Ein ungewohntes Szenario für die Tintenfisch-Kämpfer
Splatoon ist bekannt für knallbunte Schlachten und den kooperativen Salmon Run-Modus. Ein jetzt aufgetauchtes frühes Konzept zeigt jedoch eine düstere Alternative: Splatoon Raiders. Der Bericht von Kotaku basiert auf Aussagen der Entwickler.
Spieler als Räuber, Salmoniden als Opfer
- Im Prototyp griffen die Spieler die Salmoniden an.
- Ziel: Ihnen ihre begehrten Schätze entreißen.
- Nach dem erfolgreichen Raub feierte man die Beute im eigenen Lager.
Diese Rollenumkehr war den Entwicklern selbst unangenehm. Jeder, der den Prototyp testete, äußerte Mitleid mit den Fischwesen: „Arme Salmoniden!“
Ein Entwickler beschrieb das Gefühl: „Es fühlte sich an, als würden wir die Salmoniden angreifen, ihre geliebten Schätze mit Gewalt an uns reißen und dann in der Beute schwelgen.“
Der schmale Grat zwischen Held und Schurke
Die Idee, die sonst als Gegner bekannten Salmoniden zu Opfern zu machen, wirft ein Licht auf Nintendos Designprozess. Offenbar war man sich bewusst, dass die Spieler sofort die moralische Überlegenheit verlieren würden. Das Konzept wurde daher verworfen, die Entwickler wollten nicht als Bösewichte dastehen.
Einblicke in die Entwicklung
Für Fans enthüllt dieses Detail, wie nah die Serie daran war, eine komplett andere Erzählung zu bekommen. Der endgültige Salmon Run-Modus macht die Spieler zu Beschützern einer goldenen Eier-Lieferung, eine deutlich harmlosere Prämisse.
Nintendo EPD: Die Macher hinter der Tinte
Das Splatoon-Team gehört zu Nintendo EPD (Entertainment Planning & Development), Abteilung 2. Derselbe Zweig entwickelte zuvor Animal Crossing: New Leaf (2012) und Mario Kart 8 (2014). Produzent Hisashi Nogami und Regisseur Yusuke Amano kommen aus diesen Projekten. Die Grundidee für Splatoon entstand 2013 aus einer internen Game-Jam, ein Third-Person-Shooter mit Tintenmechanik, weit entfernt von Plünderer-Fantasien.
Die Splatoon-Reihe in Zahlen
- Splatoon (Wii U, Mai 2015): 4,95 Millionen verkaufte Einheiten.
- Splatoon 2 (Switch, Juli 2017): 13,60 Millionen (Stand Dezember 2022).
- Splatoon 3 (Switch, September 2022): 10,70 Millionen (Stand März 2023).
Die Serie erreichte insgesamt über 29 Millionen Verkäufe. Der Salmon Run-Modus debütierte in Splatoon 2 als zeitlich begrenztes Event und wurde später fester Bestandteil. Die verworfenen Raiders-Variante hätte eine grundlegend andere Erzählstruktur verlangt, Nintendo setzte stattdessen auf Kooperation ohne moralische Grauzonen.
Branchenkontext: Räuber vs. Beschützer
Die Idee, Spieler als Plünderer agieren zu lassen, ist etabliert. Spiele wie Payday 2 (2013) oder Grand Theft Auto V (2013) setzen bewusst auf kriminelle Handlungen. Nintendos Ablehnung des Raiders-Konzepts passt zur firmeneigenen Strategie: Familienfreundlichkeit als Markenkern. Interessant ist der direkte Vergleich mit Overcooked (2016) oder Lovers in a Dangerous Spacetime (2015), auch dort verteidigen Spieler Ressourcen, statt sie zu rauben. Das Mitleid der Tester führte zu einer Designentscheidung, die den Ton der Serie bis heute prägt. Der Prototyp existiert nicht mehr öffentlich; Nintendo kommentierte das Konzept nicht offiziell.