RAM-Krise trifft Gamer hart
Eine aktuelle Warnung aus der Industrie macht die Runde: RAM-Preise werden laut einem Bericht von Kotaku mindestens bis 2028 weiter anziehen. Das klingt nach einer Hiobsbotschaft für alle, die auf eine neue Konsole oder einen günstigen PC-Upgrade hoffen. Denn die Preiserhöhungen bei Spielekonsolen haben laut den Analysten erst begonnen. Wer jetzt zögert, könnte bald noch tiefer in die Tasche greifen müssen.
Historie der DRAM-Preiskrisen
Der aktuelle Anstieg ist nicht der erste Zyklus seiner Art. Die Halbleiterbranche durchlebt seit Jahrzehnten Boom-und-Bust-Phasen. 2018 führte eine Überproduktion von DDR4 zu einem Preissturz: 16-GB-Kits kosteten damals unter 60 Euro. 2021 drehte der Markt, Pandemie-bedingte Nachfrage, Lieferengpässe und ein Brand bei einem japanischen Chemiewerk ließen die Preise um über 80 Prozent nach oben schnellen. 2023 folgte eine leichte Entspannung, doch die KI-Welle hat die Kalkulationen der Hersteller erneut durcheinandergebracht.
- Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren zusammen rund 95 Prozent des DRAM-Marktes.
- Sie haben ihre Fertigung für DDR5 und GDDR7 hochgefahren, parallel aber ältere Linien gedrosselt.
- Die Folge: Weniger Chips für Konsolen und Grafikkarten, da die profitablere KI-Produktion priorisiert wird.
Sony und Microsoft: Preise im Wandel der Zeit
Die Preispolitik der Konsolenhersteller folgt ähnlichen Mustern. Sonys PlayStation 1 startete 1994 für 299 US-Dollar, die PS2 ebenfalls für 299 Dollar. Die PS3 (2006) kam mit 599 Dollar auf den Markt, eine damals heftig kritisierte Summe, die Sonys Marktanteil schrumpfen ließ. Die PS4 (2013) lernte daraus und kostete nur 399 Dollar. Die PS5 (2020) lag bei 499 Dollar, wurde 2022 in Europa jedoch um 50 Euro auf 549 Euro angehoben. Microsofts Xbox Series X startete ebenfalls bei 499 Dollar und hielt diesen Preis bis heute, während die schwächere Series S mit 299 Dollar lockt.
- Eine neue Generation (PS6, Next Xbox) wird frühestens 2027/2028 erwartet.
- Analysten von IDC rechnen mit einem Startpreis von 599 bis 649 Dollar für die PS6, falls RAM und andere Komponenten weiter steigen.
KI als Treiber: Der neue Faktor
Was diesen Preisschub von früheren unterscheidet: Die Nachfrage nach KI-Beschleunigern wie Nvidias H100 oder B200 verschlingt massiv Speicherbandbreite. Ein einzelner H100-Chip benötigt 80 GB HBM3-Speicher, eine Technologie, die direkt mit DDR5 um Fertigungskapazitäten konkurriert. Die Hersteller haben ihre Produktion auf HBM umgestellt, weil die Margen dort dreimal höher liegen.
- Der Anteil von KI-bedingtem DRAM-Verbrauch stieg von 5 Prozent (2022) auf geschätzte 20 Prozent (2025). Quelle: TrendForce.
- DDR5-Module mit 32 GB kosten aktuell rund 150 Euro. Vor zwei Jahren waren es 100 Euro. Ein Anstieg von 50 Prozent.
- GDDR7, der Speicher für kommende Grafikkarten, wird voraussichtlich 20 bis 30 Prozent teurer sein als aktuelles GDDR6.
Konsolenpreise: Nur der Anfang
Bereits heute zahlen Spieler für eine PlayStation 5 oder Xbox Series X teilweise Aufschläge von 50 bis 100 Euro gegenüber dem UVP. Laut dem Kotaku-Bericht ist das erst die Spitze des Eisbergs. Neue Konsolen-Generationen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ab 2027/2028 teurer starten als ihre Vorgänger. Auch bestehende Modelle könnten weitere Preisanhebungen erleben, vor allem in Europa, wo die Energiekosten und der schwache Euro zusätzlich drücken.
Was bedeutet das für PC-Spieler?
Auch wer am Rechner zockt, bleibt nicht verschont. DDR5-RAM ist bereits heute spürbar teurer als noch vor zwei Jahren. Modul-Kits mit 32 GB kosten oft über 150 Euro, Tendenz steigend. Grafikkarten mit viel VRAM (12 GB und mehr) werden seltener und teurer. Ein kompletter Neubau eines Midrange-PCs könnte 2026/2027 die 2000-Euro-Marke knacken. Zum Vergleich: Ein solcher Rechner lag 2022 noch bei etwa 1400 Euro.
Ein Silberstreif am Horizont? Vorerst nicht. Die Unternehmen sehen keine Entspannung vor 2028. Allerdings könnte ein Abschwung der KI-Blase, falls sie platzt, den Markt schnell kippen lassen.
Retro-Trost: Alte Hardware bleibt günstig
Der eine Lichtblick: Ältere Konsolen wie die PlayStation 4 oder Xbox One sowie gebrauchte PC-Komponenten aus der DDR4-Ära sind weiterhin bezahlbar. Viele Spiele aus den letzten Jahren laufen darauf noch einwandfrei. Vielleicht ist jetzt der perfekte Moment, um die Retro-Sammlung auszumisten oder auf Flohmärkten nach Schätzen zu suchen. Denn die Zukunft der Hardware wird teuer, zumindest in den nächsten zwei Jahren.