Die nackten Zahlen
Eine Erhebung von Kotaku zeigt: In den USA haben 2026 bislang weniger als zehn PlayStation-Titel mehr als 100.000 Disc-Kopien verkauft.
Das ist kein Druckfehler. Wir sprechen hier über den größten Einzelmarkt für Konsolenspiele, und trotzdem finden sich nur einstellige Spiele im sechsstelligen Bereich.
Zum Vergleich: 2015 knackten noch 42 Titel die 100.000er-Marke bei physischen US-Verkäufen. 2020 waren es 23. Der Rückgang beschleunigt sich. Sony selbst meldete für das Fiskaljahr 2024 einen digitalen Umsatzanteil von 71 Prozent bei eigenen Spielen. Drittanbieter wie EA oder Ubisoft liegen oft über 85 Prozent. Die Disc ist in den USA faktisch ein Nischenmedium.
Warum das „No Disc, No Buy“-Lager leidet
- Die Bewegung fordert: Wer Discs ablehnt, bekommt kein Geld. Doch die Realität der Verkaufszahlen macht diesen Boykott fast unsichtbar.
- Weniger als zehn Titel bedeuten, dass der Großteil der physischen Verkäufe unter 100.000 Stück liegt. Viele Spiele verkaufen nur noch wenige tausend Discs.
- Selbst Blockbuster wie God of War, Spider-Man oder Final Fantasy, die traditionell stark im Regal lagen, schaffen die Hürde 2026 offenbar nicht.
Santa Monica Studio, Entwickler von God of War Ragnarök, verkaufte 2022 von diesem Spiel noch 5,1 Millionen Discs weltweit in den ersten drei Monaten. 2024 erschien der PC-Port, ohne Disc. Die interne Planung für 2026 sieht laut Brancheninsidern eine digitale Vorabversion vor, die Disc erscheint zwei Wochen später. Insomniac Games (Spider-Man 2) setzte 2023 erstmals auf eine Digital-Only-Edition parallel zur Disc-Version. Die Verkaufsanteile: 65 Prozent digital in den USA. Square Enix lieferte Final Fantasy VII Rebirth 2024 als Zwei-Disc-Set aus, die US-Disc-Verkäufe beliefen sich laut NPD auf rund 180.000 Stück im Launchmonat. Ein Jahr zuvor hatte Final Fantasy XVI 210.000 Discs geschafft. Der Trend ist linear fallend.
Die Masse der Spieler kauft digital. Discs sind längst eine Nische, nicht mehr der Mainstream.
Was das für Sammler und Retro-Fans heißt
- Physische Veröffentlichungen werden seltener und teurer. Limited Run Games und Special Editions sind oft die einzigen Quellen.
- Ein „No Disc, No Buy“-Boykott müsste zehntausende Käufer mobilisieren, die existieren aber schlicht nicht mehr in ausreichender Zahl.
- Die Statistik zeigt: Selbst unter Hardcore-Fans greifen nur wenige zur Disc. Der Protest verpufft, weil die Basis fehlt.
Limited Run Games gab 2025 bekannt, dass ihre PlayStation-Auflagen von 10.000 auf 5.000 Einheiten halbiert wurden, mangels Nachfrage. Gleichzeitig stiegen die Herstellungskosten: Eine Blu-ray-Pressung kostet in Kleinserie rund 3,50 Euro pro Disc. Bei 5.000 Stück sind das 17.500 Euro allein für die Pressung. Die Verkaufspreise klettern auf 50–80 Euro. Das Geschäft rechnet sich nur über Sammleraufpreise. Retro-Fans, die auf gebrauchte Discs hoffen, finden immer weniger Ware auf dem Gebrauchtmarkt: 2025 wurden in US-GameStop-Filialen 34 Prozent weniger gebrauchte PlayStation-Discs angenommen als 2022.
Der Blick aufs große Ganze
PlayStation verkauft seine PS5 Pro und PS6 (sofern 2026 schon angekündigt) mit Disc-Laufwerk als Extra. Das spricht Bände.
Die PS5 Pro kam 2024 ohne Disc-Laufwerk in der Standardbox. Sony verkaufte 2025 rund 4 Millionen Einheiten davon, aber nur eine Million zusätzliche Disc-Laufwerke als Zubehör. Ein Drittel der Käufer entschied sich für das reine Digital-Bundle. Microsoft zog bereits 2024 die Konsequenz: Die Xbox Series X Digital Edition ist seitdem die meistverkaufte Xbox-Variante in den USA. Der US-Einzelhandel reduziert Disc-Regalflächen: Walmart strich 2025 die PlayStation-Disc-Abteilung in 800 Filialen und lagerte sie ins Online-Regal aus.
Solange weniger als zehn Spiele im Jahr die 100.000er-Marke bei Discs erreichen, wird sich Sony nicht umstellen. Der physische Markt ist kein Markt mehr, er ist ein Museum.