Kein Preisverfall in Sicht
Microsoft, Apple und Lenovo haben in den letzten Tagen deutlich gemacht: Wer auf günstigere Gaming-Hardware hofft, wird enttäuscht. Die drei Tech-Schwergewichte rechnen nicht damit, dass Komponentenpreise bald fallen. Auslöser der Warnungen sind zuversichtliche Aussagen von Micron, einem der größten Speicherhersteller der Welt.
Micron sieht offenbar keine Notwendigkeit, die Preise zu senken. Das Unternehmen zeigte sich zuletzt so optimistisch, dass Analysten und Branchenbeobachter nun von einer anhaltend teuren Phase ausgehen. Wer auf einen Schnäppchen-Sommer für Grafikkarten, SSDs oder Konsolen gehofft hat, muss sich umstellen.
Was das für Gamer bedeutet
- Neue Konsolen und Gaming-PCs bleiben teuer, sowohl bei Microsoft (Xbox) als auch bei Apple und Lenovo, die beide stark im PC-Markt sind.
- Hochleistungs-Speicher (RAM, VRAM, SSDs) wird laut Microns Prognosen nicht günstiger werden. Das trifft vor allem Spieler, die aufrüsten oder einen neuen Rechner bauen wollen.
- Die Vorjahres-Welle von Preissenkungen bei älterer Hardware scheint abzuflauen. Microns Selbstvertrauen deutet darauf hin, dass die Nachfrage stabil bleibt.
Besonders bitter: Wer auf die nächste Konsolen-Generation wartet, könnte noch länger zur Kasse gebeten werden. Microsofts jüngste Äußerungen lassen keinen Spielraum für preisliche Zugeständnisse.
Microns wechselhafte Preispolitik der letzten Dekade
Micron wurde 1978 in Boise, Idaho gegründet und hat sich über Akquisitionen zum drittgrößten DRAM-Hersteller der Welt entwickelt. 1998 kaufte das Unternehmen die Speichersparte von Texas Instruments, 2010 den Flash-Spezialisten Numonyx. Heute hält Micron rund 25 Prozent des DRAM-Marktes (hinter Samsung mit 40% und SK Hynix mit 30%).
Die Preise für DRAM und NAND-Flash unterliegen seit jeher zyklischen Schwankungen. 2018 führte ein Überangebot zu einem Preisverfall von rund 30 Prozent. 2020/2021 ließ die Pandemie-Nachfrage die Preise steigen, gefolgt von einem Einbruch um 40 Prozent im Jahr 2023. Micron reagierte mit Produktionskürzungen und schrieb im Geschäftsjahr 2023 einen Umsatz von 15,5 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 30,8 Milliarden). Jetzt, im zweiten Quartal 2024, meldete Micron einen Umsatz von 5,8 Milliarden Dollar und eine Prognose von 6,6 Milliarden für Q3. Das ist die Basis für den neuen Optimismus.
Konsolenpreise im Wandel: Xbox und Playstation als Vergleich
Microsofts Xbox Series X startete 2020 bei 499 Euro, die Series S bei 299 Euro. Beide Preise sind bis heute unverändert. Zum Vergleich: Die Xbox One erschien 2013 ebenfalls für 499 Euro, wurde aber bereits nach zwei Jahren auf 399 Euro gesenkt. Die Xbox 360 erlebte ab 2007 mehrere Preisrunden, die den Einstiegspreis von 399 auf 199 Euro drückten. Sonys Playstation 5 kostet seit 2020 weiterhin 499 Euro (Disk-Version), obwohl die Playstation 4 nach zwei Jahren eine Reduzierung um 50 Euro sah.
Apple und Lenovo haben keine reinen Spielkonsolen, aber ihre Gaming-Hardware (MacBooks mit M-Chips, Legion-Notebooks) bewegt sich in ähnlichen Preisregionen. Lenovo verkauft die Legion-Serie zwischen 1000 und 3000 Euro, Preissenkungen gibt es meist nur zu Rabattaktionen. Apples Macs mit M3-Chips starten bei 1799 Euro für das 14-Zoll-Modell.
Lieferketten und Speicherpreise: Von der Krise zur Erholung
Die COVID-Pandemie führte 2020/2021 zu einer globalen Chip-Knappheit. DRAM-Preise stiegen um über 50 Prozent. Ab 2022 drehte der Markt: Überproduktion und schwächelnde Nachfrage drückten SSD-Preise um bis zu 50 Prozent nach unten. Gamer profitierten von günstigen 1-TB-SSDs für unter 80 Euro. Doch seit Anfang 2024 ziehen die Preise wieder an. Micron und Samsung kündigten im Februar und März Preiserhöhungen von 15 bis 20 Prozent für DRAM und NAND an.
Für Grafikkarten bedeutet das: Neue RTX-4000-Modelle von Nvidia kosten zum Teil 30 Prozent mehr als die Vorgänger RTX 3000. AMD verlangte für die RX 7000 Serie ähnliche Aufschläge. DDR5-RAM, der bei neuen Ryzen- und Intel-CPUs Standard ist, wird laut Microns Prognosen nicht unter das Niveau von 2021 fallen. Wer eine neue Konsole oder einen Gaming-PC plant, sollte sich auf stabile Höchstpreise bis mindestens 2025 einstellen.