Ehrenpolizei für den Unkillable Demon King
Lee „Faker“ Sang-hyeok hat einen neuen Titel. Der berühmteste League of Legends-Spieler aller Zeiten wurde von der südkoreanischen Polizei zum Ehrenpolizisten ernannt. Gleichzeitig übernimmt er die Rolle des Cyber Gambling Prevention Ambassador.
Die Ernennung ist kein reines PR-Spektakel. In Südkorea ist Glücksspiel im Internet ein wachsendes Problem, besonders unter jungen Erwachsenen. Faker, bekannt für sein makelloses Image und seine Disziplin, soll als Vorbild wirken.
T1 und die Karriere von Faker: Zahlen und Hintergrund
Faker spielt seit 2013 für T1 (ehemals SK Telecom T1). Das Team wurde 2008 gegründet, wechselte 2023 durch eine Partnerschaft mit Comcast Spectacor den Namen. In elf Jahren gewann T1 vier Weltmeisterschaften (2013, 2015, 2016, 2023), alle mit Faker als Mid-Laner.
Seine Erfolge umfassen außerdem zwei Mid-Season-Invitational-Titel (2016, 2017) und zehn LCK-Meisterschaften. Kein anderer Spieler in der LoL-Geschichte hält mehr nationale Titel. Forbes schätzte Fakers Jahreseinkommen 2023 auf 5,2 Millionen US-Dollar (Gehalt plus Sponsoring).
Im Juni 2024 nahm Riot Games Faker als ersten Spieler in die Hall of Fame auf. Die Auszeichnung ist an keine weiteren Nominierungen gebunden, er bleibt der einzige Bis-jetzt-Gewählte.
Was bedeutet der Job für Faker?
- Öffentlichkeitsarbeit: Er wird bei Kampagnen gegen illegales Online-Glücksspiel mitwirken.
- Vorbildfunktion: Seine Popularität nutzt die Polizei, um Jugendliche zu erreichen.
- Keine Streife: Der Posten ist rein ehrenamtlich und zeremoniell.
Die koreanische Polizei setzt schon länger auf prominente Botschafter. Faker reiht sich damit in eine Liste von Sportlern und Entertainern ein. Seine Glaubwürdigkeit im E-Sport macht ihn zur idealen Wahl.
Zahlen und Fakten zu Cyber-Gambling in Südkorea
Laut einem Bericht des Korea Institute of Criminology von 2023 stieg die Zahl der Jugendlichen (15–19 Jahre), die an illegalen Online-Glücksspielen teilnehmen, binnen zwei Jahren um 18 Prozent. Geschätzt 1,5 Millionen Südkoreaner nutzen ausländische Glücksspielseiten, obwohl Online-Glücksspiel im Land verboten ist.
Die südkoreanische Nationalpolizei startete 2024 die Kampagne „Safe Cyber, No Gambling“ mit Faker als Gesicht. Zielgruppe sind 14- bis 25-Jährige. Die Polizei veröffentlichte bereits fünf Videospots, die auf YouTube und in Schulungsprogrammen laufen.
Faker ist der erste E-Sportler, der diese Rolle übernimmt. Zuvor waren Fußballer wie Heung-min Son oder K-Pop-Idole Botschafter. Der einzige weitere Profi-Gamer mit ähnlichem Status war Lee „Flash“ Young-ho, der 2013 zum Ehrenpolizisten ernannt wurde, allerdings ohne thematischen Schwerpunkt auf Glücksspielprävention.
Ein weiterer Meilenstein in einer legendären Karriere
Faker hat bereits unzählige Rekorde gebrochen, vier Weltmeisterschaften, unzählige MVP-Titel und einen Vertrag als Miteigentümer bei T1. Die Aufnahme in die Hall of Fame von Riot Games war 2024 ein weiterer Höhepunkt.
Sein Einfluss reicht längst über das Spiel hinaus. 2023 wurde er bereits zum koreanischen Postbotschafter ernannt. Nun folgt die Polizei. Faker bleibt damit der öffentlichkeitswirksamste E-Sportler Südkoreas, und einer der respektiertesten weltweit.
E-Sportler als Staatsdiener: Ein Trend?
Seit 2010 ernennt die südkoreanische Polizei regelmäßig Prominente zu Ehrenpolizisten. Die Liste umfasst Schauspieler, Sänger und Sportler. E-Sportler tauchten dort erst spät auf, zeigt jedoch, wie sehr sich die Wahrnehmung des E-Sports gewandelt hat.
2013 war Flash der erste Profi-Gamer in dieser Rolle. Zehn Jahre später folgt Faker mit einem konkreten Präventionsauftrag. Die Polizei erhofft sich direkten Zugang zu einer Zielgruppe, die klassische Kampagnen oft ignoriert.
Parallel dazu setzt auch die koreanische Regierung auf E-Sport-Botschafter: 2022 ernannte das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus LCK-Spieler zu „Game Culture Promotern“. Fakers neue Position ist die bislang prominenteste.
Retro-Gedanke: Vom Zocker zum Staatsdiener
Früher waren Profi-Gamer Außenseiter. Heute sitzt einer von ihnen auf der Ehrenbank der Polizei. Die Entwicklung zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft für E-Sport geöffnet hat.
Faker selbst hat sich noch nicht öffentlich geäußert. Seine Fans feiern die Nachricht bereits in den sozialen Netzwerken. Der Unkillable Demon King erobert nicht nur die Rift, sondern auch die Realität.