Stop-Motion trifft auf Taschenmonster
Die Ankündigung ließ Fans im vergangenen Jahr aufhorchen: Pokémon und das legendäre Aardman-Studio (Wallace & Gromit, Shaun das Schaf) arbeiten an einem Stop-Motion-Kurzfilm. Jetzt gibt es endlich neue Details und ein frisches Artwork.
- Das Projekt trägt den Titel „Pokémon-Geschichten: Die Abenteuer von Lauchzelot & Pichu“
- Es verbindet den britischen Stop-Motion-Charme mit der bunten Welt der Pokémon
Aardman: Zwei Briten und ihre Tonfiguren
Aardman wurde 1972 von Peter Lord und David Sproxton im britischen Bristol gegründet. Das Studio brachte Stop-Motion mit Plastilin-Modellen zur Perfektion. Vier Oscars zählen zu den Erfolgen: „The Wrong Trousers“ (1993) und „A Close Shave“ (1995) gewannen als bester animierter Kurzfilm; „Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit“ (2005) holte den Oscar für den besten Animationsspielfilm.
- Das Budget für „Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit“ lag bei 30 Millionen US-Dollar, weltweit spielte der Film rund 192 Millionen US-Dollar ein
- „Chicken Run“ (2000) brachte es auf 224 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 45 Millionen US-Dollar
- Aardman produzierte auch Serien wie „Shaun das Schaf“ (seit 2007) und den Kinofilm „Shaun the Sheep Movie“ (2015, 106 Millionen US-Dollar weltweit)
Die Figuren im Pokémon-Kurzfilm werden aus denselben Materialien gefertigt: weiche Knetmassen und bewegliche Drahtskelette. Die Erfahrung mit tierischen Charakteren wie den Schafen oder Hühnern prädestiniert das Studio für die organischen Formen von Pokémon.
Was zeigt das neue Artwork?
Das veröffentlichte Bild zeigt Lauchzelot (die Lauch-Pokémon-Entwicklung von Porenta) und Pichu (die Vorstufe von Pikachu) in einer typisch britischen Kulisse. Die beiden wirken, als wären sie direkt aus einem Aardman-Film entsprungen, mit weichen Kanten und liebevollen Details.
- Lauchzelot trägt eine kleine Rüstung aus Holz, die an mittelalterliche Turniere erinnert
- Pichu hält eine Eichel in den Pfoten, neugierig und leicht tollpatschig
- Der Hintergrund zeigt eine ländliche Wiese mit einem knorrigen Baum
Pokémon auf der Leinwand: Von Mewtu bis Detektiv Pikachu
Seit 1998 produziert Pokémon fast jährlich Kinofilme, insgesamt 23 Stück. Der erste Film „Pokémon: Der Film, Mewtu gegen Mew“ spielte weltweit 160 Millionen US-Dollar ein. 2019 folgte mit „Pokémon: Detektiv Pikachu“ der erste Realfilm (CGI + Live-Action), der 433 Millionen US-Dollar erzielte.
- Alle bisherigen Pokémon-Filme nutzten 2D-Anime- oder CGI-Animation, Stop-Motion ist eine Premiere
- Die TV-Serie umfasst über 1.200 Episoden, dazu kommen Kurzfilme wie „Pikachu’s Vacation“ (1998, 21 Minuten)
- Lauchzelot stammt aus der 8. Generation (Pokémon Schwert/Schild, 2019); Pichu wurde in der 2. Generation eingeführt (Gold/Silber, 1999)
Die Wahl von Lauchzelot und Pichu verbindet eine moderne Entwicklung mit einem Klassiker. Aardman konzentriert sich auf zwei Figuren, was für Stop-Motion typisch ist, aufwändige Puppen für Nebencharaktere wären zeit- und kostenintensiv.
Was wissen wir über die Handlung?
Bisher sind nur grobe Umrisse bekannt. Die Geschichte soll die Freundschaft zwischen einem etwas ungeschickten Lauchzelot und einem verspielten Pichu erzählen. Der für Aardman typische Slapstick-Humor, gemischt mit herzlichen Momenten, steht im Mittelpunkt.
- Ein offizielles Statement gibt es nicht, die Bilder und die Zusammenarbeit deuten jedoch auf eine kurze, aber feine Erzählung hin
- Ob und wie andere Pokémon auftauchen, bleibt vorerst Spekulation
Branchenkontext: Warum Stop-Motion für eine Gaming-Marke?
Offizielle Stop-Motion-Produktionen auf Basis großer Videospiel-IPs sind selten. Nintendo und die Pokémon Company setzten bislang auf 2D-Anime und CGI. Vergleichbare Projekte existieren kaum: Ein „The Legend of Zelda“-Stop-Motion-Fanfilm erregte 2020 Aufmerksamkeit, blieb aber inoffiziell. „Kirby: Right Back at Ya!“ (2001-2003) mischte 2D-Animation mit vereinzelten Stop-Motion-Elementen, jedoch nicht von Aardman.
- Aardman selbst arbeitete zuvor nur indirekt mit Gaming-Firmen: Das Studio lieferte Zwischensequenzen für das Adventure-Spiel „11-11: Memories Retold“ (2018)
- Die Produktion eines Pokémon-Stop-Motion-Kurzfilms benötigt pro Sekunde rund 24 Einzelbilder mit manuell bewegten Puppen, eine Arbeitsstunde liefert etwa 2-3 Sekunden Material
- Die Kosten für einen Aardman-Kurzfilm dieser Länge (geschätzt 15-30 Minuten) liegen bei mehreren Millionen Euro, finanziert durch TPCi und wohl auch The Pokémon Company International
Der Kurzfilm schließt eine Lücke: Pokémon-Fans erhalten erstmals eine körperliche, greifbare Version ihrer Lieblingswesen, ein Kontrast zu den flüssigen Computeranimationen der letzten Jahre.
Wann erscheint das Projekt?
Ein konkretes Datum nennt die Ankündigung nicht. Pokémon und Aardman haben lediglich bestätigt, dass die Produktion läuft. Das frische Artwork deutet auf einen fortgeschrittenen Stand hin.
- Eine Veröffentlichung auf Streaming-Plattformen oder als kurzer Kinofilm ist denkbar
- Fans sollten die offiziellen Pokémon-Kanäle im Auge behalten, mehr Details sind wohl nicht mehr fern