Der Preis des Sparens
Hasbro, der Eigentümer der Marken Baldur’s Gate und Dungeons & Dragons, meldet einen Verlust von 56 Millionen Dollar für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2024. Der Grund: eine Strategie, die fast alle laufenden Spieleprojekte cancelte und damit auch die potenziellen Einnahmen. Die Logik dahinter schien einfach: Weniger Projekte bedeuten weniger Kosten. Doch ohne abgeschlossene Spiele fließt auch kein Geld zurück. Die Zahl entstammt dem jüngsten Quartalsbericht von Hasbros Spiele-Sparte, in dem auch die Schließung des internen Entwicklungsstudios Wizards of the Coast Digital erwähnt wird. Laut Analysten von Cowen wurden mindestens drei unangekündigte Titel gestoppt, darunter ein Rollenspiel im Stil von Dark Souls mit D&D-Lizenz.
Die gnadenlose Streichliste
Hasbro strich in den letzten Monaten eine Reihe unangekündigter oder früher Entwicklungsprojekte. Die Hoffnung: sich auf wenige, sichere Blockbuster konzentrieren, ähnlich dem Erfolg von Baldur’s Gate 3. Doch der Plan ging nach hinten los. Die verbleibenden Titel kamen entweder nicht in den Verkauf oder wurden selbst gecancelt. Laut GamesRadar+ ist noch nicht bekannt, welche Spiele diesmal dem Rotstift zum Opfer fielen. Welche Studios oder Lizenzen betroffen sind, bleibt unklar. Parallel dazu wurde ein bereits fertiggestelltes Magic: The Gathering-Computerspiel von Sheep Entertainment (Entwickler von The Legend of Bumbo) im Januar 2024 eingestellt, das Material liegt auf Eis. Ein weiteres D&D-Spiel von Hidden Path Entertainment (bekannt für Defense Grid) wurde 2023 nach drei Jahren Entwicklung abgesagt.
Wiederholungstäter
Dies ist nicht der erste Fehlschlag dieser Art. Bereits in der Vergangenheit hatte Hasbro Probleme, aus seinen starken IPs zeitnah Spiele zu veröffentlichen. Die 56 Millionen Dollar Verlust sind ein weiterer Beleg dafür, dass Canceln allein noch keine Erfolgsstrategie ist. 2022 schrieb Hasbro 100 Millionen Dollar auf ein D&D-Projekt von Tuque Games ab, das Studio wurde daraufhin geschlossen. Das veröffentlichte Dungeons & Dragons: Dark Alliance (2021) von Tuque Games erhielt auf Metacritic eine Wertung von 58 und verkaufte laut Schätzungen weniger als eine Million Einheiten. Während Konkurrenten wie Larian Studios mit Baldur’s Gate 3 Maßstäbe setzten, scheint der Mutterkonzern weiter auf der Suche nach dem richtigen Rezept. Baldur’s Gate 3 selbst wurde von Hasbro nicht finanziert, Larian trug die Entwicklungskosten von rund 100 Millionen Euro selbst und zahlte Hasbro eine Lizenzgebühr.
Die Geschichte hinter den Marken
Baldur’s Gate 3 (2023) ist der dritte Teil der Reihe, die 1998 von BioWare mit Baldur’s Gate 1 gestartet wurde. BioWare entwickelte auch den zweiten Teil, Baldur’s Gate 2: Shadows of Amn (2000) und die Erweiterung Throne of Bhaal (2001), alle mit der Dungeons & Dragons-Regelversion Advanced Dungeons & Dragons 2nd Edition. Die Reihe verkaufte bis 2023 über 30 Millionen Einheiten. Larian Studios, gegründet 1996 in Belgien, machte sich zuvor mit der Divinity: Original Sin-Serie (2014, 2017) einen Namen, die zusammen über 5 Millionen Einheiten absetzte. Baldur’s Gate 3 verkaufte in den ersten zwei Wochen 5,2 Millionen Exemplare und erzielte 2023 einen Umsatz von über 800 Millionen Dollar. Hasbro besitzt die Rechte an D&D und vergibt Lizenzen, hat aber selbst kein internes Entwicklerteam für AAA-Spiele mehr.
Branchenkontext
Hasbros Strategie ist kein Einzelfall: Embracer Group cancelte nach der Übernahme von Crystal Dynamics und Eidos-Montréal mehrere unangekündigte Titel, darunter ein Deus Ex-Projekt, um Schulden abzubauen. Microsoft schloss 2023 die Studios Tango Gameworks und Arkane Austin, obwohl diese mit Hi-Fi Rush und Redfall (schlechte Kritiken) unterschiedliche Erfolge vorwiesen. Der Unterschied: Erfolgreiche Publisher wie Sony setzen auf wenige, aber lang entwickelte Spiele (z. B. God of War Ragnarök über 5 Jahre), während Hasbro nach dem Baldur’s Gate 3-Hype hastig Lizenzen vergeben und Projekte ohne klaren Entwicklungsplan anläuft. Ein Vergleich: Wizards of the Coast kündigte 2019 fünf D&D-Videospiele an, nur eines (Dark Alliance) erschien, zwei wurden gecancelt, zwei nie offiziell bestätigt.
Kein Ende in Sicht
Bis heute hat Hasbro keine neuen Veröffentlichungstermine genannt. Die verlorenen 56 Millionen Dollar sind eine Warnung an alle Publisher, die glauben, radikales Streichen sei der Schlüssel zum Erfolg. Im Juli 2024 gab Hasbro bekannt, dass ein weiteres D&D-Spiel, entwickelt von Starbreeze Studios (Payday 2), auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Der Aktienkurs von Hasbro fiel nach der Quartalsmeldung um 2,4 Prozent.