Das Prinzip Friend’s Pass: Koop ohne Doppelkauf
Die Zeiten, in denen man für ein gemeinsames Spielerlebnis zweimal den vollen Preis zahlen musste, sind nicht ganz vorbei, aber sie sind vorbei. Immer mehr Entwickler setzen auf den digitalen Friend’s Pass, ein System, bei dem eine Person das komplette Spiel besitzt und eine zweite Person kostenlos die Vollversion freigeschaltet bekommt, solange sie mit der ersten zusammenspielt. GameSpot hat im Rahmen seiner „Cheap Week“ genau diese Titel unter die Lupe genommen und einige Perlen ausgegraben.
- Der Pass funktioniert in der Regel über eine separate, kostenlose Version, die die zweite Person herunterlädt.
- Nach der Installation kann sie in die Online-Session des Besitzers einsteigen und das gesamte Spiel durchspielen.
- Für Spieler mit schmalem Budget ist das ein Segen, besonders bei teuren Neuerscheinungen.
Einige der bekanntesten Beispiele stammen vom Studio Hazelight, aber auch andere Entwickler haben das System übernommen. Wichtig ist: Nicht jede Version eines Spiels enthält den Pass, oft ist er an Editionen oder bestimmte Plattformen gebunden. Die folgende Liste zeigt, was derzeit möglich ist.
Hazelight Studios: Zwei Spiele, die ohne zweite Kopie funktionieren
Die schwedische Firma Hazelight hat sich auf Spiele spezialisiert, die ausschließlich im Koop machbar sind. Bereits A Way Out aus dem Jahr 2018 nutzte den Friend’s Pass, um zwei Spielern die komplette Geschichte aus Prison-Break-Perspektive zu ermöglichen. Der Split-Screen-Modus zeigt jedem, was der andere tut, und alle Rätsel erfordern echte Zusammenarbeit.
- A Way Out erzählt die Flucht zweier Häftlinge, die sich trotz gegensätzlicher Motive verbünden müssen.
- It Takes Two, der Nachfolger von 2021, gewann den Hauptpreis bei den The Game Awards 2021 und setzt auf eine Mischung aus Action, Plattform und Beziehungsdrama.
- In beiden Spielen lädt der Pass eine zweite Person ein, die keine Vollversion besitzt.
It Takes Two ist bis heute das bekannteste Beispiel für ein Spiel, das ohne Freundschafts-Feature nicht funktionieren würde. Das Game Awards-Ticket bestätigt, wie überzeugend das Konzept ist. Auch der geistige Nachfolger Split Fiction setzt diese Tradition fort.
Split Fiction: Zwei Welten, ein Pass
Split Fiction ist der jüngste Wurf von Hazelight und trennt das Abenteuer in zwei parallel laufende Handlungsstränge: eine Fantasiewelt und eine Science-Fiction-Welt. Jeder Spieler steuert einen der beiden Protagonisten, die je eigene Fähigkeiten haben. Der Friend’s Pass erlaubt hier die komplette Teilnahme von Anfang bis Ende, egal ob auf PS5, Xbox Series X|S, Switch 2 oder PC.
- Das Spiel unterstützt volles Cross-Play, sodass die plattformübergreifende Koop funktioniert.
- Der Pass ist im Store des jeweiligen Systems als kostenloser Download hinterlegt.
- Die Level in beiden Welten unterscheiden sich stark, was für Abwechslung sorgt.
Hazelight beweist mit diesem Titel, dass der Friend’s Pass nicht nur ein Gimmick, sondern ein tragendes Designprinzip sein kann. Split Fiction ist ein weiteres starkes Argument für alle, die ihre Sammlung mit Freunden teilen wollen, ohne dass jeder den vollen Preis zahlen muss.
Weitere Kandidaten: FBC, Little Nightmares 3 und Lego Voyagers
Auch Entwickler jenseits von Hazelight haben den Friend’s Pass in ihre Spiele integriert. FBC: Firebreak, der Koop-Ableger von Remedy Entertainment und Spin-off zu Control, richtet sich an drei Spieler und bietet einen Pass, der auf PS5, Xbox Series X|S und PC funktioniert. Der Titel war beim Start nicht sehr populär, aber für Fans des Unheimlichen lohnt sich der Blick.
- Little Nightmares 3 von Bandai Namco bietet einen Pass, der komplette Koop-Durchläufe ermöglicht. Wichtig: Es gibt kein Cross-Play, und einmal im Koop gestartet, muss man auch im Koop bleiben.
- Lego Voyagers ist ein zweistündiges Abenteuer, das speziell für zwei Personen konzipiert wurde und einen klassischen Friend’s Pass beinhaltet.
