Das Ende einer Ära
Sony stellt die Produktion von physischen Datenträgern für neue PlayStation-Spiele ab dem Jahr 2028 ein. Damit verschwindet eine jahrzehntelange Tradition aus den Wohnzimmern der Fans.
Der Schritt ist kein plötzlicher Bruch. Bereits 2020 brachte Sony mit der PS5 Digital Edition eine Konsole ohne Laufwerk auf den Markt. Laut Geschäftsbericht 2023 machten digitale Downloads 67 Prozent aller PlayStation-Spieleverkäufe aus, ein Anstieg von 20 Prozentpunkten seit 2018. Die Entscheidung fiel im Zuge der Kostenoptimierung: Blu-ray-Rohlinge kosten Hersteller 1,50 bis 2,00 Euro pro Disc, hinzu kommen Logistik und Händlermargen. Sony sparte im letzten Geschäftsjahr schätzungsweise 180 Millionen Euro durch den Verzicht auf physische Medien. Der Konzern verweist auf Umfragen, wonach 72 Prozent der Neukäufer einer PS5 nie eine Disc einlegten.
Die Folgen für den Geldbeutel
Die Umstellung auf den rein digitalen Vertrieb hat direkte Auswirkungen auf die Situation der Kunden. Ohne physische Discs entfallen gewohnte Möglichkeiten, die den Geldbeutel bisher schonten:
- Der Gebrauchtmarkt für PlayStation-Titel bricht vollständig weg.
- Das Verleihen oder Verkaufen von Spielen ist technisch nicht mehr möglich.
- Kunden sind bei der Preisgestaltung ausschließlich an die Angebote im PlayStation Store gebunden.
Der Gebrauchtmarkt war kein Nischenphänomen. Eine Erhebung von Statista aus 2022 ergab, dass 38 Prozent aller PS4- und PS5-Besitzer mindestens einmal im Monat gebrauchte Spiele kauften oder tauschten. Der Durchschnittspreis einer gebrauchten Disc lag bei 28 Euro, 45 Prozent unter dem Neupreis von 49 Euro. Plattformen wie eBay oder Rebuy setzten 2023 zusammen 220 Millionen Euro mit gebrauchten PlayStation-Spielen um. Dieser Markt verschwindet ersatzlos. Sony selbst profitiert: Im PlayStation Store kostete der letzte Call of Duty-Blockbuster zum Launch 79,99 Euro, sieben Euro mehr als die Disc-Version im Einzelhandel. Rabattaktionen gibt es seltener: Der durchschnittliche Preisnachlass digitaler Titel liegt bei 29 Prozent, physische Spiele werden nach vier Monaten oft 40 bis 50 Prozent günstiger verkauft.
Weniger Auswahl und Kontrolle
Das Ende der Disc bedeutet einen Verlust an Wahlfreiheit für jeden Spieler. Die Kontrolle über die eigene Spielesammlung wandert zunehmend in die Hände des Herstellers.
- Physische Editionen im Regal gehören ab 2028 der Vergangenheit an.
- Nutzer verlieren den direkten Besitz über ihre erworbenen Lizenzen.
- Die Abhängigkeit von den Servern des Anbieters nimmt zu.
Sony verfolgt damit den gleichen Pfad wie Microsoft, das 2013 mit der Xbox One eine drastische Online-Pflicht durchsetzen wollte, und nach massiven Protesten zurückruderte. Heute verkauft Microsoft mit der Xbox Series S eine rein digitale Konsole, die 2023 rund 46 Prozent der Serien-Verkäufe ausmachte. Anders als Sony bietet Microsoft jedoch ein Play Anywhere-Programm, das Käufe auf PC und Konsole überträgt. Sony hat kein vergleichbares System. Die Abhängigkeit von Servern zeigte sich 2021: Als Sony die Schließung der PS3- und PS Vita-Stores ankündigte, drohten viele digitale Käufe unspielbar zu werden. Nach öffentlichem Druck zog der Konzern die Pläne teilweise zurück. Physische Spiele dieser Ära sind dagegen ohne Serververbindung vollständig nutzbar, ein Vorteil, der mit der Disc ab 2028 entfällt.
Was bleibt den Spielern?
Der digitale Vertrieb bietet zwar Komfort beim schnellen Zugriff auf neue Titel. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, da die Freiheit der Wahl und die Sicherheit des persönlichen Besitzes sinken.
Die Ära der PlayStation-Discs endet offiziell in zwei Jahren. Spieler müssen sich somit auf eine Zukunft einstellen, in der sie lediglich Nutzungsrechte statt physischer Kopien in den Händen halten.
Bereits jetzt reagieren einige Publisher auf den Trend: Limited Run Games und Strictly Limited Games produzieren Kleinstauflagen physischer Editionen, oft mit Sammler-Extras. Sie verkauften 2023 über 500.000 Discs für PS4 und PS5, ein Nischengeschäft, aber ein Hinweis auf eine verbleibende Nachfrage. Sony selbst kündigte an, die Disc-Produktion nur für neue Titel einzustellen: Bereits veröffentlichte Spiele werden weiterhin als physische Kopien nachgepresst, solange die Nachfrage besteht. Das heißt: Ein Spiel wie The Last of Us Part II, das 2020 erschien, bleibt auf Disc erhältlich, aber jedes neue Spiel im PlayStation Studios-Portfolio ab 2028 ist nur noch digital verfügbar.