Politische Erklärung zur gamescom 2026
Der game-Verband hat zur gamescom 2026 eine politische Erklärung vorgelegt, um den Standort Deutschland im internationalen Vergleich neu zu positionieren. Die deutsche Games-Branche leidet seit Jahren unter einer hohen Kostenstruktur bei gleichzeitigem Mangel an direkten Investitionsanreizen.
Kernforderungen für den Standort
Die deutsche Spieleentwicklung steht im globalen Wettbewerb, insbesondere gegen Standorte wie Kanada, Frankreich oder Polen, die mit Modellen wie Steuergutschriften und direkten Zuschüssen agieren. Während in Montreal durch lokale Subventionen eine Dichte an AAA-Studios wie Ubisoft Montreal entstanden ist, kämpfen deutsche Entwickler mit einer chronisch unterfinanzierten Forschungsförderung.
- Einführung einer bundesweiten Produktionsförderung, die sich an den realen Entwicklungskosten orientiert.
- Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in Metropolregionen, um die Arbeit an Cloud-basierten Projekten und Remote-Work-Modellen zu ermöglichen.
- Vereinfachung der Visabestimmungen für internationale Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten, um den Zuzug von spezialisierten Engine-Programmierern und Technical Artists zu beschleunigen.
- Verbindliche Ausgestaltung der steuerlichen Forschungszulage, die bisher für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Praxis schwer abrufbar ist.
In der Vergangenheit haben deutsche Studios wie Crytek (Far Cry, Crysis) oder Piranha Bytes (Gothic, Elex) bewiesen, dass technologische Exzellenz in Deutschland existiert, jedoch oft durch Abwanderung in ausländische Konzerne verloren geht. Die Games-Förderung des Bundes, die 2019 startete, hat zwar erste Impulse gesetzt, leidet jedoch unter langen bürokratischen Prozessen und einem Volumen, das im Vergleich zum UK Games Fund oder dem CNC-Fonds in Frankreich gering ausfällt.
Fokus auf Jugendschutz und Gesellschaft
Der game-Verband lehnt eine Verschärfung des Jugendschutzgesetzes ab und verweist auf die Effizienz der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Das bestehende System der Alterseinstufung wird als international kompatibel angesehen, da es durch die IARC (International Age Rating Coalition) eine digitale Brücke zu globalen Marktplätzen wie Steam oder PlayStation Store schlägt.
- Beibehaltung der USK-Alterskennzeichen, um Rechtsunsicherheit bei Plattformbetreibern zu vermeiden.
- Ablehnung einer staatlichen Vorab-Zensur bei Online-Spielen, da der Aufwand für Anbieter unverhältnismäßig hoch wäre.
- Anerkennung von Games als Kulturgut, um die Förderung durch den Deutschen Computerspielpreis (DCP) langfristig zu sichern.
Die Branche reagiert damit auf politische Forderungen nach strengeren Kontrollen bei In-Game-Käufen und Lootboxen, die in der Vergangenheit oft mit Glücksspiel gleichgesetzt wurden. Während Länder wie Belgien oder die Niederlande den Verkauf von Lootboxen in bestimmten Titeln verboten haben, setzt der game-Verband auf die Selbstregulierung durch Transparenzregeln.
Historischer Branchenkontext
Deutschland belegt im internationalen Ranking der Games-Umsätze den fünften Platz weltweit, hinkt jedoch bei der Anzahl der in Deutschland entwickelten Top-Seller hinterher. Der Großteil des Umsatzes wird durch den Vertrieb ausländischer Produktionen generiert, während deutsche Firmen oft als Co-Entwickler für internationale Aufträge fungieren.
- Im Jahr 2025 lag der Anteil deutscher Produktionen am heimischen Markt bei unter 5 Prozent.
- Große Marken wie Anno von Ubisoft Mainz bilden die Ausnahme, da sie durch langfristige Investitionen eines globalen Publishers stabilisiert werden.
- Kleine Studios, wie Daedalic Entertainment oder Deck13, zeigen zwar eine hohe kreative Dichte, benötigen jedoch bei größeren Projekten wie The Lords of the Fallen finanzielle Absicherung durch externe Investoren.
Der Verband unterstreicht, dass ohne eine Anpassung der Rahmenbedingungen die Gefahr besteht, dass Deutschland langfristig nur als Distributionsmarkt fungiert. Politische Entscheidungsträger haben seit dem Jahr 2020 wiederholt versprochen, die Steuerförderung zu evaluieren, wobei die Umsetzung bisher an unterschiedlichen Zuständigkeiten zwischen Bundeswirtschaftsministerium und Finanzministerium scheiterte. Die diesjährige gamescom dient daher als Testlauf für die politische Schlagkraft der Branche vor der nächsten Bundestagswahl.