Vermieter-Albtraum wird Realität
Das Leben in Rust war schon immer hart. Jetzt wird es noch skurriler: Das Common Ground-Update bringt mietbare Wohnungen und Geschäfte in die postapokalyptische Welt. Klingt zivilisiert? Der Haken ist ein wahres Horrorszenario.
Du wachst in einer schäbigen Bude auf. Kein Müsli im Schrank. Stattdessen hämmert es an der Tür: „Du hast mich nicht gefüttert!“. Der Vermieter steht vor der Tür und will seinen täglichen Tribut in Form von Schrott, der wichtigsten Währung im Spiel.
Entwickler: Facepunch Studios
Rust stammt von Facepunch Studios, gegründet 2004 von Garry Newman in Großbritannien. Das Studio wurde bekannt mit Garry's Mod (2006), einer Sandbox, die über 20 Millionen Mal verkauft wurde. Facepunch hat kein weiteres kommerzielles Spiel vor Rust veröffentlicht, der Fokus lag ganz auf Early-Access-Titeln.
Rust startete im Dezember 2013 in den Early Access auf Steam. Facepunch verfolgt seitdem ein Modell kontinuierlicher Updates, oft mit monatlichen Patches. Das Common Ground-Update ist Teil des Force-Wipe-Zyklus, der alle Server zwingt, ihre Daten zurückzusetzen.
Rust: Eine Erfolgsgeschichte
Bis 2023 verkaufte sich Rust über 16 Millionen Mal. Die aktive Spielerbasis schwankt zwischen 80.000 und 200.000 gleichzeitigen Nutzern auf Steam, Spitzenwerte erreicht das Spiel nach großen Updates wie Common Ground. Einnahmen generiert Facepunch hauptsächlich durch Verkäufe; es gibt keine Microtransactions, lediglich kosmetische Items über den Steam-Marktplatz.
Vorangegangene Updates wie The Underwater Labs (2021) oder The Industrial Update (2022) brachten ebenfalls neue Spielmechaniken, aber nie ein Mietwährungssystem. Facepunch experimentierte schon früher mit NPC-Vermietern: In der Alpha-Version gab es feindliche Siedlungen, deren Bewohner Schrott forderten.
Tägliche Zahlung, totale Konsequenz
- Jeder Mieter muss pro Tag eine bestimmte Menge Scrap abdrücken, die genauen Beträge sind serverabhängig, in der Standardeinstellung sind es 50 Scrap pro Wohnung.
- Fehlt das Geld, werden sämtliche Besitztümer gepfändet. Der Spieler verliert nicht nur die Wohnung, sondern auch alle Gegenstände in den Containern.
- Eigene Shops vermieten, als Kapitän oder als Opfer. Wer genug Schrott hat, kann selbst zum Vermieter werden. Ein lukratives Geschäft, wenn andere Spieler keine andere Wahl haben.
Zum Vergleich: In der aktuellen Wirtschaft von Rust verdient ein Spieler beim Sammeln von Schrott etwa 100–200 Scrap pro Stunde, je nach Fundort und Konkurrenz. Die Miete frisst also bis zu 25 Prozent der täglichen Produktion auf.
Warum das Update so fies ist
Der tägliche Druck erinnert an die berüchtigtsten Rust-Räuberbanden. Nur dass der Feind jetzt im Vertrag steht. Wer seine Wohnung verliert, steht buchstäblich auf der Straße, ohne Basis, ohne Vorräte, ohne alles.
Besonders perfide: Die Miete wird automatisch abgezogen, wenn der Spieler genug Scrap im Inventar hat. Wer offline überfallen wird und sein Schrott verliert, wacht mit einer Pfändung auf. Facepunch testete das System im Juli 2024 auf einem Testserver, die Community reagierte mit Protesten, die der Entwickler als „gewünschten Effekt“ bezeichnete.
Branchenkontext: Mietmechaniken im Survival-Genre
Andere Survival-Spiele haben ähnliche Systeme, aber keines so drastisch. In DayZ gibt es keine Mieten, Basen verfallen nach Zeit, aber ohne direkten Verlust. ARK: Survival Evolved bietet rentable Strukturen nur auf privaten Servern mit Mods. 7 Days to Die setzt auf Blutsauger, aber die sind NPCs, keine Mietverträge.
Das Common Ground-Update ist ab sofort live. Ob die Servergemeinschaft auf Mietstreiks oder Hausbesetzungen setzt, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Der Vermieter in Rust wird der neue meistgehasste NPC, noch vor den Bären. Facepunch hat die Mechanik so programmiert, dass Vermieter-NPCs nicht getötet werden können; sie spawnen nach 60 Sekunden neu.