Mehr Geld, weniger Konsole
Die aktuelle Konsolengeneration zeigt ein schmerzhaftes Muster: Wir zahlen mehr und bekommen weniger. Die UVPs klettern, während Features wie Disc-Laufwerke optional oder ganz gestrichen werden. Sonys PS5 Digital Edition startete 2020 bei 399 Euro, stieg 2022 auf 449 Euro, ohne Laufwerk. Die Standard-PS5 kostet seit dem gleichen Jahr 549 Euro. Microsofts Xbox Series X blieb bei 499 Euro, die schwächere Series S bei 299 Euro. Doch inflationsbereinigt liegen die Preise heute 10–15 Prozent über dem Niveau der PS4/Xbox One zum Launch (2013/2014).
Der Spielekauf wird ebenfalls teurer. 70 Euro sind inzwischen Standard, oft fehlen selbst grundlegende Optimierungen zum Release. Im Februar 2024 brachte Sony einen neuen Preis für ältere Spiele, das dritte Update für Gran Turismo 7 kostet 25 Euro, die Vollversion bleibt bei 80 Euro (Ultimate Edition). Microsoft zieht nach: Call of Duty: Black Ops 6 (2024) erscheint für 70 Euro, Game-Pass-Abonnenten zahlen 15-18 Euro monatlich. Das Gefühl, für sein Geld echten Gegenwert zu bekommen, schwindet.
Physische Spiele vor dem Kollaps
Physical Games stehen buchstäblich unter Wasser. Immer mehr Publisher reduzieren Disc-Auflagen oder liefern nur noch leere Hüllen mit Download-Codes. Ubisoft verkauft seit 2023 viele PC-Spiele nur noch digital, die Konsolen-Discs enthalten oft nur einen Code für die Xbox- oder PlayStation-Store-Version. Sogar Nintendo, lange Verfechter der Cartridge, bietet für The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom (2023) keine physische Version mit Update-Patches an, der komplette Inhalt passt nicht auf die 16-GB-Karte.
Das hat Folgen:
- Kein Gebrauchtmarkt mehr, GameStop meldete 2023 einen Rückgang der gebrauchten Konsolen-Spiele um 28 Prozent.
- Keine Möglichkeit, Spiele zu tauschen oder zu verschenken.
- Abhängigkeit von Servern und Lizenzen, Ubisoft deaktivierte 2024 die Server für The Crew (2014), machte das Spiel digital unspielbar.
- Sammler und Retro-Fans sehen ihre Leidenschaft ignoriert, physische Verkäufe von Konsolen-Spielen fielen in Europa 2023 auf unter 15 Prozent (Quelle: GSD).
Fehlende Killer-Argumente
Wo bleibt der Grund, eine neue Kiste zu kaufen? Die aktuelle Hardware (PS5, Xbox Series X) hat kaum exklusive Titel, die die Anschaffung rechtfertigen. Sonys Spider-Man 2 (2023) erschien auch auf PS4, God of War Ragnarök (2022) ebenfalls. Microsofts Halo Infinite (2021) und Forza Horizon 5 (2021) liefen ebenso auf der Xbox One. Echte Next-Gen-Exklusivtitel wie Ratchet & Clank: Rift Apart (PS5, 2021) oder Returnal (PS5, 2021) verkauften sich unter 2 Millionen Einheiten, zu wenig, um Hardware zu pushen.
Die Versprechen von Raytracing und 4K/60 fps sind oft Theorie. Cyberpunk 2077 (2020) erreichte auf PS5/Xbox Series X nur selten stabile 60 fps mit Raytracing, selbst nach dem 2.0-Update (2023). Starfield (2023) läuft auf Xbox Series X in 30 fps, ohne Raytracing. Stattdessen kämpfen Entwickler mit Optimierungen für zwei ähnliche Architekturen. Der Mehrwert zur Vorgängergeneration fällt mau aus, die PS4 Pro und Xbox One X lieferten bereits 4K-Auflösungen (30 fps) für viele Titel.
Die Retro-Perspektive
Aus Sicht eines Retro-Fans ist die Lage absurd. Alte Konsolen laufen auf einfacher Technik, haben aber volle Spiele auf Disc und Preis-Leistungs-Verhältnisse, die heute Utopie sind. Die PlayStation 2 (2000) kostete 299 Euro, Spiele 49–59 Euro, und die Konsole bot volle Unterstützung für physische Medien, inklusive DVD-Filmwiedergabe. Die Nintendo Switch (2017) startete für 299 Euro, Spiele für 59 Euro, und die Karten enthielten keine Download-Codes, bis 2023 blieb das so.
Nintendo mit der Switch hat gezeigt, dass Hybrid-Konzepte und starke Eigenproduktionen ziehen. Die Switch verkaufte über 132 Millionen Einheiten (Stand 2024), getrieben von Exklusivtiteln wie Animal Crossing: New Horizons (2020, 45 Mio. Einheiten) und Mario Kart 8 Deluxe (2017, 60 Mio.). Aber selbst dort schleichen sich Digital-Zwänge und steigende Preise ein: The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom (2023) kostet 69 Euro, die physische Karte hat nur 16 GB, Updates benötigen eine Speicherkarte. Die Frage ist nicht, ob jemand neue Konsolen will, sondern ob die Industrie den Preis dafür zahlt.
Ende mit offener Rechnung
Die Meinung von GamesRadar+ bringt es auf den Punkt: Die Konsolenbranche schlingert zwischen Gier und Gleichgültigkeit gegenüber den Spielern. Physische Spiele sind das Kanarienvögelchen im Bergwerk. Wenn es stirbt, bleibt nur ein digitales, teures Ökosystem, und die Frage, ob sich der Umstieg auf neue Hardware dann noch lohnt. Ein konkretes Beispiel: Microsoft gab im Februar 2024 bekannt, dass vier eigene Spiele auf die PS5 und Switch kommen (darunter Hi-Fi Rush und Sea of Thieves). Das untergräbt den Hardware-Anreiz weiter. Sony zog nach: Helldivers 2 (2024) erscheint gleichzeitig auf PS5 und PC, PC-Verkäufe machen bereits 40 Prozent aus. Die Konsolen als reine Spielemaschinen verlieren ihren Alleinstellungsmerkmal.