Was war passiert?
Fast 16 Jahre nach Midnight Club: L.A. (2008) bleibt die Rennspiel-Serie in der Versenkung. Ein ehemaliger Rockstar-Entwickler lieferte gegenüber Kotaku nun die Hintergründe für das Ende der Reihe.
Die Serie galt intern als „Red-Headed Stepchild“. Während Grand Theft Auto die Ressourcen und das Marketing-Budget kontrollierte, fehlte für die Rennspiele der Rückhalt in der Führungsebene.
Das Studio hinter dem Asphalt
Entwickelt wurde die Reihe von Rockstar San Diego, ehemals bekannt als Angel Studios. Vor der Übernahme durch Rockstar Games im Jahr 2002 produzierten sie Titel wie Midtown Madness für Microsoft.
- Angel Studios spezialisierte sich früh auf Arcade-Rennspiele in offenen Städten.
- Die Midnight Club-Reihe profitierte von der RAGE-Engine (Rockstar Advanced Game Engine), die ab Midnight Club: L.A. zum Einsatz kam.
- Das Studio leistete zudem Zuarbeit für die Red Dead Redemption-Serie, was die Prioritäten intern verschob.
Die Geschichte des Franchises
Die Serie startete im Jahr 2000 als Launch-Titel für die PlayStation 2. Sie definierte das Genre des „Street Racing“ mit einem Fokus auf illegale Rennen in urbanen Gebieten.
- Midnight Club: Street Racing (2000): Legte den Grundstein für das nächtliche Setting.
- Midnight Club II (2003): Führte Motorräder und eine verbesserte Fahrphysik ein.
- Midnight Club 3: DUB Edition (2005): Etablierte die Partnerschaft mit dem DUB Magazine, was lizensierte Fahrzeug-Modifikationen ermöglichte.
- Midnight Club: L.A. (2008): War der kommerzielle Höhepunkt mit einer realistischen Nachbildung von Los Angeles.
Das Problem mit dem Stiefkind
Interne Prioritäten bei Rockstar Games verlagerten sich nach 2008 massiv in Richtung GTA Online. Rennspiele benötigten für den Erfolg hohe Lizenzgebühren für Fahrzeugmarken, was die Gewinnmarge im Vergleich zu Eigenmarken wie GTA drückte.
- Die Entwicklungskosten stiegen, während der Absatz von Rennspielen stagnierte.
- Rockstar San Diego wurde zunehmend als Support-Studio für die Red Dead-Reihe eingespannt.
- Ein geplanter fünfter Teil wurde zugunsten von GTA V und dessen Multiplayer-Komponenten verworfen.
Branchenkontext und Vergleich
Zur Zeit der Veröffentlichung von Midnight Club: L.A. konkurrierte das Spiel direkt mit Need for Speed: Undercover. EA verfolgte mit Need for Speed eine jährliche Veröffentlichungsstrategie, während Rockstar einen längeren Entwicklungszyklus bevorzugte.
- Die Rennspiel-Landschaft änderte sich durch den Erfolg von Forza Horizon auf der Xbox 360.
- Forza Horizon besetzte die Nische der „Open World“-Rennspiele ab 2012 neu.
- Rockstar besaß mit GTA bereits eine Plattform, die Fahrzeugphysik integrierte, wodurch ein reines Rennspiel redundant erschien.
Warum das für Fans relevant ist
Spieler schätzten an Midnight Club das aggressive Fahrverhalten und die fehlenden Leitplanken in den Open-World-Städten. Die Serie verzichtete auf den Realismus von Simulationen wie Gran Turismo und setzte auf hohe Geschwindigkeiten.
- Das Fehlen eines modernen Nachfolgers lässt eine Lücke bei Arcade-Rennspielen mit Stadt-Setting.
- Die Lizenzen für die im Spiel enthaltenen Fahrzeuge laufen bei einem digitalen Re-Release häufig aus.
- Ohne aktive interne Fürsprecher bei Rockstar bleibt ein Remaster wirtschaftlich unattraktiv.
Kein Happy End in Sicht
Rockstar Games hat seit 2008 keine neuen Teile mehr für die Serie angekündigt. Die Entwicklungskapazitäten sind derzeit vollständig auf GTA VI ausgerichtet, das das größte Projekt in der Geschichte des Publishers darstellt.
Ein ehemaliger Entwickler bestätigte, dass die Marke intern als zweitrangig eingestuft wurde. Das Schicksal der Serie steht beispielhaft für die Konsolidierung von Entwicklerstudios auf wenige, hochprofitable Marken. Aktuell existieren keine Hinweise auf eine Wiederbelebung der Rennspiel-Reihe.