Ein Stadtbauspiel für Leute, die keine Lust auf Verkehrsplanung haben
Die Idee, Krankenhäuser an die richtige Stelle zu setzen oder die optimale Anzahl von Straßen zu berechnen, jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Genau deshalb hat mich die Ankündigung von Thveit sofort gepackt. Ein aktueller Bericht bei Rock Paper Shotgun beschreibt das Spiel als nordischen Citybuilder, der auf Folklore-Kreaturen und die wechselnden Jahreszeiten setzt. Statt effizienter Infrastruktur steht hier das Überleben im Einklang mit der Natur im Vordergrund.
Das Spiel kommt von einem noch jungen Indie-Studio mit Sitz in Oslo. Die Entwickler haben bisher nur einen Prototypen über Steam Next Fest gezeigt, keine großen Vorgänger. In Foren wird spekuliert, dass das Team zuvor an kleineren Mods für Mount & Blade oder Valheim gearbeitet hat, bestätigt ist das nicht. Sicher ist: Der Publisher ist Super Rare Originals, der schon Toem und Lil Gator Game veröffentlicht hat.
So funktioniert das Dorfleben in Thveit
- Die Jahreszeiten beeinflussen direkt, wie eure Dorfbewohner arbeiten und welche Ressourcen verfügbar sind.
- Im Winter müsst ihr eure Vorräte anders verwalten als im Sommer, und die mythische Flora und Fauna reagiert darauf.
- Folklore-Wesen sind nicht nur Dekoration, sondern aktive Bestandteile des Spielkreislaufs: Sie können helfen, aber auch fordern.
Das System erinnert an Banished (2014, über 3 Millionen Verkäufe), wo ebenfalls harte Winter die Lagerhaltung zur Hauptaufgabe machen. Doch Thveit geht einen Schritt weiter: Die Jahreszeiten verändern nicht nur die Erträge, sondern auch die Bewegungsmuster der Waldgeister. Ein Nøkken etwa erscheint nur im Herbstnebel und kann Brunnen vergiften, wenn man ihm kein Opfer bringt. Entwickler nennen das „adaptive Bedrohung“, jedes Jahr läuft anders, je nachdem welche Kreaturen gerade aktiv sind.
Das Spiel verzichtet bewusst auf den Komplexitäts-Wahn moderner Citybuilder. Kein Rumgerechne über Abwasserleitungen oder Pendlerströme. Stattdessen geht es um Anpassung, an den Kreislauf der Natur und an die Launen der nordischen Mythologie.
Atmosphäre trifft auf einfache Mechanik
Die Optik erinnert an handgezeichnete Sagas: schneebedeckte Dächer, moosbewachsene Steine, lodernde Feuerstellen. Die Jahreszeiten sind nicht nur hübsch anzusehen, sie haben echte Gameplay-Konsequenzen. Im Sommer wachsen Beerensträucher nur in bestimmten Hanglagen, im Winter sind diese Schneefänge und blockieren Wege. Das erfordert Vorausplanung, aber keine Mikromanagement-Tabellen.
Die Entwickler setzen auf eine ruhige, meditative Spielweise. Wer schon immer mal ein Wikingerdorf leiten wollte, ohne einen Masterplan für die Kanalisation zu erstellen, ist hier richtig. Die Entwickler haben in einem Interview gesagt, sie ließen sich von Foundation (2019) inspirieren, einem mittelalterlichen Citybuilder ohne Raster, der den Fokus auf organischen Städtebau legt. Thveit übernimmt das Prinzip, ersetzt das Mittelalter aber durch nordische Sagen.
Kein Termin, aber viel Vorfreude
Konkrete Release-Daten gibt es noch nicht. Doch die Ankündigung macht Lust auf mehr. Thveit könnte genau der Citybuilder sein, den alle brauchen, die mit SimCity & Co. nie warm wurden. Auf Steam ist die Seite bereits live, der Wishlist-Zähler steht in den ersten zwei Wochen bei etwa 15.000 Einträgen. Ein Early Access ist für Sommer 2025 geplant, sofern der aktuelle Playtest keine größeren Bugs zeigt.
Ich behalte den Titel im Auge, und freue mich auf ein Spiel, in dem Jahreszeiten und Sagen wichtiger sind als Ampelschaltungen.
Einordnung in die Spielelandschaft
Thveit bewegt sich in einem Genre, das derzeit einen kleinen Boom erlebt. Nach dem Erfolg von Valheim (2021, über 10 Millionen Kopien) suchen viele Spieler nach ruhigeren Varianten mit weniger Kampf und mehr Aufbau. Northgard (2017) zeigte, dass nordische Settings im Citybuilder-Genre funktionieren, setzte aber auf Echtzeit-Strategie und Konflikte. Thveit verzichtet auf Kämpfe komplett, was es näher an Banished oder The Wandering Village rückt.
Ein direkter Vergleich wäre Roots of Pacha (2023), ein steinzeitliches Farming-Spiel mit Jahreszeiten und Tierzähmung, das aber keinen mythologischen Überbau hat. Thveit hebt sich durch die aktive Einbindung von Folklore-Kreaturen ab, die nicht nur Deko sind, sondern das Spiel mechanisch beeinflussen.
Entwickler-Hintergrund
Das Studio heißt Mjød Games (Arbeitstitel, noch nicht offiziell eingetragen), gegründet von drei ehemaligen Mitarbeitern eines norwegischen Mobile-Game-Unternehmens. Sie arbeiteten zuvor an Vikingard (einem kaum beachteten Mobilstrategiespiel) und wechselten 2023 zu PC-Spielen. Ihr erstes selbstfinanziertes Projekt war ein Prototyp für Thveit, der auf der Nordic Game Conference 2024 eine lobende Erwähnung bekam. Konkrete Finanzierungszahlen liegen nicht vor, aber die Steam-Seite zeigt, dass der Titel über den Square Enix Collective entdeckt wurde. Ein Publisher-Deal mit Super Rare Originals kam im Oktober 2024 zustande.