Milliardenschwere Pleiten und ein harter Schnitt
Hasbros große Pläne für die Videospiel-Zukunft haben einen Dämpfer bekommen. Der Spielzeug- und Verlagskonzern verbuchte im zweiten Quartal eine Abschreibung von 56 Millionen Dollar für Spiele, die erst ab 2028 erscheinen sollten.
CEO Chris Cocks spricht Klartext: „Wir haben unser Portfolio durchforstet und mehrere Titel gestrichen.“ Die nicht zahlungswirksame Wertberichtigung, ein unerwarteter Wertverlust, betrifft vor allem Projekte für 2028 und später.
Hasbro hatte in den Jahren 2021/2022 sechs interne Studios gegründet oder akquiriert: Archetype Entertainment (RPG-Spezialisten, gegründet von Ex-BioWare-Mitgründer James Ohlen), Skeleton Key (Brettspiel-Digitalisierung, bekannt für Battletech), Atomic Arcade (mobiles Studio hinter Transformers: Forged to Fight) und Invoke Studios (bisher ohne eigene Veröffentlichung). Dazu kamen Giant Skull (Stig Asmussens Studio, vorher God of War III, Star Wars Jedi: Fallen Order) sowie Looking Glass Studios (nicht das legendäre, sondern ein neu aufgebautes Team für ein D&D-Spiel). Von diesen sechs existieren heute noch vier, Giant Skull wurde geschlossen, Looking Glass hat sein Projekt verloren.
Vier Prioritäten: Fokus, Kosten, Plattformen, Partner
- Fokus: Hasbro will sich auf Trading Card Games und Rollenspiele konzentrieren, insbesondere Magic: The Gathering und Dungeons & Dragons.
- Kostendisziplin: Die jährlichen Digital-Ausgaben sinken. Statt vieler kleiner Projekte setzt man auf wenige, vielversprechende.
- Eigene Plattformen: Wo möglich, behält Hasbro die Kontrolle über Technik und Vertrieb.
- Partnerschaften: Erfolgsbeispiel Scopely, mit Monopoly Go soll der Lifetime-Umsatz noch 2026 die 8-Milliarden-Dollar-Marke knacken.
Cocks bekräftigt: „Wir konzentrieren uns auf Franchises, bei denen wir das stärkste Recht zu gewinnen haben.“
Die Neuausrichtung folgt einem Muster, das auch andere Publisher wie Electronic Arts oder Take-Two zeigen. Nach einer Phase breiter Experimente (z.B. Anthem, Marvel’s Avengers) kappen viele Firmen parallel laufende Projekte, um die Entwicklungskosten unter Kontrolle zu halten. Hasbros Abschreibung von 56 Mio. Dollar ist im Vergleich zu EA’s 1,2 Mrd. Dollar Write-down 2023 eher moderat.
Die gestrichenen Projekte im Detail
Das am weitesten fortgeschrittene gecancelte Spiel war das D&D-Singleplayer-Action-Adventure von Giant Skull. Stig Asmussen hatte das Studio 2019 gegründet, nachdem er Jedi: Fallen Order bei Respawn abgeliefert hatte. Das Projekt trug den Arbeitstitel „Project Apollo“ und war als narrative Action-Kampagne mit RPG-Elementen konzipiert. Hasbro strich es im Mai, bevor ein öffentlicher Trailer existierte. Das Studio wurde geschlossen, 50 Mitarbeiter entlassen.
Auch interne Prototypen für Magic: The Gathering-Actionspiele und ein Transformers-Open-World-Titel (bei einem nicht genannten Partnerstudio) wurden gestoppt. Die 56 Mio. Dollar decken die bisherigen Entwicklungskosten für diese Titel ab, inklusive Lizenzen, Engine-Lizenzen und Gehälter.
Was bleibt? Exodus, Warlock und GI Joe
Die Sci-Fi-Adventure Exodus und das D&D-Spiel Warlock sind weiterhin für 2027 geplant. Auch der GI-Joe-Titel von Atomic Arcade (mit Snake Eyes) ist trotz Entlassungen in diesem Jahr noch in Entwicklung.
Exodus wird von Archetype Entertainment entwickelt, James Ohlens Studio, das zuvor das gefeierte Star Wars: Knights of the Old Republic bei BioWare mitentworfen hat. Das Spiel soll ein neues Sci-Fi-Universum aufbauen, angesiedelt in einer Welt mit Zeitdilatation und Klon-Kriegern. Ein erster Gameplay-Trailer zeigte 2024 beeindruckende Umgebungen, aber keinen Release-Termin.
Warlock von Invoke Studios ist ein kooperatives D&D-Spiel mit Echtzeit-Kämpfen und Klassen-System. Geplant für PC und Konsolen. Der Titel wurde 2023 mit einem Teaser angekündigt, seither gab es keine weiteren öffentlichen Builds.
Der GI-Joe-Titel bei Atomic Arcade wurde nach der Übernahme von Transformers: Forged to Fight (2017, 5 Mio. Downloads) konzipiert. Erstes Konzept: ein Third-Person-Shooter mit Snake Eyes als spielbarer Figur, basierend auf der IDW-Comicreihe. Das Team wurde 2024 von 120 auf 50 reduziert.
Gestrichen wurde dagegen das D&D-Singleplayer-Action-Adventure von Giant Skull, dem Studio von Ex-God of War-Regisseur Stig Asmussen. Die Absage kam bereits im Mai.
Die Lehren aus Baldur's Gate 3 und Monopoly Go
Hasbro hatte 2022 sechs interne Studios gegründet und laut Dan Ayoub (damals Digitalchef) 1 Milliarde Dollar in Invoke, Archetype, Skeleton Key und Atomic Arcade gesteckt. Doch 2023 wurden fünf Projekte gecancelt, es folgten Massenentlassungen.
Ayoub betonte 2024, dass keines der damaligen Projekte als Games-as-a-Service konzipiert war. Die Strategie: lieber ein Baldur’s Gate 3 (von Larian) oder Monopoly Go (von Scopely) als viele mittelmäßige Livedienste.
Baldur’s Gate 3 spielte bis Ende 2024 über 800 Mio. Dollar ein bei Kosten von rund 100 Mio. Dollar. Monopoly Go erwirtschaftete 2024 monatlich über 200 Mio. Dollar Umsatz. Beide Titel zeigen, was Hasbro anstrebt: ein Blockbuster pro Franchise, der jahrelang Geld bringt, anstatt viele kleine Spiele, die nur kurze Aufmerksamkeit erhalten.
Hasbro setzt nun auf wenige, hochkarätige Titel statt auf eine breite Palette, ein riskanter, aber klarer Kurs. Die 56 Millionen Dollar sind der Preis für diese Neuausrichtung.