Ein Samurai hinter dem Mikrofon
Keanu Reeves übernimmt die Stimme des Titelhelden im Stop-Motion-Projekt Hidari. Das Projekt entsteht unter der Federführung von Whatever Co., dwarf studios und TECARAT.
Die Ankündigung erfolgte während eines Showcases bei den Filmfestspielen von Cannes. Das Team setzt auf eine physische Ästhetik, die sich bewusst von der Dominanz digitaler Animationen abgrenzt.
Wer war Hidari Jingoro?
Hidari Jingoro ist eine legendäre Gestalt der Edo-Zeit, die in der japanischen Überlieferung als genialer Holzschnitzer auftaucht. Die Folklore schreibt ihm unter anderem die Erschaffung der „schlafenden Katze“ am Nikkō Tōshō-gū-Schrein zu.
Die Erzählung nutzt diese historische Basis für eine stilisierte Rachegeschichte:
- Jingoro verliert seinen rechten Arm bei einem Überfall.
- Er ersetzt das Gliedmaß durch eine selbst geschnitzte Holzprothese.
- Diese Prothese dient ihm als Waffe in seinem Rachefeldzug gegen ehemalige Verbündete.
Hinter den Kulissen der Produktion
Die beteiligten Studios bringen unterschiedliche Expertisen in das Projekt ein, um die Produktion zu stützen. dwarf studios aus Tokio ist spezialisiert auf hochwertige Stop-Motion-Arbeiten.
Bekannte Arbeiten von dwarf studios:
- Rilakkuma und Kaoru (Netflix-Serie, 2019): Ein weltweiter Erfolg, der das Studio in den Fokus internationaler Plattformen rückte.
- Komaneko: Eine eigene Marke des Studios, die das Potential von Puppenanimation für emotionale Erzählungen demonstrierte.
- Werbespots und Kurzfilme für Marken wie Domino’s Pizza oder NHK, die technische Präzision bei begrenztem Zeitbudget erfordern.
TECARAT fungiert als Spezialist für die physische Umsetzung der Kulissen und Miniaturen. Das Unternehmen hat sich einen Namen durch die Arbeit an komplexen Set-Designs gemacht, die in der japanischen Werbeindustrie gefragt sind.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Der Markt für Stop-Motion-Filme mit düsterer Thematik ist in den letzten Jahren durch Produktionen wie Guillermo del Toros Pinocchio (2022) gewachsen. Hidari positioniert sich als Nischenprodukt für ein erwachsenes Publikum, das den Kontrast zwischen traditionellem Handwerk und moderner Erzählweise sucht.
Vergleichbare Projekte im Bereich der japanischen Animationskunst:
- Junk Head (2021) von Takahide Hori: Ein Soloprojekt, das über sieben Jahre hinweg entstand und die Grenzen handgemachter Animation aufzeigt.
- Mad God (2021) von Phil Tippett: Ein Beispiel für die Kombination aus Stop-Motion und einer unkonventionellen, gewalthaltigen Erzählweise.
Das Budget für Hidari wird durch die Beteiligung von Reeves und international agierenden Produktionspartnern auf ein höheres Niveau gehoben als bei reinen Independent-Arbeiten. Das Projekt nutzt die Popularität des Schauspielers für die Finanzierung einer Formsprache, die sonst kaum Zugang zu globalen Verleihmärkten findet.
Japanisches Flair im Kino
Reeves pflegt eine lange Verbindung zum japanischen Actionkino und dessen Ästhetik. Seine Rolle in 47 Ronin (2013) war sein erster großer Ausflug in das Genre, auch wenn der Film bei Kritikern und an den Kinokassen gemischte Ergebnisse erzielte.
Die Arbeit an John Wick hat sein Verständnis für choreografierte Bewegungsabläufe geprägt. Diese Erfahrung überträgt er nun auf die stilisierte Gewalt in Hidari.
- Das Team plant die Veröffentlichung als abendfüllenden Spielfilm.
- Die visuelle Gestaltung orientiert sich an klassischen japanischen Holzschnitten, den Ukiyo-e.
- Das Studio nutzt 3D-gedruckte Ersatzteile für die Figuren, um die Mimik der Charaktere präziser zu steuern.
Die Produktion verzichtet weitgehend auf digitale Nachbearbeitung der Bewegungsabläufe. Die Zuschauer sehen die physischen Artefakte und die Texturen der hölzernen Oberflächen in jeder Einstellung.