Ein Sieg nach 1.993 Anläufen
TikTok-Streamer Jay Lucarelli hat geschafft, woran er die gesamte Woche zuvor gescheitert war: Mit Roy Oswalt warf er ein perfektes Spiel in MVP Baseball 2005. Auf Versuch Nummer 1.993 gelang dem Streamer der makellose Auftritt.
Damit endet eine der zähesten Challenges der jüngeren Retro-Gaming-Geschichte. Lucarelli hatte sich vorgenommen, mit dem damaligen Astros-Pitcher keinen einzigen Läufer auf die Bases zu lassen.
Die Entwicklergeschichte hinter dem Klassiker
Entwickelt wurde das Spiel von EA Canada und unter der Marke EA Sports veröffentlicht. Das Studio in Burnaby war in den 2000er-Jahren das wichtigste Zentrum für Sportspiele des Publishers.
Bevor das Team die Baseball-Lizenz erhielt, betreute es unter anderem Triple Play Baseball. Wegen schwacher Verkaufszahlen und technischer Mängel dieser alten Reihe zog EA die Reißleine und ersetzte die Marke im Jahr 2003 durch die neue MVP-Serie.
Frühere Releases und das schnelle Ende
Die MVP Baseball-Reihe erlebte eine extrem kurze Blütezeit mit nur drei eigenständigen Hauptablegern.
- MVP Baseball 2003: Der erfolgreiche Neustart nach dem Ende von Triple Play.
- MVP Baseball 2004: Einführung der präzisen Analog-Stick-Steuerung für das Werfen.
- MVP Baseball 2005: Der spielerische und kommerzielle Höhepunkt der Serie.
Im Jahr 2005 sicherte sich Konkurrent Take-Two Interactive exklusive Lizenzen für die nordamerikanische Profiliga MLB. EA Sports verlor damit die Rechte, offizielle Team- und Spielernamen zu nutzen, was das sofortige Aus für die Serie bedeutete.
Was ein Perfect Game bedeutet
Ein Perfect Game ist im Baseball die höchste Meisterleistung eines Werfers: 27 Batter kommen an die Reihe, keiner erreicht die Base. Kein Hit, kein Walk, kein Hit by Pitch, kein Error. In der MLB-Geschichte gelang das bis heute nur 23 Mal.
In einem Videospiel klingt das machbar, ist es aber nicht. MVP Baseball 2005 simuliert das Geschehen mit großer Genauigkeit, und die KI macht es dem Werfer auf dem gewählten Schwierigkeitsgrad extrem schwer.
Der Weg zum Triumph
- Fast 2.000 Versuche innerhalb einer Woche.
- Zahlreiche gescheiterte Anläufe in den späten Innings.
- Versuch 1.993 als der magische Moment.
Die Aufnahme von Versuch 1.993 hält genau den Moment fest, in dem das letzte Out fällt. Für Zuschauer wird sichtbar, was 1.993 Anläufe in einer Woche ausmachen: ein glückseliger Streamer und ein Spiel, das auch 21 Jahre später noch Höchstleistungen verlangt.
Warum ausgerechnet dieses Spiel?
MVP Baseball 2005 erschien 2005 für PlayStation 2, Xbox und GameCube und war die letzte Baseball-Simulation von EA Sports. Die Reihe verschwand danach, EA hielt die Lizenzen nicht mehr und zog sich aus dem Genre zurück.
Für viele Fans gilt der Titel bis heute als eines der besten Baseball-Spiele überhaupt. Das präzise Pitching-System und die damalige MVP-Steuerung machen jeden Wurf zu einer kleinen taktischen Entscheidung.
Branchenkontext und Lizenzschlacht
Der Untergang von MVP Baseball markierte einen Wendepunkt für Sportspiele in den 2000er-Jahren. Kurz zuvor hatte EA Sports selbst die NFL-Exklusivlizenz erworben und damit Konkurrenten wie NFL 2K aus dem Markt gedrängt.
Take-Two reagierte auf diesen Schachzug im Baseball-Bereich mit einem Exklusivvertrag für die MLB ab der Saison 2005. EA versuchte 2006 noch, mit MVP 06 NCAA Baseball über College-Lizenzen zu überleben, stellte das Franchise danach aber endgültig ein.
Ein Beweis für Spieltiefe
Ein Perfect Game mit einem echten MLB-Pitcher wie Roy Oswalt zu schaffen, ist genau die Art Herausforderung, die Retro-Spiele so besonders machen. Moderne Spiele belohnen schnelle Reflexe, dieser Klassiker verlangt Geduld, Disziplin und ein perfektes Verständnis der Spielmechanik.
Lucarellis Erfolg zeigt, wie tief MVP Baseball 2005 einen Spieler fordern kann, selbst 21 Jahre nach der Veröffentlichung. Die Anzeige „Perfect Game" auf dem Bildschirm war der Lohn für 1.993 Versuche.