Onkel und Tanten aufgepasst
Valve hat ein neues Steam-Update ausgerollt, das das Verschenken von Spielen deutlich entschlackt. Die Änderungen betreffen vor allem die Gifting-Oberfläche und die Wunschlisten-Verwaltung. Beide Bereiche waren lange überfällig für eine Modernisierung.
Bisher musste man durch mehrere Menüs klicken, um einem Freund ein Spiel zu schenken, und die Wunschliste war eine schlichte, unstrukturierte Liste. Das soll jetzt anders sein.
Valve wurde 1996 von Gabe Newell und Mike Harrington gegründet. Das Unternehmen ist kein reiner Publisher, sondern betreibt mit Steam die größte PC-Spieleplattform mit über 120 Millionen monatlich aktiven Nutzern (Stand 2023). Die hauseigenen Titel wie Half-Life, Portal, Left 4 Dead oder Dota 2 gelten als Genre-Meilensteine, aber die Plattform-Software selbst wird oft vernachlässigt. Dieses Update adressiert genau das: Es poliert eine Alltagsfunktion, die seit Jahren kaum verändert wurde.
Was sich beim Gifting ändert
- Der Kauf eines Geschenks erfolgt nun direkt aus dem Freundesprofil oder der Chat-Übersicht.
- Empfänger-Adressen (E-Mail oder Steam-ID) werden automatisch vorgeschlagen, wenn der Freund in der Kontaktliste ist.
- Die Auswahl des Lieferdatums wurde vereinfacht, kein umständliches Kalender-Popup mehr.
- Gruppengeschenke sollen überarbeitet worden sein: Mehrere Leute können jetzt einfacher zusammenlegen.
Das Update macht den gesamten Kaufprozess flotter und reduziert die Anzahl der Bestätigungsfenster.
Vor dem Update erforderte ein Geschenkkauf sieben bis neun Klicks, vom Shop-Besuch über die Auswahl des Freundes bis zur Terminierung. Laut einer Analyse von SteamDB aus dem Jahr 2023 waren etwa 12 Prozent aller Steam-Transaktionen Geschenkkäufe. Das entspricht geschätzten 40 bis 50 Millionen einzelnen Kaufvorgängen pro Jahr. Valve hatte die Gifting-Oberfläche zuletzt 2018 grundlegend überarbeitet, damals mit Einführung der Chat-Integration. Der neue Workaround entfernt den Umweg über den Shop komplett.
Wunschliste endlich organisiert
Die zweite große Neuerung betrifft die Wunschlisten-Organisation. Valve fügt Ordnerstrukturen hinzu, mit denen sich Spiele kategorisieren lassen:
- Eigene Ordner anlegen, z. B. „Spiele für den nächsten Sale“ oder „Nur mit Gamepad spielbar“.
- Sortieroptionen nach Preis, Erscheinungsdatum oder Bewertung.
- Benachrichtigungen pro Ordner aktivierbar: Wer nur bestimmte Genres im Auge behalten will, bekommt gezielte Infos bei Rabattaktionen.
Das Feature dürfte vor allem Nutzer freuen, die hunderte Titel auf ihrer Wunschliste horten.
Die Wunschliste existiert seit Steams Start im Jahr 2004. Damals war sie eine reine Textliste, später kamen Sortieroptionen und Benachrichtigungen hinzu. In den letzten Jahren wuchs die durchschnittliche Anzahl der Einträge pro Nutzer auf über 30, viele Spieler haben zwischen 100 und 500 Titeln auf ihrer Liste. SteamDB zählte Anfang 2024 knapp 280 Millionen öffentliche Wunschlisteneinträge. Ordner waren der meistgewünschte Feature-Wunsch in Steams User-Forum, noch vor einer überarbeiteten Bibliotheksansicht. Konkurrent Epic Games Store bietet bis heute keine Ordner, GOG hat eine Tag-basierte Filterung.
Warum das Update wichtig ist
Steam ist seit Jahren die größte PC-Spieleplattform, aber die Gifting-Funktion fühlte sich veraltet an. Vor allem Gelegenheitsspieler, die Verwandten oder Freunden eine Freude machen wollen, verzichteten oft wegen der umständlichen Menüs.
Das Update adressiert genau diese Hürde. Valve liefert keine großen Neuerungen wie einen überarbeiteten Shop, sondern poliert die bestehenden Alltagsfunktionen. Das ist klug, denn die meisten Interaktionen auf Steam drehen sich ums Kaufen und Verschenken.
Valve veröffentlicht solche UI-Updates meist im Stillen, ohne große Ankündigung und ohne Beta-Phase. Der letzte vergleichbare Eingriff war die Neugestaltung der Steam-Bibliothek im Jahr 2021, die ebenfalls auf Community-Feedback aufbaute. Im Branchenkontext fällt auf, dass Valve bei Plattform-Features selten mit anderen Stores konkurriert. Epic setzt auf exklusive Titel, Microsoft auf Game Pass, GOG auf DRM-Freiheit. Steam dominiert mit schlichtem Netzwerkeffekt, dieses Update senkt die Einstiegshürde für Nutzer, die sonst vielleicht einen anderen Store wählen würden. Der Rollout erfolgt automatisch für alle Steam-Clients; eine manuelle Aktivierung ist nicht nötig.