Pflicht-Alterscheck: Battle.net im UK führt Verifikation ein
Blizzard reagiert auf den UK Online Safety Act und verlangt von britischen Spielern eine Altersverifikation für Battle.net-Konten.
Schlag ins Gesicht für UK-Fans?
Seit dem 25. Juli 2026 gilt für Battle.net-Accounts im Vereinigten Königreich eine Pflicht zur Altersverifikation. Grund ist der UK Online Safety Act, ein britisches Gesetz, das Plattformen zu mehr Jugendschutz zwingt. Britische Spieler müssen ihr Alter nachweisen, um alle Funktionen nutzen zu können. Ohne gültige Verifikation gibt es massive Einschränkungen.
Soziale Features unter Verschluss
Die Konsequenzen treffen Bereiche, die über das reine Spielen hinausgehen.
- Freundeslisten und Gruppenfunktionen bleiben gesperrt
- Chat und Voice sind ohne Verifikation nicht nutzbar
- Community-Beiträge (Foren, Clans) werden blockiert
Das tritt besonders hart bei World of Warcraft, Overwatch 2 und Diablo 4 auf, Titel, in denen soziale Interaktion zentral ist. Ohne Altersnachweis spielt man faktisch solo.
Wie läuft die Verifikation ab?
Blizzard setzt auf einen externen Dienst. Britische Nutzer werden beim Login aufgefordert, einen Altersnachweis hochzuladen oder sich per digitaler ID zu bestätigen. Der Prozess soll wenige Minuten dauern. Ohne gültige Verifikation bleiben die sozialen Features dauerhaft deaktiviert.
Was bedeutet das für den Rest Europas?
Der UK Online Safety Act gilt nur für Großbritannien. Andere Länder sind von der Maßnahme bisher nicht betroffen. Blizzard hat keine Pläne für eine Ausweitung auf die EU oder die USA angekündigt. Der Schritt ist dennoch ein Präzedenzfall, ähnliche Gesetze könnten die Altersverifikation zum Branchenstandard machen.
Blizzards lange Erfahrung mit Alterskontrollen
Blizzard wurde 1991 gegründet und startete Battle.net 1996 mit Diablo. Die Plattform hatte auf dem Höhepunkt von World of Warcraft (2010) über 12 Millionen Abonnenten weltweit. In China führte Blizzard bereits 2021 eine strikte Altersverifikation ein, auf Druck der chinesischen Regierung, die Spielzeit für Minderjährige auf 3 Stunden pro Woche begrenzte. Damals waren über 10 Millionen chinesische WoW-Spieler betroffen. Die aktuellen Maßnahmen im UK bauen auf diesen technischen und organisatorischen Vorerfahrungen auf.
Der UK Online Safety Act und die Spielindustrie
Der Online Safety Act wurde im Oktober 2023 verabschiedet, die Durchsetzung durch die Regulierungsbehörde Ofcom begann im April 2025. Er gilt für alle Plattformen mit mehr als 7 Millionen monatlichen Nutzern. Bußgelder betragen bis zu 18 Millionen Pfund oder 10 Prozent des globalen Jahresumsatzes. Epic Games führte bereits 2023 für Fortnite in UK eine Altersverifikation ein; Steam hat bislang keine Pflichtprüfung, setzt aber auf Elternkontrollen. Xbox und PlayStation nutzen konsolenbasierte Kindersicherungen. Blizzard ist einer der ersten großen Plattformbetreiber, der eine obligatorische ID-Prüfung für alle sozialen Funktionen durchsetzt.
Vergleich mit anderen Märkten
Die EU setzt mit dem Digital Services Act (seit Februar 2024) auf risikobasierte Maßnahmen, aber keine explizite Altersverifikation für Spieleplattformen. Australien plant ein ähnliches Gesetz wie das britische. In den USA gibt es keine bundesweite Regelung, nur einzelstaatliche Initiativen wie der Kids Online Safety Act (KOSA) im Senat. Der UK Online Safety Act gilt als das bisher strengste Jugendschutzgesetz für digitale Dienste, Blizzards Schritt ist eine direkte Reaktion auf diese Rechtslage.
Reaktionen aus der Community
In Foren und auf Reddit kritisieren viele erwachsene Spieler den Schritt als zu invasiv, andere begrüßen den Schutz Minderjähriger. Jugendliche ohne offizielle Ausweise oder digitale IDs melden Probleme mit der Verifikation. Blizzard verweist auf die gesetzliche Notwendigkeit. Der Zeitpunkt fällt mit dem Release von Overwatch 2 Season 15 zusammen, saisonale Updates werden ohne Chatfunktion für Unverifizierte nur teilweise nutzbar. Laut der UK Interactive Entertainment Association spielen 62 Prozent der Erwachsenen in UK Videospiele, aber die Regierung sieht besonders bei den 8- bis 15-Jährigen Handlungsbedarf: 76 Prozent dieser Altersgruppe nutzen regelmäßig Online-Spiele. Blizzards Pflichtverifikation setzt einen neuen Standard, den andere Anbieter unter dem Druck des Gesetzes bald übernehmen dürften.