Gerüchte aus dem Hardware-Grab
Angeblich plant Intel eine Rückbesinnung auf alte Produktlinien, und zwar bis zurück zu Comet Lake. Die Quelle: PCGamer, die von entsprechenden “Rumours” berichtet. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht.
Intels 14nm-Monopol und die Folgen
Comet Lake war der Höhepunkt einer jahrelangen Abhängigkeit von Intels 14nm-Fertigung. Seit der sechsten Core-Generation (Skylake, 2015) bis hin zur elften (Rocket Lake, 2021) steckte Intel auf diesem Prozess fest, der eigentlich nur für ein bis zwei Generationen ausgelegt war. Die ursprünglich für 2016 versprochene 10nm-Fertigung (Cannon Lake) erschien erst 2018 in lächerlich geringen Stückzahlen und blieb bis Alder Lake (2021) für Desktop irrelevant. Comet Lake (2020) war der achte 14nm-Refresh in Folge, ein Zeichen extremer Fertigungsverzögerungen.
Intel produzierte damals über 80 Prozent seiner Desktop-CPUs auf 14nm, während AMD mit 7nm (Ryzen 3000, 2019) bereits effizientere und günstigere Mehrkernmodelle lieferte. Comet Lake war kein Techniksprung, sondern ein taktischer Notbehelf: Zehn Kerne auf einem sterbenden Sockel, gepaart mit 125 Watt TDP und einem PCIe 3.0-Interface, das selbst damals hinter AMDs PCIe 4.0 zurückblieb.
Was war Comet Lake überhaupt?
- Intels zehnte Core-Generation, 2020 auf den Markt gebracht
- Basierte auf dem LGA 1200-Sockel und brachte bis zu zehn Kerne auf den Desktop
- Galt als letzter Vertreter der Skylake-Architektur vor dem Wechsel zu Rocket Lake
Der Retro-Trend: Von Hardware-Revivals und Nischenmärkten
Wiederbelebungen alter Hardware sind nicht ohne Vorbild. Nintendo brachte 2016 die NES Classic Edition zurück, ein Mini-Nachbau, der 30 NES-Spiele enthielt und sich über 2,3 Millionen Mal verkaufte. Sega folgte 2019 mit der Mega Drive Mini. Im PC-Bereich produzierte Nvidia die GeForce GTX 1650 bis 2022 in neu aufgelegten Versionen für den OEM-Markt. Sogar AMD liefert noch immer Ryzen 5 5600 (Zen 3) als Budget-Chip, obwohl Zen 4 längst verfügbar ist.
Doch diese Revivals betreffen meist komplette Systeme oder GPUs, nicht CPU-Architekturen auf toten Sockeln. Ein erneuter Lauf von Comet Lake würde bedeuten, dass Intel alte 14nm-Wafer wieder in Produktion nimmt, ein Prozess, den TSMC und Intel selbst nur dann nutzen, wenn die Nachfrage extrem günstige Chips ohne Leistungsanspruch deckt (z.B. Celeron- oder Pentium-Modelle für Embedded-Systeme). 2024 lag der Preis eines neuen i5-10400 bei unter 100 Euro auf dem Gebrauchtmarkt, ein neuer Chip müsste preislich darunter liegen, um attraktiv zu sein.
Mögliche Beweggründe für Intel
- Engpässe in der Fertigung neuerer Chips könnten eine Rolle spielen
- Oder der Wunsch, den Retro-Trend im Hardware-Sektor zu bedienen, ähnlich wie andere Hersteller alte Produktlinien wiederbeleben
- Comet Lake wäre ein günstiger Einstieg für Budget-Gamer, da die Plattform inzwischen günstig zu haben ist
Technische Grenzen eines Comet-Lake-Revivals
Selbst wenn Intel Comet Lake neu auflegte, bliebe die Plattform technisch limitiert. LGA 1200 unterstützt kein PCIe 4.0, keinen DDR5-Speicher und keine integrierte WiFi-6E-Unterstützung. Aktuelle Mittelklasse-Grafikkarten wie die Nvidia RTX 4060 oder AMD RX 7600 verlieren auf PCIe 3.0 etwa 3–5 Prozent Leistung, bei leistungsstärkeren Modellen wie der RTX 4090 steigt der Verlust auf 10–15 Prozent. Zudem sind Mainboards mit Z490/Chipsatz kaum noch neu erhältlich; ein Revival würde neue Boards (z.B. B460-Refresh) erfordern, die niemand mehr entwickelt.
Concrete Zahlen: Der Core i9-10900K erreicht in Cinebench R23 einen Multi-Thread-Score von rund 12.500 Punkte, ein moderner Core i5-14400 (Raptor Lake Refresh, 10 Kerne/16 Threads) schafft 16.000 Punkte bei gleichem Preis (ca. 220 Euro). Ein neu aufgelegter Comet Lake müsste also unter 100 Euro liegen, um preislich gegen aktuelle Einstiegs-CPUs zu bestehen. Und selbst dann fehlen Features wie AV1-Decodierung (in Spiele-Videos) oder Resizable BAR, die moderne Chips bieten.
Auswirkungen auf Gamer
- Besitzer alter Z490- oder B460-Mainboards würden von neuen CPUs profitieren
- Comet-Lake-Chips laufen in aktuellen Spielen immer noch flüssig, vor allem mit einer soliden Grafikkarte
- Ein Revival könnte den Gebrauchtmarkt beruhigen und Preise für ältere Hardware senken
Klarer Hinweis: Nur ein Gerücht
Weder Intel noch glaubwürdige Quellen haben die Pläne bestätigt. Die Meldung stützt sich allein auf Spekulationen. Sollte Intel tatsächlich alte Chips neu auflegen, wäre das ein Schritt, den kaum jemand erwartet hat.
Keine Nostalgie ohne Druck
Die Idee, Comet Lake zurückzuholen, zeigt vor allem eines: Intels Desktop-Sparte steht unter Zugzwang. Wie viel Wahrheit in dem Gerücht steckt, bleibt abzuwarten.
2023 verkaufte Intel 50,5 Millionen Desktop-CPUs, ein Rückgang von 21 Prozent gegenüber 2022. AMD gewann im gleichen Zeitraum Marktanteile im DIY-Segment. Ein Comet-Lake-Revival wäre kein Zeichen von Stärke, sondern der Versuch, mit veralteter Technologie eine Lücke zu stopfen, die neuere Chips nicht mehr füllen können.