Der abrupte Stopp für Night School
Netflix hat das Entwicklerstudio Night School trotz des Erfolgs des Horror-Spiels Unhinged geschlossen.
- Das Spiel lief direkt über Fernseher und Bildschirme in der Streaming-App.
- Co-CEO Greg Peters nannte den Titel kürzlich einen der zwei erfolgreichsten Cloud-Game-Debüts.
- Dennoch traf das Studio die aktuelle Kündigungswelle.
Das Studio wurde ursprünglich im Jahr 2014 von Sean Krankel und Adam Hines in Los Angeles gegründet. Bekannt wurde das Team vor allem durch den übernatürlichen Teenie-Thriller Oxenfree aus dem Jahr 2016 und dessen Fortsetzung Oxenfree II: Lost Signals. Netflix hatte Night School Studio im September 2021 als erstes eigenes Videospielstudio überhaupt übernommen, um den Grundstein für die eigene Abteilung zu legen. Vor Unhinged veröffentlichte das Team eine verbesserte Netflix-Edition des ersten Oxenfree-Teils sowie das mobile Spiel Afterparty.
Weitere Schließung bei Moonloot
Neben Night School traf es auch das Entwicklerstudio Moonloot.
- Beide Studios wurden von Netflix abgewickelt.
- Der Konzern begründete die Schritte mit einer neuen strategischen Ausrichtung.
- Zuvor hatte das Unternehmen im laufenden Monat bereits 85 Prozent der Belegschaft von Refactor Games entlassen.
Über Moonloot war vor der Schließung öffentlich vergleichsweise wenig bekannt, da das Studio als internes Unterstützungsteam agierte. Die Entlassungswelle bei Refactor Games folgte auf monatelange Verzögerungen bei internen Projekten, die ursprünglich für das Jahr 2024 geplant waren. Netflix baut damit seine ambitionierten Pläne für AAA-Eigenproduktionen drastisch zurück. Die Abteilung unter der Leitung des ehemaligen EA-Managers Mike Verdu verliert zunehmend an interner Autonomie.
Neue strategische Ausrichtung bei Spielen
Netflix verkleinert das Portfolio und konzentriert sich auf bestimmte Genres.
- Der Fokus liegt nun auf Spielen für Kinder und Partyspielen.
- Auch story-getriebene Titel und Spiele mit starkem Mainstream-Haken bleiben im Programm.
- "Wir sehen die Gelegenheit, in unserer Ausführung fokussierter zu sein", erklärte Netflix in einem offiziellen Statement.
Die Neuausrichtung orientiert sich stark an lizenzierten Marken aus dem eigenen Film- und Serienkatalog. Titel wie Stranger Things: 1984 oder Umsetzungen zur Dating-Show Too Hot to Handle zeigen die wirtschaftliche Stoßrichtung. Aufwendige Original-Entwicklungen ohne direkte Verknüpfung zu Streaming-Inhalten fallen diesem Sparkurs zum Opfer. Das Budget für die gesamte Gaming-Sparte wurde im internen Finanzbericht für das dritte Quartal spürbar gedeckelt.
Steigende Zahlen und verpasste Deals
Im Juli verkündete das Unternehmen einen Anstieg des Gaming-Engagements um 600 Prozent im Jahresvergleich.
- Netflix zeigte zuvor kein Interesse an den Gaming-Assets von Warner Bros.
- Auch Gespräche über einen möglichen Kauf von EA führten zu keinem Deal.
- EA wurde stattdessen an eine Gruppe verkauft, zu der auch der saudische Public Investment Fund gehört, und in ein privates Unternehmen umgewandelt.
Die genannten Engagement-Zahlen basieren primär auf Downloads von Gelegenheitsspielen über mobile Endgeräte, während die tatsächliche Nutzung auf TV-Bildschirmen im niedrigen einstelligen Prozentbereich verbleibt. Die gescheiterten Übernahmegespräche mit großen Publishern fanden bereits im Jahr 2022 statt, als Netflix seine Marktposition durch etablierte IPs beschleunigen wollte. Die nun vollzogenen Studioschließungen markieren das Ende dieser aggressiven Expansionsphase im Videospielmarkt.