Der RAMnarök hält an
Die Preise für Grafikkarten korrelieren derzeit direkt mit den Engpässen bei GDDR6- und HBM3-Speichermodulen. Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron priorisieren Kapazitäten für Hochleistungschips, die in Rechenzentren für das Training von KI-Modellen landen.
Durch diese Verschiebung sinkt das Angebot an Speicher für Consumer-Hardware. Die Folge sind gestiegene Einkaufspreise für Boardpartner wie ASUS, MSI oder Gigabyte, die diese Mehrkosten an den Endkunden weitergeben.
AMD passt die Preise an
AMD hat die unverbindlichen Preisempfehlungen für die Radeon RX 7000-Serie in ausgewählten Regionen angepasst, um die gestiegenen Einkaufspreise für VRAM zu decken. Dieser Schritt folgt auf die Taktik von Nvidia, deren GeForce RTX 40-Serie bereits seit Monaten kaum noch nennenswerte Rabatte am freien Markt erhält.
- Die Radeon RX 7900 XT und XTX benötigen große Mengen an GDDR6-Speicher, was sie anfällig für Preisschwankungen macht.
- Ältere Modelle der Radeon RX 6000-Serie sind als Restbestände kaum noch zu den günstigen Preisen von 2023 verfügbar.
- Händler berichten von einer Verknappung bei Karten mit 16 GB Videospeicher oder mehr.
Die Ursachen der Knappheit
Der aktuelle Engpass hat seinen Ursprung in der massiven Nachfrage nach H100-Beschleunigern von Nvidia. Diese Karten nutzen HBM3-Speicher, dessen Herstellung komplexer ist als bei herkömmlichem GDDR6-RAM.
Die Chipfertiger haben ihre Produktionslinien umgestellt, um die margenstarken KI-Beschleuniger zu bedienen. Dadurch schrumpft das Kontingent für Gaming-GPUs, was die Preise bei AMD und Nvidia gleichermaßen nach oben drückt.
- Ein Nvidia H100 nutzt 80 GB HBM3-Speicher, was die Kapazitäten für zehntausende Gaming-Grafikkarten bindet.
- Die Ausbeute (Yield-Rate) bei der Produktion von HBM3-Speicher ist niedriger als bei Standard-RAM, was den Ausschuss erhöht.
- Große Tech-Konzerne wie Microsoft, Meta und Google kaufen den Speichermarkt für ihre Serverfarmen leer.
Historischer Kontext der GPU-Preise
Die aktuelle Entwicklung erinnert an die Jahre 2020 und 2021, als die Kryptomining-Welle den Markt für Grafikkarten leerfegte. Damals stiegen die Preise für eine RTX 3080 auf über 1.500 Euro, weit über der ursprünglichen UVP von 699 Euro.
Heute fehlt die Komponente des Minings, doch die KI-Industrie sorgt für eine ähnlich hohe Nachfrage nach Rechenleistung. Während man 2018 noch eine Mittelklasse-Karte wie die GTX 1060 für unter 300 Euro erhielt, liegen vergleichbare Modelle wie die RTX 4060 oder RX 7600 heute oft bei über 350 bis 400 Euro.
- Die Einführung der Raytracing-Technologie mit der RTX 20-Serie im Jahr 2018 markierte den Beginn eines allgemeinen Preisanstiegs bei GPUs.
- AMD konnte mit der Radeon RX 6000-Serie kurzzeitig eine Preis-Leistungs-Alternative bieten, verlor diesen Vorteil jedoch durch die Speicherknappheit.
- Aktuelle Daten von Preisvergleichsportalen zeigen, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASP) für GPUs seit 2022 um etwa 15 bis 20 Prozent gestiegen sind.
Was das für Spieler bedeutet
Wer heute ein System auf Basis einer RTX 4080 Super oder RX 7900 XTX bauen will, investiert einen Großteil des Budgets allein in die Grafikkarte. Die Speicherknappheit betrifft dabei nicht nur den VRAM auf der Karte, sondern auch den System-Arbeitsspeicher, da DDR5-Module ebenfalls von den Kapazitätsengpässen der Halbleiterhersteller betroffen sind.
Die Hardware-Industrie rechnet erst mit einer Entspannung der Lage, wenn neue Fabriken für Speicherchips ihre volle Produktion aufnehmen. Diese Anlagen benötigen jedoch oft Jahre, um die Serienreife zu erreichen. Aktuell findet eine Konsolidierung der Preise auf einem erhöhten Niveau statt, bei dem Hersteller ihre Margen trotz hoher Produktionskosten stabilisieren. Der Markt für Gaming-Komponenten bleibt daher für Käufer in den kommenden Quartalen unflexibel.