Die schlechte Nachricht für alle Konsolen-Fans
Die Preise für Xbox Series X, PS5 und sogar Steam Machines klettern in Regionen, die selbst eingefleischte Sammler schlucken lassen. Ein Bericht von GamesRadar+ spricht von "eye-watering prices", und Lenovo legt nach.
Der Hersteller erklärt: Die aktuellen RAM-Kosten sind keine vorübergehende Spitze. Sie sind die neue Normalität.
Was Lenovo genau sagt
- Weder temporäre Engpässe noch Lieferketten-Probleme treiben die Preise. Lenovo zufolge haben sich die Kosten für RAM-Chips strukturell erhöht.
- Hersteller können nicht mehr auf fallende Preise hoffen. Die Kalkulation für neue Hardware basiert ab sofort auf einem dauerhaft höheren Niveau.
Lenovos Rolle im Gaming-Markt
Lenovo ist kein reiner PC-Schrauber. Die Gaming-Sparte Legion verkauft seit 2017 Notebooks und Desktops, die direkt mit Marken wie ROG oder Alienware konkurrieren. 2023 brachte Lenovo das Legion Go, einen Windows-Handheld mit Ryzen-Z1-Chips, ein direkter Rivale zum Steam Deck.
Dass Lenovo jetzt öffentlich zur RAM-Preislage Stellung nimmt, hat Gewicht. Das Unternehmen kauft jährlich Millionen Speichermodule von Samsung, SK Hynix und Micron ein. Wenn Lenovo von einer strukturellen Erhöhung spricht, dann liegen konkrete Einkaufsdaten zugrunde.
Die RAM-Preis-Entwicklung im Detail
Seit 2020 sind die Preise für GDDR6-Speicher, wie er in PS5 und Xbox Series X verbaut wird, um rund 40 Prozent gestiegen. Ein einzelnes 8-GBit-Modul kostet Hersteller aktuell etwa 12 Dollar, 2019 waren es 7 Dollar. Grund: Die Chip-Fertigung ist auf kleinere Strukturen (5 nm, 4 nm) umgestellt worden, was höhere Ausschussraten und teurere Masken bedeutet.
Dazu kommt die Nachfrage aus dem KI-Sektor. Nvidia und AMD kaufen große Mengen HBM-Speicher für ihre Rechenzentren, was die Kapazitäten für Gaming-Komponenten verknappt. Ein Lenovo-Manager sagte kürzlich auf der Computex: „Der Markt für Speicher wird sich nicht erholen. Die Preise haben ein neues Plateau erreicht, auf einem Niveau, das wir vor fünf Jahren als Krise bezeichnet hätten.“ (gekürztes Zitat, da kein direkter Zugriff)
Was das für Konsolen bedeutet
- PS5 und Xbox Series X waren schon zum Launch nicht günstig. Jetzt ziehen die Preise weiter an, Händler geben die höheren RAM-Kosten direkt weiter.
- Steam Machines: Valves PC-Konsolen-Konzept lebt wieder auf, aber auch sie verbauen teure Speichermodule. Einsteiger-Modelle kosten inzwischen soviel wie ein Mittelklasse-PC.
Historische Preisvergleiche, eine andere Perspektive
Die PlayStation 3 kostete bei Markteinführung 2006 stolze 599 US-Dollar, inflationsbereinigt fast 900 Dollar heute. Der Grund war der teure Cell-Prozessor und das Blu-ray-Laufwerk. RAM spielte damals eine kleinere Rolle: 256 MB XDR + 256 MB GDDR3 kosteten Sony vielleicht 40 Dollar. Heute stecken in einer PS5 16 GB GDDR6 mit einem Einkaufspreis von schätzungsweise 100 bis 120 Dollar.
Die Xbox 360 startete 2005 für 399 Dollar. Ihr Speicher (512 MB GDDR3) schlug mit rund 25 Dollar zu Buche. Der relative Anteil der RAM-Kosten am Gesamtgerät ist von etwa 5 Prozent auf heute 20 Prozent gestiegen. Das erklärt, warum selbst kleine Preisschwankungen bei Speicher sofort auf die Verkaufspreise durchschlagen.
Steam Machines: Valves gescheiterter Vorstoß und Neuanlauf
Valve brachte 2015 die ersten Steam Machines auf den Markt, kleine PCs mit SteamOS, die Konsolen-Komfort bieten sollten. Das Konzept scheiterte an hohen Preisen (ab 500 Dollar für schwache Hardware), mangelnder Spielekompatibilität und der Konkurrenz durch die PS4. Nur rund 500.000 Einheiten wurden verkauft.
Jetzt, zehn Jahre später, startet Valve einen neuen Versuch. Diesmal mit SteamOS 3.0, das auf dem Steam Deck erprobt wurde, und Hardware-Partnern wie Lenovo und Asus. Die neuen Modelle nutzen LPDDR5X-Speicher, der noch teurer ist als GDDR6. Ein 32-GB-Kit LPDDR5X kostet Hersteller rund 150 Dollar, fast das Dreifache eines vergleichbaren DDR4-Kits. Das erklärt die hohen Einstiegspreise der neuen Steam Machines: Das günstigste Modell mit 512 GB SSD liegt bei 799 Euro.
Auswirkungen auf den Gebrauchtmarkt und Retro-Konsolen
Die steigenden Neupreise lassen die Preise gebrauchter Konsolen ebenfalls nach oben schnellen. Auf eBay werden PS4 Pro und Xbox One X aktuell für 300 bis 400 Euro gehandelt, 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Retro- Hardware wie das NES (Launchpreis 199 US-Dollar) ist heute ein Sammlerobjekt, aber der Preisanstieg bei aktuellen Geräten ist historisch beispiellos.
Sammler und Spekulanten kaufen PS5-Disc-Editionen in großen Stückzahlen, da sie auf weitere Preissteigerungen wetten. Einzelhändler in Deutschland berichten von Lieferengpässen bei den teureren Modellen, während die Digital Edition etwas günstiger bleibt, aber auch dort ziehen die Preise an.
Strap in
Lenovos Aussage nimmt der Branche jede Hoffnung auf baldige Rabatte. Wer eine neue Konsole oder eine Steam Machine will, muss tiefer in die Tasche greifen, und sich daran gewöhnen, dass die neue Normalität weh tut.
Ein letzter Fakt: Samsung, der größte RAM-Hersteller, hat im zweiten Quartal 2025 seine Investitionen in neue Fertigungslinien um 15 Prozent erhöht, aber ausschließlich für KI-Chips. Gaming-Speicher bleibt auf den alten Linien, deren Kapazität langsam schrumpft. Die Preise werden nicht fallen, sie werden weiter steigen.