EndeNews Logo EndeNews
Netflix’ 7 beste Original-Anime: Warum dystopische Welten uns nicht loslassen
News

Netflix’ 7 beste Original-Anime: Warum dystopische Welten uns nicht loslassen

Polygon kürt die sieben besten Netflix Original Anime, und zeigt, warum düstere Zukunftsvisionen die fesselndsten Geschichten liefern. Wir ordnen die Liste ein.

D
Dennis Adam
TEILEN: Twitter Reddit

Dystopie als Erzählmaschine

Die Redaktion von Polygon hat kürzlich eine Liste der sieben besten Original-Anime auf Netflix veröffentlicht. Die Kernaussage der Zusammenfassung: Dystopische Welten entpuppen sich oft als die packendsten Settings. Das überrascht kaum, denn seit Jahrzehnten nutzen Anime-Schaffende düstere Zukunftsvisionen, um gesellschaftliche Ängste, Technologiekritik und menschliche Abgründe auszuloten. Titel wie Akira oder Ghost in the Shell haben diesen Ansatz bereits in den 80ern und 90ern geprägt. Netflix hat diesen Trend in den letzten Jahren mit eigenen Produktionen konsequent fortgesetzt.

Was die sieben Anime gemeinsam haben

  • Klaustrophobische Atmosphären: Enge Städte, Überwachungsstaaten und zerfallende Infrastrukturen dominieren das Bild.
  • Gesellschaftskritik: Fragen nach Identität, Klassenunterschieden und dem Preis des Fortschritts stehen im Zentrum.
  • Antihelden: Protagonisten sind oft gebrochene Figuren, die zwischen Moral und Überleben navigieren.
  • Visuelle Extravaganz: Dystopien erlauben den Studios, bizarre Architektur, neonbeleuchtete Slums und groteske Technologie zu entwerfen.
  • Offene Enden: Viele dieser Serien enden nicht mit einem Sieg, sondern mit einer unbequemen Erkenntnis.

Studio-Historie: Wo die Macher herkommen

Die meisten der von Netflix beauftragten Anime stammen von etablierten japanischen Studios. Trigger zum Beispiel, bekannt für Kill la Kill und Promare, schuf mit Cyberpunk: Edgerunners (2022) eine visuelle Reise durch eine kaputte Megacity. Production I.G, das Studio hinter der ursprüchlichen Ghost in the Shell-Filmreihe, produzierte die CGI-fortgesetzte Serie Ghost in the Shell: SAC_2045. Und Science SARU, das mit Devilman Crybaby bereits 2018 für Aufsehen sorgte, lieferte mit Japan Sinks: 2020 eine apokalyptische Geschichte über das Überleben nach einem Erdbeben. Diese Studios bringen jahrzehntelange Erfahrung in den Bereich der düsteren Erzählung mit.

Frühere Releases und Franchise-Anbindung

  • Cyberpunk: Edgerunners basiert auf dem gleichnamigen Videospiel Cyberpunk 2077 (CD Projekt Red, 2020) und erweitert dessen Universum um eine eigenständige Handlung.
  • Ghost in the Shell: SAC_2045 (2020) knüpft an die Stand Alone Complex-Serie aus den 2000ern an, die wiederum auf dem Manga von Masamune Shirow beruht.
  • Japan Sinks: 2020 ist eine Neuinterpretation des Romans Japan sinkt von Sakyo Komatsu aus dem Jahr 1973, der bereits mehrfach verfilmt wurde.
  • Pluto (2023) von Studio M2 adaptiert eine bekannte Handlung aus dem Astro Boy-Universum von Osamu Tezuka, geschrieben von Naoki Urasawa.
  • The Orbital Children (2022) stammt vom Regisseur Mitsuo Iso, der zuvor an Ghost in the Shell mitwirkte.

Branchenkontext: Netflix als Anime-Macht

Netflix investiert seit 2017 massiv in Anime-Produktionen. Der Streaming-Dienst übernahm weltweit Lizenzen, co-finanzierte aber auch zunehmend exklusive Serien. Mit über 200 Millionen Abonnenten ist die Plattform zu einem der größten Produzenten von Anime außerhalb Japans geworden. Konkurrenten wie Crunchyroll (unter Sony) setzen eher auf Simulcast-Strategien, während Amazon Prime nur sporadisch eigene Anime-Projekte startet. Netflix setzt dagegen auf globalen Zugang und oftmals auf internationale Zielgruppen zugeschnittene Geschichten. Dystopische Stoffe eignen sich dafür besonders, da sie ohne tiefere Kenntnis japanischer Kultur funktionieren.

Weitere empfehlenswerte dystopische Original-Anime

Neben den genannten sind weitere Netflix Originale erwähnenswert, die in die gleiche Kerbe schlagen:

  • B: The Beginning (2018, Production I.G), ein Krimi-Thriller in einer futuristischen Inselrepublik.
  • Carole & Tuesday (2019, Bones), eine Musik-Serie auf dem Mars, die aber auch dystopische Züge trägt.
  • A.I.C.O. Incarnation (2018, Bones), eine Science-Fiction-Serie über eine künstliche Intelligenz, die einen Körper zurückerobern will.
  • He-Man and the Masters of the Universe (2021, Mattel Television), nicht dystopisch, aber im Fantasy-Bereich; eher als Gegenbeispiel zu erwähnen.

Fazit: Warum wir Dystopien brauchen

Dystopische Anime funktionieren, weil sie uns unsere Gegenwart im Zerrspiegel zeigen. Die Filme und Serien auf Netflix sind nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kommentare zu Themen wie Überwachung, Klimakrise und sozialer Ungleichheit. Gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten scheinen diese Geschichten stärker zu wirken als je zuvor. Ein Beispiel: Cyberpunk: Edgerunners wurde innerhalb der ersten Wochen nach Release von Millionen Zuschauern gestreamt und belebte sogar die Verkaufszahlen des zugrunde liegenden Spiels wieder. Dystopie ist kein Eskapismus, sondern eine Form der Bestandsaufnahme.

VERWANDTE ARTIKEL