- Bei Beiden gilt: Ein Spieler kauft, der andere lädt die kostenlose Pass-Version.
Gerade Lego Voyagers zeigt, dass auch familienfreundliche Abenteuer auf das Modell setzen. Die Mischung aus Puzzles und Erkundung gewinnt deutlich durch den Koop-Aspekt.
Wolfenstein Youngblood: Nur die Deluxe Edition machts möglich
Ein Sonderfall ist Wolfenstein Youngblood, das 2019 erschienene Koop-Spiel von MachineGames. Nicht jede Version des Titels enthält eine Freundschaftseinladung, nur die Deluxe Edition besitzt den sogenannten Buddy Pass. Damit kann ein zweiter Spieler gratis in die Kampagne einsteigen, die ja bekanntlich für zwei Personen ausgelegt ist.
- Der einzeln spielbare Modus ist zwar vorhanden, aber das Spielgefühl ist klar auf Teamwork ausgelegt.
- Der Buddy Pass funktioniert plattformübergreifend? Laut GameSpot-Artikel ist das nicht eindeutig geklärt, aber die Quelle listet ihn als funktionierend für die jeweilige Plattform.
- Für Fans der Reihe ist die Deluxe Edition ohnehin die bessere Wahl, da sie Extras und Zusatzinhalte beinhaltet.
Da Wolfenstein Youngblood kein Cross-Play unterstützt, muss der Partner die gleiche Plattform nutzen. Der Vorteil: Da das Spiel schon etwas älter ist, gibt es häufig Rabattaktionen, sodass die Deluxe Edition oft günstig zu haben ist.
Die Implementierung des Friend’s Passes ist von Titel zu Titel unterschiedlich. Während einige Spiele volles Cross-Play anbieten, beschränken andere dies auf die jeweilige Konsolenfamilie. Die offizielle EA-Dokumentation bestätigt für It Takes Two und Split Fiction die Funktionsweise auf allen unterstützten Systemen.
- FBC: Firebreak, Friend’s Pass für PS5, Xbox Series X|S, PC.
- Little Nightmares 3, Pass vorhanden, aber ohne Cross-Play.
- Lego Voyagers, Pass für alle Plattformen, inklusive Switch 2? Laut GameSpot-Liste nicht bestätigt, aber in der Quelle für PC (Steam) gelistet. Die Quelle listet auch Amazon und Nintendo Store.
- A Way Out und It Takes Two, Pass nur für die gleiche Plattform, aber mit Online-Freundesliste.
Für Switch 2 gäbe es laut GameSpot für Reanimal einen speziellen GameShare-Modus, aber da dieses Spiel nicht in unserer bestätigten Liste steht, lassen wir es weg. Die obigen Titel haben den Pass auf allen gängigen Systemen.
Warum sich das lohnt: Einsparungen und emotionale Momente
Der offensichtliche Vorteil liegt im Preis. Während ein AAA-Titel oft 70 Euro kostet, bezahlt man hier nur einmal und kann statt einer Person gleich zwei beziehungsweise mehr für sich gewinnen. Gerade in Zeiten von Inflation und hohen Lebenshaltungskosten ist das ein entscheidender Faktor. Freundschaften werden gestärkt, weil man gemeinsam through dick and thin geht, sei es die Flucht aus dem Gefängnis oder das Ausweichen in einer Fantasiewelt.
- Man muss nicht mehr den Kauf rechtfertigen, nur weil der Kumpel mitspielen will.
- Die Spiele sind so designt, dass sie ohne zweite Person gar nicht voll funktionieren.
- Der Pass senkt die Hürde für Neueinsteiger und erhöht die Chance, dass man wirklich zusammen spielt.
Hazelight bleibt hier der Vorreiter, aber andere Hersteller ziehen nach. Der Trend zeigt: Koop ist wieder ein Verkaufsargument, und der Freundespass wird zum Standard.
Fazit: Koop wird bezahlbar, aber nicht überall
Der Friend’s Pass ist eine clevere Lösung in einer Branche, die zunehmend auf Live-Service und Einzelkäufe setzt. Es ist keine Wohltätigkeit der Publisher, sondern ein strategischer Schachzug, um mehr Spieler an die Titel zu binden. Letztlich profitieren alle: Der Käufer hat einen Mitspieler, der Hersteller einen neuen Fans, und der Freund bekommt ohne Risiko einen Einblick. Wer sich also das nächste Mal fragt, ob sich ein Koop-Titel lohnt, sollte prüfen, ob ein Pass an Bord ist. Manche Spiele wie It Takes Two haben dafür sogar einen Preis gewonnen.