Disc-Laufwerk ade? Analyst orakelt harte Zeiten
Ein Branchenanalyst sieht in Sonys Abkehr von physischen Spielen vor allem eines: eine Brücke über die „schlechten Jahre“ hoher Hardwarekosten. Die Rechnung ist simpel: Ohne Disc-Laufwerk spart Sony bei Produktion und Logistik. Das senkt den Einstiegspreis für die Konsole, zumindest kurzfristig.
Doch der Preis für diesen Schritt ist hoch. Der Analyst betont, dass die Abschaffung physischer Medien einen der günstigsten Einstiege in das PlayStation-Ökosystem versperrt. Gebrauchte Spiele, Tauschbörsen oder günstige Disc-Angebote im Handel fallen dann komplett weg.
Laut IHS Markit kostet ein Blu-ray-Laufwerk Sony etwa 25 bis 30 Dollar in der Fertigung. Die PS5 Digital Edition liegt mit 449 Euro nur 50 Euro unter der Disc-Version, eine Marge, die Sony durch höhere digitale Verkaufsanteile kompensieren will. Jim Ryan, ehemaliger CEO von Sony Interactive Entertainment, nannte 2023 den digitalen Vertrieb „die Zukunft“ und die Disc eine wachsende Nische für Sammler. Doch wer heute keine Disc mehr kaufen kann, kauft morgen vielleicht gar keine PlayStation mehr. Die Produktionskostenersparnis ist real, aber der langfristige Kundenbindungseffekt unklar.
Casuals und Kids wandern ab
Besonders hart trifft es die Gelegenheitsspieler und jungen Konsumenten. Laut dem Experten werden diese Gruppen „noch schneller zu Mobile, PC und Free-to-play abwandern“. Ohne die Möglichkeit, gebrauchte Discs zu kaufen oder sich Spiele von Freunden auszuleihen, wird die Hürde für Neulinge größer.
Gleichzeitig locken PC-Plattformen wie Steam mit Rabattaktionen und Mobile-Games mit Null-Euro-Einstieg. PlayStation muss sich also fragen: Ist die Ersparnis durch den Wegfall des Laufwerks den Verlust dieser Kundengruppe wert?
Der Anteil physischer Spieleverkäufe an Sony-Titeln fiel von 48 Prozent im Jahr 2019 auf 26 Prozent im Jahr 2023 (laut Sony-Geschäftsbericht). Doch unter den Käufern unter 25 Jahren lag der Disc-Anteil 2022 noch bei 38 Prozent (NPD Group). Diese Gruppe nutzt Gebrauchtmarkt und Leihe am stärksten. Der Mobile-Gaming-Markt wuchs 2023 auf 90,4 Milliarden US-Dollar, während der Konsolenmarkt (Hardware und Software) bei 51,4 Milliarden stagnierte. Wer als Teenager nur Handyspiele spielt, kauft sich mit 20 wahrscheinlich kein PlayStation. Hinzu kommt: Free-to-play-Titel wie Fortnite oder Roblox generieren keine Einstiegshürde, aber hohe Bindung, und sie laufen auf jedem Smartphone.
Ein altbekannter Schachzug mit Risiken
Sony wiederholt damit eine Strategie, die schon bei den Handhelds oder bei Microsofts Xbox Series S diskutiert wurde. Der Verzicht auf ein physisches Medium macht die Konsole günstiger, aber er schneidet auch die Sekundärmarkt-Kultur ab, die besonders unter jungen Spielern lebendig war.
Der Analyst warnt: „Killing physical media boards up one of the cheapest doorways into PlayStation.“ Wer diese Tür zumacht, riskiert, dass die nächste Generation gar nicht erst ins Wohnzimmer findet. PC, Smartphone und Free-to-play-Titel warten schon.
Die PSP Go von 2009 war Sonys erster rein digitaler Handheld. Sie verkaufte sich bis 2011 nur rund eine Million Mal, die PSP mit UMD-Laufwerk insgesamt über 80 Millionen. Ähnlich scheiterte Microsoft 2013 mit der Xbox-One-Strategie, die den Gebrauchtmarkt einschränkte; nach massiven Protesten wurde sie zurückgenommen. Heute liegt der Anteil der Xbox Series S (ohne Laufwerk) an den Gesamtverkäufen der Serie bei etwa 35 Prozent (IDC). Sony geht nun einen Schritt weiter: Die PS5 Pro hat standardmäßig kein Laufwerk, und selbst die normale PS5 wird zunehmend in digitalen Bundles angeboten. In Großbritannien sank der Disc-Spieleverkauf 2023 um 19 Prozent (UKIE), während die aktiven Spielerzahlen bei Free-to-play-Titeln weiter steigen. Ob der Preisnachlass von 50 Euro die fehlende Second-Hand-Option kompensiert, zeigt sich erst in zwei bis drei Jahren.