Als die Community Harada zum Grillen einlud
Katsuhiro Harada, der langjährige Director der Tekken-Serie, hat sich in einem aktuellen Gespräch an eine kuriose Verwechslung erinnert. Grund war die überwältigend positive Reaktion auf die Ankündigung von Leroy Smith für Tekken 7.
Die Fans feierten den charismatischen Großvater mit dem Stock und der coolen Haltung so sehr, dass sie Harada zu einem „Cookout“ einladen wollten. Was harmlos klang, entpuppte sich als kulturelle Falle.
„Ich dachte, das ist eine echte Grillparty“
Harada gab zu, den Begriff „Cookout“ völlig falsch eingeordnet zu haben. Statt einer virtuellen Feier oder eines Community-Events stellte er sich eine richtige amerikanische Gartenparty mit Bratwurst und Cola vor.
- Er wartete angeblich auf eine konkrete Einladung mit Adresse.
- Die Community meinte jedoch eine symbolische Geste der Wertschätzung.
- Das Missverständnis sorgte im Nachhinein für jede Menge Gelächter auf beiden Seiten.
Der ehemalige Entwickler betonte, dass er die Begeisterung für Leroy Smith zwar verstehe, aber die kulturellen Gepflogenheiten seiner internationalen Fans manchmal nicht auf Anhieb kapiere.
Leroy Smith, ein absoluter Fanliebling
Die Enthüllung des blinden Kampfkünstlers im Jahr 2019 war einer der emotionalsten Momente in Tekken 7. Harada selbst hatte den Charakter als Hommage an afroamerikanische Kampfsportlegenden entworfen.
Die Liebe der Spieler war so groß, dass sie Harada nicht nur für das Design feierten, sondern ihn auch in ihre eigene, informelle Community aufnehmen wollten. Das Ergebnis: ein herrlich menschlicher Moment, der zeigt, dass auch ein erfahrener Spieleentwickler ab und zu den kulturellen Kontext verpasst.
Heute lacht Harada über seine eigene Naivität. Die Einladung zum „Cookout“ nimmt er aber immer noch gerne an, nur diesmal mit dem Wissen, dass er nicht wirklich den Grill anwerfen muss.
Bandai Namco und die Tekken-Serie
Bandai Namco Entertainment entstand 2005 aus der Fusion von Namco und Bandai. Namco veröffentlichte den ersten Tekken 1994 in japanischen Arcade-Hallen. Das Spiel etablierte 3D-Kampfspiele und verkaufte sich über 9 Millionen Mal auf der PlayStation. Mit Tekken 3 (1997) erreichte die Serie einen Höhepunkt: über 8 Millionen Einheiten. Harada stieg 1993 bei Namco als Sound-Designer ein und übernahm ab Tekken 3 die Regie. Sein Stil prägte die Mischung aus ernster Handlung und humorvollen Charakteren (etwa Bob, der dicke Kämpfer).
Tekken 7 erschien 2015 in Arcade, 2017 auf Konsolen und verkaufte über 10 Millionen Exemplare. Der Erfolg erlaubte dem Team Gästekämpfer wie Akuma (Street Fighter) oder Negan (The Walking Dead) einzubauen. Leroy Smith war der erste neue Originalcharakter, der als Hommage an afroamerikanische Kampfsportkultur von Fans gefeiert wurde. Sein Kampfstil kombiniert Wing Chun und Kali, inspiriert von Jim Kelly und Bruce Lee.
Kulturelle Missverständnisse in der globalen Spieleindustrie
Haradas „Cookout“-Verwechslung ist kein Einzelfall. Fighting-Game-Communities im Westen haben eigene Codes: „Cookout“ bedeutet eine lockere, einladende Geste, keine konkrete Party. In Japan werden Einladungen oft als ernsthaft interpretiert. Yoshinori Ono, ehemaliger Producer von Street Fighter, berichtete ähnliches: westliche Fans boten ihm „Pizza“ an, er wartete auf Lieferung.
Die Tekken-Community ist besonders aktiv in sozialen Medien. Nach der Ankündigung von Leroy Smith am 8. November 2019 auf der Paris Games Week ging ein Video mit Harada viral, in dem er den Charakter vorstellte. Fans starteten den Hashtag #CookoutWithHarada. Das Missverständnis zeigt, wie direkte Kommunikation ohne kulturelle Übersetzung scheitern kann. Harada selbst trainierte Kampfsport und entwarf Leroy Smith als Tribut an Jim Kelly und Bruce Lee, die Geste der Community war eine Reaktion auf ein ungewöhnlich respektvolles Charakterdesign.