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Netflix' sechsteiliger Thriller: John Carpenter trifft H.P. Lovecraft in Neufundland
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Netflix' sechsteiliger Thriller: John Carpenter trifft H.P. Lovecraft in Neufundland

Ein sechsteiliger Netflix-Thriller verbindet Carpenter-Horror mit Lovecraft und verlegt 'Jaws' in ein Fischerdorf im ländlichen Neufundland.

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Dennis Adam
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Sechs Folgen, zwei Genre-Ahnherren und ein Fischerdorf

Netflix bringt einen Thriller in sechs Teilen, der sich selbst über seine Vorbilder erklärt. Die Kurzbeschreibung nennt John Carpenter und H.P. Lovecraft in einem Atemzug, dazu einen kanadischen Dreh. Als inhaltliche Faustformel dient ein Vergleich, der so knapp wie treffend ist: “It’s Jaws, but in rural Newfoundland”. Das heißt: ein Küstenort, ein unsichtbarer Gegner und eine Gemeinschaft, die nach außen ruhig wirkt und innen brodelt. Sechs Folgen sind dafür ein bewusst kurzes Format.

Was die Beschreibung konkret hergibt

  • Sechs Folgen, also ein klar begrenztes Format ohne offene Fortsetzungsachse
  • Zwei explizit genannte Referenzen: John Carpenter und H.P. Lovecraft
  • Schauplatz: ländliches Neufundland, die östlichste Provinz Kanadas
  • Die inhaltliche Kurzformel: “Jaws” in einem Fischerdorf statt auf einer Urlaubsinsel
  • Keine Angaben zu Titel, Besetzung, Regie oder Startdatum in der vorliegenden Beschreibung

Carpenter als Referenz: Isolation statt Monster-Show

Wer Carpenter nennt, meint selten nur den Regisseur der Halloween-Reihe. Gemeint ist meist der Carpenter von The Fog (1980) und The Thing (1982): Geschichten über abgeschnittene Gruppen, in denen die Bedrohung von außen kommt und die Spannung von innen. Carpenter arbeitet mit beengten Schauplätzen, wenig Licht und Figuren, die einander misstrauen, bevor sie den Gegner überhaupt sehen. Ein Küstenort in Neufundland liefert diese Enge fast von allein: wenige Zufahrtswege, harte Witterung, jeder kennt jeden.

Lovecraft und das Fischerdorf-Problem

Lovecrafts Erzählungen führen gern in abgelegene Siedlungen, in denen die Bewohner etwas wissen, das Besucher nicht wissen sollen. Die bekannteste dieser Siedlungen, Innsmouth aus “The Shadow over Innsmouth”, ist ein heruntergekommener Hafenort an der Küste. Diese Verbindung von Fischerei, Isolation und einem alten Geheimnis lässt sich fast eins zu eins auf die Küsten Neufundlands übertragen. Lovecrafts Horror funktioniert über Andeutung, nicht über Erklärung, was für ein Sechs-Folgen-Format mit langen ruhigen Passagen spricht.

”Jaws in Neufundland”: warum der Schauplatz mehr ist als Kulisse

Jaws (1975) funktionierte, weil Steven Spielberg den Hai lange nicht zeigt und stattdessen einen Ort zeigt, der vom Tourismus lebt und die Gefahr deshalb kleinredet. Amity Island ist eine Sommerinsel, Neufundland ist das Gegenteil: Kabeljaufischerei, raue See, Nebel, lange Winter. Der wirtschaftliche Druck ist ein anderer, die Gemeinschaft ist geschlossener, und ein Außenseiter fällt dort schneller auf als auf einer Urlaubsinsel. Wenn ein Ort schon so aussieht, als hätte er ein Geheimnis, braucht die Serie kein Kulissen-Brimborium.

Kanadischer Horror ist kein Neuland

  • Black Christmas (1974) aus Toronto gehört zu den frühesten Slashern überhaupt
  • David Cronenberg prägte ab Shivers (1975) und Rabid (1977) den Body-Horror von kanadischer Seite
  • Ginger Snaps (2000) verband Werwolf-Mythos mit Kleinstadt-Teenagern
  • Pontypool (2008) verlegte eine Zombie-Variante komplett in ein Radiostudio
  • Blood Quantum (2019) drehte das Zombie-Genre auf indigene Perspektiven um

Kanadisches Genrekino lief lange unter dem Radar, weil es selten die großen Budgets und selten die großen Namen hatte. Dafür war es fast immer bereit, sich auf einen einzigen starken Schauplatz zu verlassen statt auf Effekte. Neufundland als Setting passt in genau diese Tradition: Ein Ort, eine Community, ein Problem, das niemand aussprechen will.

Sechs Folgen sind eine Entscheidung, keine Notlösung

Die Länge einer Serie sagt viel über ihre Erzählweise. Sechs Folgen erlauben es, drei oder vier Figuren wirklich zu verfolgen, statt ein halbes Dutzend Handlungsstränge anzureißen. Bei Küsten- und Isolationsthemen zahlt sich das aus, weil der Horror dann aus dem Verhalten der Bewohner entsteht, nicht aus Erklärungen über den Gegner. Serien wie The Terror oder Midnight Mass haben vorgemacht, dass maritime Enge und Gemeinschaftsdruck ein ganzes Format tragen können. Die Sechsteiler-Form ist zudem günstiger zu produzieren als eine offene Reihe, was für ein raues Küstensetting mit wenig Studioanteil spricht.

Offen bleibt vor allem das Drumherum

Zu Titel, Besetzung, Showrunner und Starttermin sagt die vorliegende Beschreibung nichts, und ohne diese Angaben lässt sich die Serie schwerer einordnen. Interessant ist, dass die Vermarktung auf zwei Regisseure und einen Film verweist, statt auf Schauspieler oder Handlung. Das ist ein Genre-Versprechen, das die Serie erst noch einlösen muss. Sechs Folgen, ein Fischerdorf und zwei Ahnen im Hintergrund: mehr braucht es nicht, damit Horrorfans aufhorchen.

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