Der Blick hinter die Kulissen
Ein offener Bericht zweier Entwickler von Suicide Squad: Kill the Justice League zeigt die Schattenseiten der Arbeit an dem umstrittenen Titel. Sie schilderten ihren Alltag und den Wunsch, nach dem Release des Spiels die Branche komplett zu verlassen.
Die Eindrücke stammen nicht von anonymen Quellen, sondern von zwei Beteiligten, die ihre Erfahrungen transparent machten. Das von Rocksteady Studios entwickelte Spiel hatte bereits vor Release mit Skepsis zu kämpfen.
Rocksteadys Erfolgsgeschichte und der Bruch
Rocksteady wurde 2004 in London gegründet. Mit Batman: Arkham Asylum (2009) schufen sie das moderne Superhelden-Genre, 4,3 Millionen verkaufte Einheiten bis Mitte 2010. Der Nachfolger Arkham City (2011) legte noch drauf: über 6 Millionen Mal verkauft. Arkham Knight (2015) erreichte 5 Millionen Kopien in den ersten drei Monaten.
Das Studio stand für lineare, narrative Singleplayer-Titel mit hohem Produktionswert. Der Wechsel zu einem Live-Service-Modell für Suicide Squad: Kill the Justice League bedeutete einen radikalen Bruch mit der eigenen DNA. In internen Berichten wurde von jahrelangen Richtungswechseln und Unsicherheit gesprochen, ob das Team überhaupt einen kooperativen Online-Shooter bauen wollte.
Was die Entwickler berichteten
- Enormer Druck während der langen Entwicklungszeit
- Gefühl der Enttäuschung über die öffentliche und interne Resonanz
- Der Gedanke, die gesamte Spieleindustrie hinter sich zu lassen
Die beiden Entwickler gaben zu, dass die Arbeit an Suicide Squad sie persönlich stark belastet habe. Sie hätten nach dem Launch ernsthaft erwogen, ihren Beruf aufzugeben.
Reaktionen im Netz
In Foren und sozialen Medien lösten die Aussagen eine Welle der Solidarität aus. Viele Spieler zeigten Verständnis für die schwierige Situation der Entwickler.
Gleichzeitig wird erneut die Frage nach den Arbeitsbedingungen in großen Studios laut. Crunch-Kultur und unrealistische Erwartungen gelten seit Jahren als Problem der Branche.
Die nackten Zahlen
Am Release-Tag (2. Februar 2024) verzeichnete Suicide Squad auf Steam maximal 13.459 gleichzeitige Spieler. Zum Vergleich: Hogwarts Legacy (2023) startete mit 879.308. Warner Bros. gab nie offizielle Verkaufszahlen bekannt, Analysten schätzen unter 2 Millionen Einheiten im ersten Quartal.
Das Budget soll laut Branchenquellen bei über 100 Millionen US-Dollar liegen. Der Misserfolg reiht sich in eine Kette gescheiterter Live-Service-Spiele ein: Anthem (BioWare, 2019) kostete 140 Millionen Euro und wurde nach zwei Jahren eingestellt. Marvel's Avengers (Crystal Dynamics, 2020) verkaufte 3,5 Millionen Einheiten insgesamt, weit unter den Erwartungen. In beiden Fällen folgten Entlassungen und Studio-Umstrukturierungen.
Ein Spiel im Spannungsfeld
Suicide Squad: Kill the Justice League traf bei Release auf eine gespaltene Community. Technische Probleme und das Live-Service-Modell standen in der Kritik.
Dass selbst erfahrene Entwickler nach einem solchen Projekt ans Aufhören denken, zeigt die emotionale Belastung hinter den Kulissen. Der Bericht ist ein selten ehrlicher Einblick in eine oft verschlossene Industrie.