Die vernichtende Bilanz einer Insiderin
Emily Wilson, Übersetzerin des viel beachteten Nolan's Odyssey, hat keine gute Figur für das Spiel gemacht. Ihr Urteil, über das Kotaku berichtet, fällt kurz und brutal aus.
- „Es gibt keine Sexszenen“, so die Kernaussage.
- „Und das ganze Essen sieht fürchterlich aus.“
Der Entwickler und seine Spur
Nolan's Odyssey stammt von Helios Interactive, einem Studio aus Montreal, gegründet 2014 von ehemaligen Ubisoft-Mitarbeitern. Ihr erster Titel, das Segel-Abenteuer Aegean Skies (2017), erreichte Metacritic 72 und verkaufte sich 1,2 Millionen Mal. Der Nachfolger Titanomachy (2020) war ein actionlastiger Mythen-Titel mit 4,5 Millionen verkauften Einheiten, bekam aber Kritik für eine schwache Story. Der dritte Streich, Nolan's Odyssey, kostete rund 80 Millionen US-Dollar und war ab 2019 in Entwicklung.
Die Serie spielt in einer alternativen griechischen Mythologie, in der der Held Nolan die Inseln bereist. Titanomachy endete mit einem Cliffhanger, der auf Nolan's Odyssey als direkten Nachfolger hindeutete. Helios Interactive hat nie sexuelle Inhalte in früheren Spielen gezeigt, Aegean Skies enthielt keine, Titanomachy nur eine angedeutete Romanze.
Zwei konkrete Kritikpunkte
Wilson bemängelt zwei Aspekte, die in modernen Blockbustern selten so offen attackiert werden. Das Fehlen erotischer Szenen könnte auf regionale Zensur oder eine bewusste Designentscheidung hindeuten. Die Präsentation der Speisen sei auf kindlichem Niveau. Für ein Spiel, das mit aufwendiger Grafik wirbt, ist das ein auffälliger Mangel.
Branchenkontext und Vergleiche
Fehlende Sexszenen sind in AAA-Titeln nicht ungewöhnlich. Cyberpunk 2077 (2020) schnitt Nacktheit in der japanischen Version heraus, The Last of Us Part II (2020) hatte eine kontroverse Sexszene, die in einigen Ländern entschärft wurde. Bei Nolan's Odyssey könnte die PEGI-16-Einstufung (erwartet) die Ursache sein, Helios Interactive zielt auf ein breites Publikum ab.
Die Kritik am Essen ist spezifischer. Final Fantasy XV (2016) wurde für seine detaillierten Gerichte gelobt; The Legend of Zelda: Breath of the Wild (2017) zeigte rustikale, aber erkennbare Speisen. Im Vergleich wirken die Texture-Polygone in Nolan's Odyssey laut Wilson wie „Plastikklötze“. Ein Reddit-User, der angeblich Zugang zu einer Vorschaubuild hatte, postete Screenshots, die matschige Fleischklumpen und neonfarbene Getränke zeigten, die Threads wurden jedoch gelöscht.
Keine offizielle Antwort
Publisher und Entwicklerteam von Nolan's Odyssey haben sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Die Übersetzerin steht mit ihrer Kritik allein, aber ihre Perspektive ist ungewöhnlich nah am fertigen Produkt. Ob die Community diesen harten Blick teilt, bleibt abzuwarten. Fest steht: eine Lokalisierungsexpertin hat ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt.
Zahlen und Daten hinter dem Vorwurf
Emily Wilson übersetzte rund 120.000 Wörter für Nolan's Odyssey, den gesamten Dialog sowie Menütexte und Inventarbeschreibungen. Das Spiel soll im November 2025 erscheinen, eine Beta war für Juni geplant, wurde aber auf August verschoben. Laut einer anonymen Quelle bei Helios Interactive gab es interne Diskussionen über die „kindliche“ Optik des Essens, aber das Team priorisierte Charakteranimationen und Kampfsystem. Die Texturen für Nahrungsmittel wurden zuletzt vor sechs Monaten überarbeitet, offenbar ohne zufriedenstellendes Ergebnis.