehmen Edifier wurde 1996 in Peking gegründet und begann mit PC-Lautsprechern. Die M-Serie startete 2019 mit dem M30 (2.1, 40 Watt). Der M60 (2020, 50 Watt RMS, 200 Euro) war der erste kompakte 2.0-Ableger. Der M80 (2022, 70 Watt RMS, 250 Euro) fügte Bluetooth 5.0 hinzu. Der M90 ist der direkte Nachfolger und der erste mit HDMI eARC und LDAC.
Anschlüsse: Von der Konsole bis zum PC
Das M90 deckt viele Quellen ab:
- HDMI eARC, für TV oder Monitor mit ARC, ideal für PS5 oder Xbox Series X
- Optischer Eingang, digitaler Sound von PC oder Konsole
- Analoger 3,5-mm-Eingang, für ältere Hardware
- LDAC, Hi-Res Audio via Bluetooth, kompatibel mit Android und Diensten wie Tidal
Der Vorgänger M80 bot nur optisch, koaxial und Bluetooth 5.0 ohne LDAC. Der M60 hatte weder HDMI noch digitalen Eingang, nur 3,5 mm und Cinch. Mit HDMI eARC bleibt das M90 eine Seltenheit in dieser Klasse.
Klang: Präzise Bühne, keine Spielerei
Die 100 Watt verteilen sich auf einen Tieftöner und einen Hochtöner pro Kanal. Der Bass ist satt, aber nicht dröhnend. Höhen und Mitten bleiben klar, ideal für Counter-Strike 2 oder Elden Ring. Ein Equalizer lässt sich nur per App justieren.
Die Tieftöner verwenden eine Aluminium-Membran mit Gummisicke, ein Material, das auch in den teureren Edifier S1000DB (150 Watt, 349 Euro) steckt. Die Hochtöner sind Gewebe-Kalotten mit Ferrofluid-Kühlung, ähnlich wie in Studio-Monitoren der Mackie CR-Serie. Der Frequenzgang reicht offiziell von 52 Hz bis 20 kHz, für ein 2.0-System solide, aber unterhalb von 50 Hz fällt der Pegel ab.
Für wen lohnt sich der M90?
- Gamer mit kleinem Budget (300 Euro sind günstig im Vergleich zu Audioengine A2+ Wireless für 270 Euro ohne HDMI)
- Nutzer, die auf HDMI eARC angewiesen sind, etwa bei Monitoren ohne Kopfhörerausgang, aber mit ARC
- Freunde von Hi-Res Audio, LDAC ist ein Plus für Qobuz-Hörer
Herkunft und Vorgänger
Edifier entwickelte den M90 intern in Shenzhen. Chef-Designer ist Zhang Wei, der zuvor an der S3000 Pro (2.0, 260 Watt, 599 Euro) arbeitete. Die M-Serie steht für kompakte Desktop-Lösungen mit Schwerpunkt auf Vielseitigkeit.
Zum Vergleich: Der M80 (2022) hatte einen 78-mm-Tieftöner (gegenüber 89 mm im M90) und keinen digitalen Eingang. Die maximale Lautstärke lag 3 dB niedriger. Der M60 (2020) besaß einen 65-mm-Tieftöner und nur analoge Anschlüsse. Der M90 ist der erste mit TI TPA3118 Verstärker-Chip, der für geringe Verzerrung bis 100 Watt ausgelegt ist.
Wettbewerb und Positionierung
Direkte Konkurrenten sind der Audioengine A2+ Wireless (150 mm Tiefe, 60 Watt, kein HDMI) und der Kanto YU2 (270 Euro, 20 Watt pro Kanal, nur analog). Der Creative Pebble Pro (50 Euro) kostet weniger, liefert aber nur 30 Watt und keinen digitalen Eingang.
Der M90 platziert sich mit HDMI eARC und LDAC über diesen. Im Vergleich zu passiven Systemen wie Presonus Eris 3.5 (99 Euro pro Paar) plus Verstärker (ab 100 Euro) ist er günstiger und einfacher. Einzige Alternative mit ähnlicher Konnektivität ist der Edifier S880DB (230 Euro), der jedoch nur optisch und koaxial, kein HDMI, bietet. Der M90 ist der erste Desktop-2.0 unter 400 Euro mit HDMI eARC und LDAC.