Krise bei der Technik-Schmiede
Die jüngsten Entlassungen bei id Software betreffen 136 Mitarbeiter, was etwa der Hälfte der Belegschaft entspricht. Diese Maßnahme folgt auf eine konzernweite Umstrukturierung bei Microsoft, die unter anderem die Schließung von Arkane Austin und Tango Gameworks beinhaltete.
id Software hat seinen Sitz in Dallas und blickt auf eine Geschichte bis 1991 zurück. Das Studio begründete mit Wolfenstein 3D und Doom das Genre der Ego-Shooter.
Offizielle Microsoft-Stellungnahmen versichern den Fortbestand der operativen Arbeit. Ehemalige Mitarbeiter berichten jedoch von gezielten Kürzungen beim Personal, das für die Verwaltung der id Tech-Architektur zuständig war.
Verlust von Expertenwissen
Die Kündigungswelle traf vor allem Abteilungen, die für die Wartung der proprietären Engine verantwortlich sind. Der Verlust von fünf Mitgliedern des VFX-Teams wiegt schwer, da diese über spezifische Kenntnisse der Shader-Programmierung verfügten.
Die Liste der betroffenen Qualifikationen umfasst:
- Experten für die Hardware-Abstraktionsschicht der Engine.
- Entwickler, die für die Implementierung der Schnittstellen zu Vulkan und DirectX zuständig waren.
- Spezialisten für das Asset-Management-Tool „Radiant“, das seit Jahrzehnten den Workflow bei id Software prägt.
Der Verlust dieses Wissens erschwert die Wartung der id Tech 7, die zuletzt bei Doom Eternal eingesetzt wurde. Ohne die Leute, die das System geschrieben haben, sinkt die Kapazität, die Engine für zukünftige Hardware-Generationen anzupassen.
Die Zukunft der Engine
Die id Tech-Engine definiert sich über ihre Effizienz bei hohen Bildraten. Während die Unreal Engine 5 auf komplexe Szenen mit Nanite und Lumen setzt, fokussiert sich id Tech auf maximale CPU-Auslastung bei hoher Geschwindigkeit.
Wird id Software auf ein externes Framework umgestellt, verliert Microsoft den technologischen Vorsprung bei der Optimierung von Shootern. Vergleiche zeigen deutliche Unterschiede:
- Doom Eternal läuft auf Konsolen mit 120 FPS bei hoher Auflösung.
- Viele aktuelle Unreal Engine 5-Produktionen erreichen auf derselben Hardware oft nur 30 bis 60 FPS.
- Die id Tech-Engine bietet eine Architektur, die minimale Latenzen zwischen Eingabe und Bildausgabe garantiert.
Abhängigkeit von Epic Games
Ein Wechsel zur Unreal Engine 5 würde die Abhängigkeit von Epic Games massiv erhöhen. Jedes Spiel, das diese Engine nutzt, zahlt eine Lizenzgebühr von fünf Prozent des Bruttoumsatzes nach Erreichen einer bestimmten Schwelle.
Historisch gesehen verfolgte id Software stets einen anderen Weg. John Carmack, einer der Gründer des Studios, legte Wert auf die Veröffentlichung des Quellcodes und die technologische Unabhängigkeit.
Die technische Eigenständigkeit ermöglichte Meilensteine wie Quake, das 1996 erstmals eine echte 3D-Umgebung in Echtzeit bot. Ein Wechsel zu Unreal würde das Studio von einem Technologie-Anbieter zu einem reinen Anwender degradieren.
Die aktuelle Situation erinnert an die Übernahme von Rare durch Microsoft im Jahr 2002. Damals verließen viele der ursprünglichen Entwickler das Unternehmen, was die Identität der Marke nachhaltig veränderte.
Aktuell sind keine neuen Projekte von id Software offiziell angekündigt, die den Einsatz der nächsten Engine-Generation erfordern würden. Das letzte große Release war die Erweiterung The Ancient Gods für Doom Eternal im Jahr 2021.