Eine Ära endet: Sony zieht den Stecker
Sony hat das Ende einer ganzen Gaming-Epoche besiegelt. Ab 2028 wird die PlayStation-Plattform eingestellt, wer heute eine Konsole besitzt, muss sich umstellen. Die Ankündigung kommt überraschend, aber nicht ohne Vorboten. Schon seit Jahren verlagert Sony den Fokus auf PC-Ports und Cloud-Dienste.
Seit der ersten PlayStation 1994 hat Sony über 500 Millionen Konsolen verkauft. Die PlayStation 2 hält mit 155 Millionen Einheiten den Rekord als meistverkaufte Konsole aller Zeiten. Die PlayStation 4 folgt mit 117 Millionen. Der Schritt markiert das Ende einer Hardware-Ära, die 34 Jahre dauerte und die Spieleindustrie prägte, von CD-ROMs über Blu-ray bis zur SSD-Architektur der PS5.
Die Entwicklungskosten für neue Konsolen-Generationen stiegen massiv. Allein die PS5 kostete Sony Schätzungen zufolge über 500 Millionen Dollar in der Entwicklung. Gleichzeitig schrumpfen die Margen im Hardware-Geschäft: Sony gab zu, dass die PS5 anfangs unter Herstellungskosten verkauft wurde, um Marktanteile zu gewinnen.
Was „Schluss machen“ konkret bedeutet
Die genauen Details sind noch vage. Fest steht: Der Support für alle PlayStation-Konsolen endet 2028, inklusive Online-Dienste und Shop-Funktionen.
- Keine neuen Spiele mehr für PS4, PS5 oder zukünftige Modelle.
- Der PlayStation Store wird geschlossen, Käufe sind dann nicht mehr möglich.
- Multiplayer und Abo-Dienste wie PlayStation Plus laufen aus.
Sony selbst hat noch nicht erklärt, ob bereits gekaufte Titel weiterhin offline spielbar bleiben. Das sorgt für Verunsicherung in der Community.
Sony hat bereits Erfahrung mit Shop-Schließungen. 2021 plante das Unternehmen, die Stores für PS3, PSP und PS Vita endgültig zu schließen, ein massiver Aufschrei der Community zwang Sony zum Umdenken. Die Shops blieben offen, aber die Einstellung der PS3- und Vita-Stores wurde später doch vollzogen. Im Sommer 2024 waren dort keine neuen Käufe mehr möglich. Eine ähnliche Debatte zeichnet sich jetzt für die PS4 und PS5 ab.
PlayStation Plus hatte Stand März 2024 über 47 Millionen Abonnenten. Die meisten davon nutzen den Essential-Tarif (ca. 80 Prozent). Mit dem Wegfall der Plattform entfällt auch dieser wiederkehrende Umsatzstrom, Sony setzt stattdessen auf PC-Abonnements und Cloud-Dienste, die aber erst im Aufbau sind.
Die letzte Generation: PS5 als Abschiedsmodell
Die aktuelle PlayStation 5 wird damit zur finalen Heimkonsole aus dem Hause Sony. Eine PS6 oder ein Nachfolger sind vom Tisch.
Spieler, die noch auf physische Discs setzen, sollten ihre Sammlung sichern. Digitale Bibliotheken hängen am Wohlwollen des Herstellers, das wird jetzt zum Problem.
- Exklusivtitel wie God of War Ragnarök oder Horizon Forbidden West bleiben auf der Konsole gefangen.
- Wer umsteigen will, muss auf PC oder Cloud-Gaming-Dienste ausweichen.
Die PS5 verkaufte sich bis Ende 2024 rund 59 Millionen Mal, weniger als die PS4 im gleichen Zeitraum (damals ca. 70 Millionen). Exklusivtitel wie God of War Ragnarök erreichten innerhalb von drei Monaten über 11 Millionen Verkäufe. Horizon Forbidden West lag bei 8,4 Millionen. Diese Spiele sind technisch an die PS5-Hardware gebunden, eine Portierung auf PC dauert oft Jahre, wie bei Bloodborne, das nie offiziell den Weg auf den PC fand.
Physische Discs bieten eine begrenzte Sicherheit: Spiele benötigen oft Patches, die nach 2028 nicht mehr heruntergeladen werden können. Die PS5 liest keine PlayStation-3-Discs, und die Abwärtskompatibilität zur PS4 funktioniert nur für digitale oder physische PS4-Titel. Wer also eine Sammlung alter PlayStation-Discs besitzt, kann diese auf keiner zukünftigen Hardware mehr nutzen, es sei denn, Sony stellt Emulatoren bereit.
Was kommt danach? Sonys neuer Kurs
Sony positioniert sich als Software- und Plattformanbieter, nicht mehr als Konsolenhersteller. Spiele erscheinen künftig direkt auf PC und via Streaming.
Der Schritt ist radikal, aber logisch: Die Entwicklung eigener Hardware wird teurer, die Margen schrumpfen. Für Retro-Fans bedeutet das das Ende einer Ära.
1994 rollte die erste PlayStation die Branche auf. 34 Jahre später ist Schluss. Wer seine alten Schätze noch einmal anwerfen will, hat noch gut zwei Jahre Zeit.
Microsofts Xbox-Sparte geht einen ähnlichen Weg: Mit Game Pass und Cloud-Streaming rückt die reine Konsole in den Hintergrund. Sony kaufte 2023 den PC-Port-Spezialisten Nixxes Software und verstärkte das Team für PC-Umsetzungen. Horizon Zero Dawn verkaufte sich auf PC über 2,4 Millionen Mal im ersten Jahr, für Sony ein Signal, dass Software-Erlöse ohne Hardware-Bindung lukrativer sein können.
Die Übernahme von Bungie für 3,6 Milliarden Dollar im Jahr 2022 zielte auf Live-Service- und Multiplayer-Expertise, die auf allen Plattformen laufen soll. Gleichzeitig investiert Sony in hauseigene Cloud-Infrastruktur: Der Streaming-Dienst PlayStation Plus Premium bietet derzeit über 1000 Spiele, aber nur in ausgewählten Regionen. Ein weltweiter Roll-out ist geplant, dann ohne Konsolen-Zwang.
Die letzte PlayStation-Konsole wird nicht mehr als 60 Millionen Einheiten erreichen, weit entfernt von den 155 Millionen der PS2. Sonys Fokus liegt jetzt auf dem PC-Markt, der 2024 rund 1,7 Milliarden Gamer zählte, ein Vielfaches der Konsolen-Basis.