„I can’t do this again“
Ein leitender Designer bei Rocksteady, der anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber GamesRadr+, der Misserfolg von Suicide Squad: Kill the Justice League habe ihn an den Rand des Ausstiegs gebracht. „I don‘t know if I‘m done with the industry, but I‘m done.“ Der Satz hallt durch die Community, ein seltenes Eingeständnis eines Entwicklers, der an dem Projekt gearbeitet hat, das sein Studio in die Krise stürzte.
Er spricht nicht nur für sich selbst. „Ich kann das nicht noch einmal machen“, fügte er hinzu. Die Arbeit an einem Live-Service-Titel, der von Fans abgelehnt wurde, habe seine Leidenschaft fürs Gamedesign zerstört. Kein allgemeiner Frust, sondern ein konkretes Erlebnis: jahrelange Entwicklung, Kurswechsel auf Druck des Publishers, und am Ende leere Server.
Die Arkham-Ära: Ein Studio auf dem Gipfel
Rocksteady wurde 2004 in London von Sefton Hill und Jamie Walker gegründet. Ihr erster Hit war Batman: Arkham Asylum (2009). Das Spiel verkaufte sich über 4 Millionen Mal, erhielt einen Metacritic-Score von 91 und definierte das Superhelden-Genre neu. Der Nachfolger Batman: Arkham City (2011) legte noch einen drauf: 6 Millionen Kopien, 91er Metascore, Game of the Year-Auszeichnungen. Das Studio hatte sich einen Ruf für dichte, erzählerisch starke Einzelspieler-Abenteuer aufgebaut.
Batman: Arkham Knight (2015) folgte, verkaufte 5 Millionen Einheiten trotz eines holprigen PC-Starts. Danach herrschte Stille. Rocksteady arbeitete angeblich an einem neuen IP, während Warner Bros. auf Live-Service setzte. Der Bruch war programmiert. Von einem der besten Singleplayer-Studios der Welt verlangte der Publisher ein „Spiel als Dienstleistung“, ohne jede Erfahrung mit diesem Modell.
Rocksteadys schwerer Fall
Suicide Squad: Kill the Justice League erschien am 2. Februar 2024. Es sollte die Arkham-Reihe fortsetzen, doch die Reaktion war vernichtend. Auf Metacritic erreichte es 60 Punkte, auf Steam lag der Höchststand gleichzeitiger Spieler bei unter 14.000, ein Bruchteil von Arkham Knights 83.000. Warner Bros. räumte im Mai 2024 Verluste in Höhe von 200 Millionen US-Dollar ein.
Der Druck, ein Live-Service-Produkt zu liefern, zeigte sich schon in den Trailern: Zwischensequenzen, die wie Fortnite aussahen, endlose Skill-Trees und Mikrotransaktionen für Skins. Der Designer sagt: „I can‘t do this again.“ Das ist kein Zufalls-Satz, sondern die Bilanz von neun Jahren Entwicklung, die in einer Enttäuschung endeten.
Live-Service-Krise: Zahlen und Vergleiche
Der Fall von Rocksteady ist kein Einzelfall. BioWare veröffentlichte 2019 Anthem, einen Live-Service-Shooter, der nach einem katastrophalen Start 2023 endgültig abgeschaltet wurde, Kosten: über 100 Millionen Dollar. Marvel’s Avengers von Crystal Dynamics (2020) erzielte nur 3 Millionen Verkäufe im ersten Quartal, weit unter Plan, und wurde 2023 eingestellt. Redfall von Arkane (2023) brach auf Steam mit unter 100 Spielern gleichzeitig ein.
Der Designer beklagt: „Kreative Risiken werden bestraft, während sichere Live-Service-Konzepte oft kaputtgehen.“ Ein harter Vorwurf an Publisher, die immer mehr auf Zahlen schielen. Dabei zeigt das Beispiel Helldivers 2, dass Live-Service auch funktionieren kann, wenn es aus einer kreativen Idee heraus entsteht, nicht aus einer Finanzstrategie. Rocksteady hatte diese Idee nie.
Eine Warnung an die gesamte Industrie
Der Entwickler geht weiter: „As an industry we are severely losing our way.“ Er meint nicht nur Rocksteady, sondern einen systemischen Fehler. Publisher wie Warner Bros., EA und Ubisoft drängen Teams in Geschäftsmodelle, die sie nicht beherrschen. Talente verbrennen, während endlose Roadmaps geschrieben werden.
Er nennt konkrete Beispiele: BioWare verlor nach Anthem zahlreiche Veteranen, CD Projekt Red durchlebte nach Cyberpunk 2077 eine Massenflucht von Entwicklern. „Wir verbrennen die Talente, die uns groß gemacht haben.“ Der Satz ist kein Zitat aus einem PR-Statement, sondern eine direkte Folge der Struktur: In Studios, die für Singleplayer berühmt waren, wird heute von oben herab Live-Service verordnet.
Ende mit offenem Ausgang
Ob der Designer tatsächlich geht oder nur eine Pause braucht, sagt er nicht. Sein „I‘m done“ klingt aber endgültig. Für Rocksteady steht noch kein Nachfolger fest. Das Studio durchlief 2024 mehrere Entlassungsrunden, darunter die Schließung des gesamten QA-Teams.
Suicide Squad: Kill the Justice League bleibt damit nicht nur ein finanzieller Fehlschlag, sondern ein Symbol für eine Industrie, die ihre Stärken vergisst. Die Batman-Arkham-Trilogie war das Gegenteil von Service-Müll, und genau das hat sie unvergesslich gemacht.