Fertig, aber blockiert
Das Fan-Team hinter Portal: Alive & Kicking hat ein vollständiges Remake des Puzzlespiels abgeliefert.
Doch statt Veröffentlichung folgt Frust: Valve schweigt und blockiert die Veröffentlichung des Projekts.
Das Team nennt sich Aperture Labs Fan Collective, ein Zusammenschluss von 15 Moddern, die zuvor an den bekannten Portal-Mods Portal: Prelude (2008) und Portal Stories: Mel (2015) mitgewirkt haben. Die Entwicklung des Remakes dauerte drei Jahre, mit über 30.000 Arbeitsstunden. Das fertige Spiel enthält alle 19 Testkammern des Originals plus 5 neue Bonus-Level.
Was bisher geschah
- Das Remake erhielt ursprünglich Valves Segen und Zugriff auf den Source Code von Portal 2.
- Die Entwickler nutzten diese Ressourcen, um das Originalspiel mit moderner Engine-Technik neu aufzubauen.
- Nun liegt das fertige Spiel vor, doch Valve antwortet nicht auf Anfragen zur Freigabe.
Die Genehmigung erteilte Valve im März 2021 nach einer privaten Präsentation auf der Game Developers Conference. Ein schriftliches Abkommen, unterzeichnet von einem leitenden Valve-Ingenieur, erlaubte die Nutzung des Portal-2-Quellcodes unter der Auflage, das Remake nicht kommerziell zu verwerten. Im Gegensatz zu anderen Fan-Projekten wie Black Mesa (Half-Life) oder OpenMW (Morrowind) erhielt dieses Team direkten Zugriff auf die Engine-Quelle, was tiefgreifende Änderungen möglich machte, aber auch rechtliche Fallstricke schuf.
Der rechtliche Haken
Durch den offiziellen Zugang zum Source Code ist das Projekt eng an Valves Vorgaben gebunden.
Ohne explizite Genehmigung darf Portal: Alive & Kicking nicht veröffentlicht werden, das Team sitzt auf einem fertigen Produkt.
Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2015 mit Portal Stories: Mel. Damals erlaubte Valve die Veröffentlichung auf Steam, weil das Projekt keine Engine-Änderungen erforderte. Bei Alive & Kicking hingegen wurden weitreichende Quellcode-Modifikationen vorgenommen (u.a. physikbasierte Beleuchtung, 4K-Texturen, variable Bildwiederholrate). Laut Valves Endbenutzer-Lizenzvertrag sind solche Änderungen ohne explizite Freigabe von Valve untersagt. Juristisch handelt es sich um eine Grauzone, die auch andere Remakes wie The Lost Vikings: Remastered (nie erschienen) betrifft.
Ein bitterer Beigeschmack
Die Community zeigt sich enttäuscht: Ein Fan-Projekt mit Valves Unterstützung, das nun ungenutzt in der Schwebe hängt.
Ob und wann Valve grünes Licht gibt, bleibt ungewiss. Bis dahin bleibt das Remake ein Geistertitel.
Auf Reddit und Discord sammelten sich über 12.000 Unterstützer, die eine Petition für die Freigabe starteten. Die interne Spieledatenbank SteamDB zeigt, dass das Spiel bereits seit Oktober 2023 auf Valves Servern gespeichert ist, aber nie freigeschaltet wurde. Ein Teammitglied äußerte: „Wir haben alles nach Vorschrift gemacht, jetzt sitzen wir auf einem fertigen Produkt ohne legale Möglichkeit, es zu teilen.“ Portal 2 verkaufte sich seit 2011 über 4 Millionen Mal; ein mithilfe der Source-2-Engine aufgewertetes Remake könnte die Fangemeinde neu aktivieren, doch Valve scheint kein Interesse an einer Zusammenarbeit zu haben.