Ein frischer Ansatz für das Ultimate Universe
Marvel Comics adaptiert für das von Jonathan Hickman gestaltete Ultimate Universe ein kompaktes Format. Dieses Design erinnert Fans direkt an die handlichen Ausgaben, die bei DC Comics bereits seit Längerem etabliert sind.
Das neue Ultimate Universe, das 2023 mit Ultimate Invasion #1 startete, dient als moderner Gegenentwurf zur ursprünglichen Ultimate-Linie von 2000. Damals schufen Brian Michael Bendis und Mark Millar eine alternative Kontinuität, um neue Leser ohne die Last jahrzehntelanger Historie zu gewinnen. Das aktuelle Projekt unter Hickman verfolgt den gegenteiligen Ansatz: Es zeigt eine Welt, in der der Bösewicht The Maker, eine dunkle Version von Reed Richards, die Entstehung der Superhelden gezielt verhinderte.
Warum das Format überzeugt
Die neuen Ausgaben setzen auf eine kompaktere Aufmachung, die den Lesefluss verändert. Diese physische Anpassung bietet klare Vorteile für Sammler und Gelegenheitsleser:
- Das kleinere Format liegt besser in der Hand.
- Die Hefte lassen sich leichter transportieren.
- Das Design sorgt für eine übersichtliche Darstellung der Panels.
Die physische Beschaffenheit orientiert sich an den sogenannten Compact Comics, die DC Comics seit 2024 massiv forciert. DC nutzt hierbei eine Größe von etwa 13,5 x 21 Zentimetern, was den klassischen Trade Paperbacks ähnelt, jedoch auf dünnerem, kostengünstigerem Papier gedruckt wird. Ziel dieser Strategie ist die Präsenz im Buchhandel und an Kiosken, statt den exklusiven Verkauf in spezialisierten Comic Shops. Marvel reagiert damit auf die steigenden Produktionskosten für Papier, die in den vergangenen drei Jahren den Preis für ein Standard-Heft (22 Seiten) in den USA auf 4,99 oder 5,99 Dollar anhoben.
Der Einfluss von Jonathan Hickman
Jonathan Hickman nutzt dieses Format gezielt, um die Struktur seiner Geschichten innerhalb des Ultimate Universe zu unterstützen. Die visuelle Anordnung profitiert von der veränderten Seitengröße.
Hickman ist bekannt für seine Vorliebe für komplexe Diagramme, Karten und Datenblätter, die er regelmäßig in seine Skripte einbaut. In Serien wie House of X oder East of West (erschienen bei Image Comics) nutzte er diese Elemente, um den Leser durch die Weltgeschichte zu führen. Das kompaktere Format zwingt den Künstler Marco Checchetto bei Ultimate Spider-Man dazu, die Seitengestaltung straffer zu halten. Statt ausladender Splash-Pages dominieren nun präzise gesetzte Panels, die das Erzähltempo beschleunigen.
Branchenkontext und Historie
Der Markt für Superhelden-Comics unterliegt seit der Pandemie einem starken Veränderungsdruck. Während Marvel lange auf das klassische "Single Issue"-Modell setzte, zeigen Daten von ICv2, dass der Verkauf von Graphic Novels und Sammelbänden die monatlichen Heftverkäufe in den Buchhandelskanälen überholt hat. DC Comics positioniert seine Compact Comics als Antwort auf den Erfolg von Manga-Taschenbüchern, die das dominierende Format im aktuellen Comic-Markt sind.
Marvel experimentierte bereits in den frühen 2000ern mit Formaten wie den Digest-Größen, die vor allem in den Marvel Adventures-Reihen für jüngere Leser Verwendung fanden. Der aktuelle Schritt unterscheidet sich jedoch dadurch, dass Hickmans Ultimate Universe eine zentrale, hochpreisige erzählerische Säule des Verlags darstellt. Die ersten Ausgaben im neuen Stil sind bereits im Handel erhältlich. Die Verkaufszahlen der ersten drei Monate werden darüber entscheiden, ob Marvel dieses Format auch auf andere Serien wie die Avengers oder X-Men ausweitet.