Ein Stück Kindheit, das kaum jemand besitzt
Wer mit dem Nintendo Entertainment System (NES) aufgewachsen ist, erinnert sich an rechteckige Controller und lange Nachmittage vor dem Röhrenfernseher. Viele NES-Spiele bekommt ihr heute noch für kleines Geld, doch einige Klassiker sind längst zu echten Sammlerschätzen geworden.
Ein Spiel, das diesen Status wie kein zweites verkörpert, ist Nintendo World Championships 1990. Es entstand als spezielles Modul für ein Turnier, das Nintendo 1990 in 30 US-Städten veranstaltete.
Hintergründe zu den Machern und dem Konzept
Das Spiel wurde von Nintendo in Zusammenarbeit mit der Agentur Software Creations entwickelt. Dieses Studio war damals für die Portierung von Arcade-Titeln auf Heimkonsolen bekannt und arbeitete häufig für Acclaim oder LJN.
Das Modul enthielt eine modifizierte Version von Super Mario Bros., Rad Racer und Tetris. Spieler mussten in einem festen Zeitlimit Punkte sammeln, um im Turnier weiterzukommen.
- Die Gold-Edition des Moduls wurde als Preis an die Gewinner des Nintendo Power-Magazin-Wettbewerbs vergeben.
- Von dieser speziellen, goldenen Version existieren lediglich 26 Exemplare.
- Die grauen Module, die für das Turnier genutzt wurden, sind mit 90 bis 116 Stück ebenfalls extrem selten.
Warum ist der Preis so explodiert?
Die hohe Nachfrage entsteht durch die Kombination aus offizieller Historie und dem extrem begrenzten Angebot. Sammler bewerten das Modul nicht nur als Spiel, sondern als ein Artefakt der frühen E-Sport-Geschichte.
Der Zustand der Cartridge bestimmt den Endpreis massiv. Experten prüfen die Kontakte auf Korrosion und das Gehäuse auf kleinste Kratzer oder Vergilbungen.
- Provenienz: Zertifikate, die belegen, dass ein Modul aus dem ursprünglichen Turnier stammt, steigern den Marktwert.
- Grading: Firmen wie WATA Games oder VGA versiegeln und bewerten die Module. Ein hoher Score auf dem Acrylgehäuse treibt den Preis über die Millionengrenze.
- Originalverpackung: Für dieses Spiel existieren kaum vollständige Sets, was jedes gefundene Exemplar sofort zum Auktionshighlight macht.
Ein Preis wie für ein Eigenheim
Der Wert liegt mittlerweile im sechsstelligen Bereich. Bei Auktionen wechseln Exemplare für Summen den Besitzer, die problemlos den Kauf einer Eigentumswohnung finanzieren könnten.
Ein zertifiziertes Exemplar erzielte bei einer Auktion im Jahr 2021 einen Preis von über 200.000 US-Dollar. Die Kurve der Auktionsergebnisse zeigt seit Jahren steil nach oben.
- Investoren betrachten diese Module als alternative Wertanlage, ähnlich wie Gold oder Kunst.
- Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Module wird durch private Sammlungen, die das Spiel dauerhaft dem Markt entziehen, weiter verknappt.
- Jedes Mal, wenn ein Modul in einem Nachlass oder auf einem Flohmarkt auftaucht, löst dies in der Szene ein massives Medienecho aus.
Ein Erbe, das teuer wird
Wer das Spiel damals direkt von Nintendo oder bei einem Gewinnspiel erhielt, hält heute ein finanzielles Schwergewicht. Viele der grauen Module wurden nach dem Ende der Turnierserie von den Mitarbeitern der Agentur behalten oder in Büros vergessen.
Vergleichbare Titel sind Stadium Events von Bandai, das als erstes lizenziertes NES-Spiel in den USA gilt und durch einen Rückruf ebenfalls extrem rar ist. Während Stadium Events jedoch ein gewöhnliches Release war, bleibt Nintendo World Championships 1990 ein reines Marketing-Produkt ohne reguläre Veröffentlichung im Laden.
- Die Produktion des Moduls war rein funktional für den Turniereinsatz gedacht.
- Es gibt keine Anleitung oder Box im klassischen Einzelhandelsformat, was das Spiel für Sammler schwer definierbar macht.
- Die Suche nach einem unentdeckten Exemplar in alten Lagern bleibt der Heilige Gral für jeden Retro-Händler.
Die Community der Sammler hat ihre eigene Infrastruktur entwickelt, um die Echtheit jedes Moduls durch Seriennummern und Platinen-Scans zu verifizieren. Viele der heute im Handel verfügbaren Versionen sind Nachbauten, die den Wert echter Originale nicht erreichen. Wer heute ein solches Modul besitzt, bewahrt es in Tresoren auf, um Umwelteinflüsse auf die Hardware zu minimieren.