Das Herz des Ego-Shooters
id Software gilt als das Zentrum des Genres, das wir heute als First-Person-Shooter kennen. Seit dem Start von Doom in den frühen Neunzigern definiert dieses Studio den Standard für Geschwindigkeit und Spielgefühl.
Wer den Wert dieses Erbes nicht erkennt, stellt die eigene Daseinsberechtigung im Videospielmarkt infrage. Ein Unternehmen wie Xbox muss verstehen, dass die Identität solcher Marken über bloße Quartalszahlen hinausgeht.
Die Wurzeln liegen in einer kleinen Firma namens Softdisk, wo John Carmack, John Romero, Adrian Carmack und Tom Hall zunächst Spiele wie Commander Keen (1990) entwickelten. Hovertank 3D (1991) und Catacomb 3-D (1991) waren die ersten Ego-Shooter mit texturierten Wänden, noch ohne den Namen „id Software“. 1991 gründeten sie das Studio unter dem Namen id Software, und ein Jahr später erschien Wolfenstein 3D (1992), das den Shareware-Vertrieb als Geschäftsmodell etablierte. Über 100.000 Kopien wurden über diese Kanäle verkauft, was damals einem Spitzenwert entsprach.
Fakten zum Erbe
Die Bedeutung von id Software speist sich aus einer langen Liste technischer Errungenschaften:
- Die Etablierung des Doom-Franchises als kulturelles Phänomen.
- Die Entwicklung von Engines, die den PC-Markt über Jahrzehnte prägten.
- Der Einfluss auf jedes moderne Spiel, das aus der Ego-Perspektive gesteuert wird.
Konkret: Der Doom-Engine-Code wurde 1997 als Open Source freigegeben, was Hobby-Entwickler und spätere Profis wie Bungie (Halo) oder Valve (Half-Life) direkt beeinflusste. Doom (1993) erzielte geschätzte 10 Millionen Downloads über Shareware, dann Vollversionen für 40 US-Dollar pro Stück, das Studio wurde praktisch über Nacht profitabel. Quake (1996) führte echtes 3D und Online-Multiplayer ein; die id Tech 2-Engine (Quake II, 1997) lizenzierte Firmen wie Raven Software für Spiele wie Heretic und Soldier of Fortune. Bis 2020 verkaufte die Serie Doom über 10 Millionen Einheiten allein mit dem 2016er Neustart, Doom Eternal (2020) knackte innerhalb eines Jahres die 10-Millionen-Marke.
Strategische Fragen an Xbox
Das Management von Xbox steht vor der Aufgabe, die Relevanz dieser historischen Marken zu bewahren. Wenn eine solche Säule der Gaming-Geschichte im aktuellen Portfolio keine klare Wertschätzung erfährt, ist das Geschäftsmodell der gesamten Sparte fragwürdig.
- Marken wie Doom sind kein austauschbares Inventar.
- Die Substanz eines Studios bestimmt den Erfolg einer ganzen Plattform.
- Ohne echte Verbundenheit zu den Wurzeln verliert ein Publisher seine Seele.
Microsoft zahlte im März 2021 rund 7,5 Milliarden US-Dollar für die Übernahme von ZeniMax Media, zu der auch id Software gehört. Damit landete das Studio unter dem Dach von Xbox Game Studios, aber die interne Struktur blieb weitgehend autonom, Bethesda-Zentrale in Rockville, Maryland, und id Software in Richardson, Texas. Seitdem erschienen auf Xbox und PC exklusive Titel wie Starfield (Bethesda Game Studios) oder Redfall (Arkane), während id Software an Doom: The Dark Ages arbeitet, das für 2025 angekündigt wurde. Die Strategie: id Software liefert nicht nur Blockbuster, sondern auch die Engine-Technologie, id Tech 7 treibt etwa Indiana Jones and the Great Circle (MachineGames) an. Ein Verkauf oder eine Vernachlässigung des Studios würde diese technische Basis gefährden.
Ein Blick zurück
Die Spieler von heute profitieren von der Arbeit, die id Software bereits vor Jahrzehnten leistete. Die Stabilität und die Präzision, die in den Titeln dieses Studios stecken, bilden das Fundament für den gesamten Markt.
Ein Verlust an Fokus bei diesen Marken würde eine Lücke hinterlassen, die durch keine andere Investition gefüllt werden kann. Die Geschichte der Branche ist eng mit dem Namen id Software verknüpft.
Doom (2016) zeigte, wie ein 23 Jahre altes Franchise mit einer neuen Engine und einem Fokus auf „Push-forward-Combat“ wieder relevant wird, 60 FPS auf Konsolen, keine Ladezeiten, eine Kampagne mit über 13 Stunden Spielzeit. Das Spiel gewann den Game Developers Choice Award für „Best Technology“. Quake Champions (2017) versuchte eine Free-to-Play-Arena-Shooter-Rückkehr, erreichte aber nur eine durchschnittliche Spielerbasis von rund 2.000 gleichzeitigen Nutzern auf Steam, während Call of Duty: Warzone (2020) 100 Millionen Spieler zählte. id Software besetzt keine Massenmarkt-Nische, aber ihre Technik und Design-Philosophie bleiben Referenzpunkte für kompetitive Shooter und Engine-Entwicklung.