Marvel bremst das Film-Tempo
Nach Jahren mit hohem Output folgt eine deutliche Kehrtwende: Marvel-Chef kündigt an, in den nächsten drei Jahren nur vier Filme zu veröffentlichen. Das berichtet Kotaku. Ziel ist es, sich auf Qualität statt Quantität zu konzentrieren. Diese Maßnahme soll die kreative Kontrolle stärken und Überlastung vermeiden.
Die Vorgeschichte: Vom Multiversum zur Überlastung
Marvel startete Phase 4 im Jahr 2021 mit vier Kinofilmen, Black Widow, Shang-Chi, Eternals und Spider-Man: No Way Home, plus fünf Disney+-Serien. 2022 folgten Doctor Strange in the Multiverse of Madness, Thor: Love and Thunder und Black Panther: Wakanda Forever. 2023 kamen Ant-Man and the Wasp: Quantumania, Guardians of the Galaxy Vol. 3 und The Marvels. Die Auslastung zeigte Folgen: Eternals erhielt 47 % auf Rotten Tomatoes, Thor: Love and Thunder 63 %. Die Produktionskosten stiegen. The Marvels kostete 274,8 Millionen Dollar und spielte weltweit nur 206 Millionen ein, ein Verlust für Disney. Disney-CEO Bob Iger kündigte bereits im Februar 2023 Kürzungen an. Die Entscheidung, auf vier Filme in drei Jahren zu gehen, ist die drastischste Reduzierung seit Gründung von Marvel Studios 2008.
Weniger Filme, mehr Sorgfalt
- Statt der gewohnten drei bis vier Filme pro Jahr gibt es nun einen gestreckten Zeitplan. Jedes Projekt bekommt mehr Raum für Entwicklung und kreative Freiheit.
- Der Fokus liegt auf handwerklicher und erzählerischer Exzellenz. Marvel will sicherstellen, dass jeder Film den hohen Erwartungen der Fangemeinde gerecht wird.
- Ein klares Statement gegen Überproduktion. In den Worten von Stan Lee: 'Nuff said! Die Botschaft ist eindeutig: Weniger ist manchmal mehr.
Was die Zahlen sagen: Vergleich mit früheren Phasen
Phase 1 (2008–2012) brachte sechs Filme in fünf Jahren, darunter Iron Man und The Avengers. Phase 3 (2016–2019) lieferte elf Filme, mit Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame, die jeweils über 2 Milliarden Dollar einspielten. Der durchschnittliche Umsatz pro Marvel-Film fiel von 1,2 Milliarden (Phase 3) auf 800 Millionen (Phase 4). Auch die Metascores sanken von 75 auf 62. Die Reduzierung zielt darauf ab, diese Tendenz zu stoppen. Ein Beispiel: Guardians of the Galaxy Vol. 3 (2023) erzielte 84 % bei Rotten Tomatoes und 845 Millionen Dollar, einer der wenigen Phase-4/5-Filme mit positiver Resonanz.
Auswirkungen auf Marvel-Spiele
Ob diese Strategie auch auf die Spieleabteilung übergreift, ist noch nicht bekannt. Marvel-Spiele wie Marvel's Spider-Man 2 oder Marvel's Guardians of the Galaxy haben bereits bewiesen, dass Qualität vor Quantität funktioniert.
Fans hoffen, dass ähnliche Prinzipien künftig auch bei Filmadaptionen von Comics zum Tragen kommen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der reduzierte Output die erhoffte Wirkung erzielt.
Zudem könnte die Filmstrategie ein Signal an Spieleentwickler sein: Setzt auf Durchdachtheit statt auf schnelle Verwertungsketten.
Spieleentwicklung im Vergleich
Die Spieleabteilung arbeitet mit Lizenznehmern wie Insomniac Games und Eidos-Montréal. Marvel's Spider-Man (2018) verkaufte sich über 20 Millionen Mal; die Fortsetzung Spider-Man 2 (2023) knackte 10 Millionen, beide mit Abständen von fünf bzw. drei Jahren, ohne jährlichen Release. Marvel's Guardians of the Galaxy (2021) bekam einen Metascore von 82, verkaufte aber nur rund 2 Millionen Exemplare. Hohe Qualität allein sichert keine Massenverkäufe. Marvel setzt bei Spielen auf exklusive Partnerschaften und längere Entwicklungszyklen, nicht auf schnelle Nachschübe. Bislang gibt es keine Pläne für ein hauseigenes Studio oder eine eigene Engine, das Lizenzmodell bleibt bestehen.