Die Übernahme von Electronic Arts
Der Publisher Electronic Arts ist ab sofort ein Privatunternehmen. Ein Deal im Wert von 55 Milliarden Dollar hat die vollständige Übernahme durch Investoren aus Saudi-Arabien besiegelt.
Die Käufergruppe führt die in Riad ansässige Savvy Games Group, eine Tochter des saudischen Staatsfonds PIF. Savvy wurde 2022 gegründet, hält Mehrheitsanteile an SNK und besitzt Minderheitsbeteiligungen an Nintendo, Capcom und Nexon. Der Kaufpreis liegt auf dem Niveau der größten Deals der Branche, Microsoft zahlte 2023 für Activision Blizzard rund 68,7 Milliarden Dollar.
Dieser Schritt beendet die Ära von EA als börsennotiertes Unternehmen. Damit ändert sich die interne Struktur des Publishers grundlegend.
Electronic Arts wurde 1982 von Trip Hawkins gegründet und ging 1989 an die Börse. Die Aktie notierte unter dem Kürzel EA. Hawkins verließ das Unternehmen 1994, der langjährige CEO Larry Probst übernahm und baute EA später zur heutigen Größe aus.
Das Portfolio der EA-Studios
Electronic Arts kontrolliert derzeit über 20 verschiedene Entwicklerstudios. Diese Teams arbeiten an einer Vielzahl von Titeln und Marken.
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten unternehmenseigenen Studios:
- DICE (bekannt für Battlefield)
- BioWare (verantwortlich für Mass Effect und Dragon Age)
- Respawn Entertainment (Entwickler von Apex Legends und Star Wars Jedi)
- EA Sports (zuständig für Sport-Simulationen wie FC 24)
- Criterion Games
- Codemasters
- Maxis
- Ripple Effect Studios
- Full Circle
- Cliffhanger Games
Viele dieser Studios haben eigene Historie. DICE entstand 1992 als Digital Illusions in Stockholm und entwickelte zunächst Amiga-Spiele. Mit Battlefield 1942 gelang 2002 der Durchbruch; später kamen Mirror's Edge und Star Wars Battlefront dazu.
BioWare wurde 1995 von zwei Medizinern gegründet. Die ersten großen Erfolge waren Baldur's Gate und Neverwinter Nights, bevor EA das Studio 2007 übernahm. Respawn Entertainment gründeten 2010 Jason West und Vince Zampella, die zuvor Call of Duty bei Infinity Ward erschaffen hatten. Ihr Erstling Titanfall erschien 2014.
Codemasters ist seit 1986 im Geschäft und machte sich mit Rennspielen wie Colin McRae Rally und Dirt einen Namen. EA kaufte den britischen Spezialisten 2021 für 1,2 Milliarden Dollar. Maxis wurde 1987 von Will Wright gegründet, erfand SimCity und später Die Sims, eines der meistverkauften Spiele der PC-Geschichte.
Aktuelle Projekte der Studios
Die Studios arbeiten an diversen laufenden Projekten. Das Portfolio umfasst sowohl etablierte Sportmarken als auch actionreiche Adventure-Titel.
- DICE konzentriert sich auf die Pflege und Erweiterung der Battlefield-Reihe.
- Respawn Entertainment betreut den Live-Service von Apex Legends.
- BioWare arbeitet an der Fortführung ihrer bekannten Rollenspiel-Franchises.
- EA Sports veröffentlicht jährlich neue Iterationen ihrer Sporttitel.
Das letzte große Battlefield-Spiel, Battlefield 2042, erschien 2021 und erhielt beim Start scharfe Kritik wegen fehlender Serienfeatures. Seither baut EA das Spiel in mehreren Seasons um; laut CEO Andrew Wilson arbeitet ein Verbund aus DICE, Criterion und Ripple Effect am nächsten Serienteil, der die bislang größte Produktion der Reihe werden soll.
Respawn veröffentlichte 2023 mit Star Wars Jedi: Survivor die Fortsetzung seines Action-Abenteuers. Der Vorgänger Jedi: Fallen Order verkaufte sich über zehn Millionen Mal. Bei BioWare erschien im Herbst 2024 Dragon Age: The Veilguard, der erste Teil der Reihe seit zehn Jahren. Der nächste Mass Effect befindet sich laut Studio in der Vorproduktion.
EA Sports brachte 2024 mit FC 25 die zweite Ausgabe nach der Trennung von der FIFA-Lizenz heraus. Zudem kehrte mit College Football 25 eine langjährige US-Serie zurück, die seit 2014 nicht mehr veröffentlicht worden war.
Einblick in die Entwicklungskapazitäten
Das Unternehmen deckt mit seinen über 20 Studios verschiedene Genres ab. Die Teams sind weltweit verteilt und arbeiten an Titeln für PC, Konsolen und mobile Endgeräte.
Die Eigentümerstruktur hat keinen direkten Einfluss auf die bereits veröffentlichten Spiele in den digitalen Stores. Nutzer behalten den Zugriff auf ihre bestehenden Bibliotheken.
EA beschäftigt nach eigenen Angaben rund 13.000 Mitarbeiter, verteilt auf Standorte in Stockholm, Austin, Vancouver, Orlando und Tokio. Die hauseigene Frostbite-Engine stammt ursprünglich von DICE und wird mittlerweile für Sportspiele und Rollenspiele genutzt.
Der Verkauf an Savvy Games Group dürfte langfristige Auswirkungen auf die Spielentwicklung haben. Der saudische Staatsfonds verfolgt einen Plan, der aus dem Königreich einen regionalen Knotenpunkt für die Spieleindustrie machen soll. Im Geschäftsjahr 2024 meldete EA einen Nettoumsatz von 7,56 Milliarden Dollar.