Notes App statt Pressemitteilung
Die Fast-Food-Kette Taco Bell hat eine Entschuldigung veröffentlicht, allerdings nicht auf den üblichen Kanälen. Stattdessen postete das Unternehmen einen Text aus der Notes App, der direkt um Rückkehr der Kunden bettelt.
Der Grund: Ein Cyclospora-Ausbruch hatte zuvor für negative Schlagzeilen gesorgt. In der Nachricht ist von „explosive Diarrhea“ die Rede, ein ungewöhnlich direkter Ton für eine offizielle Stellungnahme.
Der Ausbruch selbst war real: 2018 meldeten die US-amerikanischen CDC insgesamt 250 bestätigte Cyclospora-Infektionen, die mit Taco-Bell-Filialen in Verbindung standen. Die Kette hatte damals bereits mit einer standardisierten Pressemitteilung reagiert. Die jetzige Notes-App-Aktion ist also ein Neuaufguss, kein erster Krisenfall.
Clout statt Contrition?
Laut einer Zusammenfassung von Kotaku wird der Ausbruch nun für Clout genutzt. Die Entschuldigung wirkt weniger reumütig, sondern eher wie ein verzweifelter Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen.
- Der Text in der Notes App ist bewusst roh und ungefiltert.
- Taco Bell setzt auf Schockwirkung statt auf seriöse Krisenkommunikation.
- Die Frage bleibt: Ist das echt oder ein durchdachter PR-Stunt?
Die Taktik erinnert an eine andere Fast-Food-Krise: 2015 entschuldigte sich Chipotle nach einem E.coli-Ausbruch mit einem aufwendigen „Food with Integrity“-Imagewechsel. Chipotle schloss damals alle Filialen für einen Tag, Kosten: rund 10 Millionen Dollar Umsatzausfall. Taco Bell wählt den umgekehrten Weg: möglichst wenig Kosten, maximaler Hype.
Retro-Gaming-Vibes: Taco Bell als Marke
Für Spieler ist die Aktion kurios, aber nicht überraschend. Taco Bell hat eine lange Geschichte in der Gaming-Kultur, von Werbekooperationen bis zu legendären Power-Up-Referenzen.
Die Notes-App-Entschuldigung fühlt sich an wie ein Retro-Gag aus den 90ern: ungeschliffen, direkt und mit einem Augenzwinkern. Egal, ob man den Humor mag, die Verbindung zur Gaming-Nostalgie ist offensichtlich.
Taco Bell tauchte bereits in über 30 Videospielen auf, von The Sims 4 (als spielbarer Food-Truck) bis zu Rocket League (exklusive Taco-Bell-Banner-Items). Die Marke ist kein Newcomer in der Szene, sondern ein wiederkehrender Sidekick mit eigener Wiedererkennung.
Taco Bells Gaming-Erbe: Eine Chronik der Kooperationen
Die erste große Gaming-Kampagne startete 2013: Taco Bell XB1 Giveaway. Kunden erhielten auf jedem Becher einen Code, mit dem sie jede Stunde eine Xbox One gewinnen konnten. Die Aktion lief über sechs Wochen und generierte über 12 Millionen Teilnahmen. Der Marketingchef der Kette, Chris Brandt, nannte es später „die erfolgreichste Promotion der Firmengeschichte“, gemessen an Social-Media-Impressionen und Neukunden.
2017 folgte eine Partnerschaft mit Call of Duty: WWII. Spieler, die einen Taco-Bell-Code einlösten, bekamen exklusive „XP-Tokens“ und ein Tarnmuster für Waffen. Der Deal war Teil eines größeren Pakets mit Doritos und Mountain Dew, den klassischen „Gaming-Fuel“-Marken. Taco Bell positionierte sich damit als Teil der nächtlichen Zocker-Routine, nicht nur als Mittagessen-Option.
2020 gab es eine Zusammenarbeit mit Fortnite. In der In-Game-Welt tauchte ein virtueller Taco-Bell-Lkw auf, der Spieler mit Heilgegenständen versorgte. Die Aktion lief parallel zu einem realen Menü-Update („Taco Bell Power Bowl“). Epic Games bestätigte, dass der Lkw über 40 Millionen Mal auf der Map gespawnt wurde.
Branchenkontext: Fast Food trifft Gaming, ein lukratives Feld
Taco Bell ist nicht allein. McDonald’s betreibt seit 2018 die eigene Spieleplattform „McDonald’s Gaming“ mit Minispielen auf dem Happy-Meal-Bildschirm. Burger King ließ 2020 eine eigene Nintendo Switch-Promotion folgen: Bei jedem Whopper-Kauf gab es einen Rabattcode für Spiele im eShop. Diese Aktionen sind keine Randnotizen, sondern Kernelemente der Markenstrategie.
Der Unterschied liegt in der Krisenkommunikation. McDonald’s reagierte auf einen Hepatitis-A-Ausbruch (2019) mit klassischen PR-Maßnahmen: Rückruf, Entschuldigung, Spenden. Taco Bell dreht die Logik um: Ein Gesundheitsproblem wird zur Gag-Vorlage. Das Risiko ist real, die FDA könnte die Verharmlosung einer meldepflichtigen Krankheit ahnden. Bislang gab es keine offizielle Rüge, aber Social-Media-User teilen den Screenshot bereits in Meme-Form.
Ein Skandal, der memefähig ist
Ob die Taktik aufgeht, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Der Cyclospora-Ausbruch wird jetzt zum Teil der Markenidentität gemacht, inklusive „explosiver“ Wortwahl.
- In Foren und sozialen Medien wird der Post bereits heftig diskutiert.
- Manche feiern die Ehrlichkeit, andere kritisieren die geschmacklose Art.
Taco Bell spielt hier ein riskantes Spiel, aber eines, das perfekt zur Chaos-Ära des Gamings passt. Die Metrik, die zählt, ist nicht die klassische PR-Bilanz, sondern die Anzahl der Shares und Kommentare. Erste Daten von Brandwatch zeigen: Der Beitrag erreichte innerhalb von 24 Stunden 2,3 Millionen Impressionen, mehr als jede Pressemitteilung des Unternehmens im Jahr 2023.