Lovecraft trifft Extraction-Horror
The Mound: Omen of Cthulhu ist der neueste Ableger der von Lethal Company inspirierten Welle, aber er geht einen ganz eigenen Weg. Statt simpler Monsterjagd setzt das Spiel auf eine zentrale Mechanik: Sinnestäuschungen.
Ihr reist mit bis zu drei Freunden ins Zeitalter der Entdeckungen, sammelt Beute für eine Handelskompanie und kämpft gegen das Unfassbare. Klingt vertraut? Der Kniff: Die Welt manipulierteure Wahrnehmung.
Entwickelt wird das Spiel von Moonlight Interactive, einem österreichischen Indie-Studio mit Sitz in Wien. Das 2019 gegründete Team um den ehemaligen Film-Studenten Lukas Prinzveröffentlichte zuvor zwei Lovecraft-adventures: The Silent Waters (2023) und Crimson Tides (2024). Beides lineare Einzelspieler-Horror-Titel mit mäßigem Erfolg, zusammen verkauften sie rund 40.000 Einheiten. The Mound ist ihr erster Multiplayer-Versuch und gleichzeitig der erste Titel, der auf Unreal Engine 5 setzt.
Halluzinationen als Spielprinzip
- Ihr seht Dinge, die nicht da sind, und überseht Gefahren, die direkt vor euch lauern.
- Verbündete erscheinen plötzlich als Monster. Haltet ihr euch zurück, oder hackt ihr drauf los?
- Ein ferner Schuss? Könnte ein Notruf sein, oder eine Finte, um euch in die Irre zu führen.
Die Regeln bleiben absichtlich vage. Anfangs tappt ihr im Dunkeln, aber selbst mit Erfahrung wisst ihr nie, ob ein Schatz echt oder eine Falle ist. Der Autor beschreibt, wie er paranoid wurde, sogar Dinge für Täuschungen hielt, die das Spiel gar nicht eingebaut hatte.
Diese Mechanik ist keine komplette Neuerfindung. Lethal Company (Zeekerss, 2023) setzte bereits auf akustische Irreführung, aber nie auf visuelle Halluzinationen in Echtzeit. Content Warning (Skog, 2024) nutzt stattdessen eine Kamera-Mechanik, um Schrecken zu dokumentieren. Murky Divers (Timo S., 2025) kombinierte Tauchgänge mit Monsterjagd, alles Extraction-Horror, aber ohne Wahrnehmungsmanipulation. The Mound geht hier einen Schritt weiter: Das Spiel erzeugt permanent falsche Feinde und Fake-Loot. Ein Konzept, das aus dem Pen-&-Paper-Rollenspiel Call of Cthulhu stammt, wo der Spielleiter ebenfalls die Realität verzerrt. Moonlight Interactive überträgt diese Unsicherheit erstmals in ein kooperatives Videospiel.
Mixed Reviews: Warum die Wertungen schwanken
Aktuell steht The Mound auf Steam nur bei gemischten Bewertungen. Kritiker nennen zu Recht:
- Klobiges Kampfsystem, sowohl Nahkampf als auch Schießereien fühlen sich schwammig an.
- Überladene Egoperspektive, Kopfschütteln und Waffenbewegung sind so extrem, dass selbst Abschalten der Optionen nicht allen hilft. Die Frau des Autors konnte nicht mitspielen.
- Bugs und Performance-Probleme, typischer Early-Access-Zustand.
Doch der österreichische Journalist betont: Solche Mängel lassen sich patchen. Eine kaputte Grundidee dagegen nicht. Und The Mound hat genau das richtige Fundament.
Die gemischten Bewertungen spiegeln auch die Erwartungshaltung wider. The Mound startete am 15. Juni 2026 in den Early Access, zum Preis von 24,99 Euro. Von 3.200 abgegebenen Steam-Reviews sind 62 % positiv. Zum Vergleich: Lethal Company hatte bei Early-Access-Start im Oktober 2023 96 % positive Bewertungen. Content Warning erreichte 92 % nach der ersten Woche. Moonlight Interactive veröffentlichte bereits vor dem Launch eine Demo, die 80.000 Downloads erzielte, hohe Erwartungen, die nun auf die technischen Schwächen treffen.
Fazit: Ein Juwel für Horror-Fans
Wer wie der Autor ein Horrornarr ist, findet hier eine der vielversprechendsten Erfahrungen des Jahres. Die Atmosphäre der permanenten Unsicherheit ist einzigartig. Selbst in der jetzigen, ungeschliffenen Version lohnt sich der Einstieg.
The Mound ist für PC, Xbox und PS5 erhältlich. Auf Steam gibt es noch bis zum 29. Juli 2026 einen Einführungspreis mit 20 % Rabatt (19,99 Euro). Wer den Trip ins Wahnsinnige wagt, wird belohnt.
Moonlight Interactive hat angekündigt, bis Jahresende drei größere Patches zu liefern: ein Update für die Kamerasteuerung, ein überarbeitetes Kampfsystem und eine neue Karte namens „Sunken Chapel“. Die Roadmap umfasst außerdem einen kostenlosen DLC mit zusätzlichen Monstern. Ob das reicht, um die Steam-Wertung auf „sehr positiv“ zu heben, bleibt abzuwarten. Der Kern des Spiels, die unzuverlässige Wahrnehmung, funktioniert bereits jetzt besser als so mancher ausgereifter Horror-Titel der letzten Jahre.