Schwere Zeiten für spanische Entwickler
Das in Madrid ansässige Studio MercurySteam leitet derzeit eine Entlassungswelle ein, um die laufenden Betriebskosten an die aktuellen Einnahmen anzupassen. Trotz der 250 Mitarbeiter starken Belegschaft fehlt dem Studio ein eigener, stetiger finanzieller Puffer zwischen den großen Auftragsprojekten.
Die Branche leidet unter steigenden Budgets für AAA-Produktionen, die kleine und mittlere Studios in eine Abhängigkeit von Publishern wie Nintendo oder Konami zwingen. Wenn ein Projekt endet und die nächste Finanzierung für ein neues Spiel noch nicht gesichert ist, entstehen Lücken, die nur durch Personalabbau geschlossen werden können.
Ein Studio mit Geschichte
Gegründet wurde MercurySteam im Jahr 2002 aus den Überresten des Studios Rebel Act, das mit dem Action-Adventure Severance: Blade of Darkness bekannt wurde. Die Erfahrung mit komplexen Kampfsystemen prägte die spätere Ausrichtung des Entwicklers maßgeblich.
Die bisherige Historie des Teams zeigt eine Evolution von experimentellen Eigenmarken hin zur Arbeit an etablierten Marken:
- Severance: Blade of Darkness (2001): Ein düsteres Action-Spiel, das durch sein physikbasiertes Kampfsystem und den hohen Schwierigkeitsgrad eine Fanbasis fand.
- Scrapland (2004): Ein von American McGee unterstütztes Projekt, das den Fokus auf Luftkämpfe in einer Roboterstadt legte.
- Castlevania: Lords of Shadow (2010): Der kommerzielle Durchbruch für das Studio, der die klassische 2D-Reihe von Konami in die dritte Dimension überführte.
- Metroid: Samus Returns (2017): Ein exklusives Remake für den Nintendo 3DS, das das Gameplay von Metroid II: Return of Samus technisch modernisierte.
- Metroid Dread (2021): Der bisher größte Verkaufserfolg für das Studio, der die Serie nach 19 Jahren Wartezeit auf eine 2D-Metroid-Fortsetzung zurückbrachte.
Die aktuelle Lage
Der wirtschaftliche Druck ist eine direkte Folge des Geschäftsmodells als Auftragsentwickler für große Publisher. Metroid Dread verkaufte sich bis Ende 2022 mehr als 3 Millionen Mal, doch die Tantiemen aus solchen Verkäufen fließen primär an den Publisher Nintendo.
Der Vergleich mit anderen Studios der gleichen Größenordnung zeigt die Anfälligkeit für solche Perioden:
- Daedalic Entertainment musste 2023 nach dem kommerziellen Misserfolg von The Lord of the Rings: Gollum die interne Entwicklung komplett einstellen.
- Mimimi Games schloss 2023 den Betrieb offiziell, trotz positiver Kritiken für Titel wie Shadow Gambit: The Cursed Crew.
- Das spanische Studio Tequila Works durchlief 2024 ebenfalls eine Phase der Umstrukturierung, die zu Entlassungen führte.
MercurySteam versucht derzeit, den Übergang in die nächste Produktionsphase ohne einen neuen großen Publisher-Vertrag zu überbrücken. Die internen Projekte, die sich in Vorbereitung befinden, scheinen diesen finanziellen Engpass nicht abfedern zu können. Derzeit ist unklar, wie viele Personen das Unternehmen verlassen müssen, um die monatlichen Kosten unter das aktuelle Umsatzniveau zu drücken. Die Geschäftsführung hält sich zu den Details der Umstrukturierung bedeckt und nennt lediglich die Sicherung der langfristigen Handlungsfähigkeit als Ziel. Der Erfolg von Metroid Dread bot dem Studio zwar eine enorme mediale Aufmerksamkeit, aber keine garantierte Planungssicherheit für die Jahre nach dem Release.