Wer ist Paradox Interactive?
Paradox Interactive wurde 1999 in Stockholm gegründet, damals noch als Teil der Paradox Entertainment. Das Unternehmen konzentrierte sich früh auf komplexe Strategiespiele, zuerst mit Europa Universalis (2000), das die Spieler durch Jahrhunderte der Weltgeschichte führte. Europa Universalis II (2001) verfeinerte das Konzept und legte den Grundstein für das Genre der Grand-Strategy-Spiele.
Das interne Studio Paradox Development Studio entwickelte anschließend Hearts of Iron (2002) über den Zweiten Weltkrieg, Victoria (2003) mit Fokus auf Wirtschaft und Gesellschaft sowie Crusader Kings (2004), das dynastische Intrigen in den Mittelpunkt stellte. Diese Titel etablierten Paradox als Nischenanbieter für tiefe, komplexe Strategieerlebnisse.
2015 kam mit Cities: Skylines (entwickelt von Colossal Order) der Durchbruch zum Massenpublikum. Der Städtebau-Titel verkaufte sich über 12 Millionen Mal und machte Paradox zu einem der bekanntesten Publisher für Simulations- und Strategiespiele.
Warum löscht Paradox inaktive Accounts?
Die Löschung von Accounts ist kein Einzelfall in der Branche. Ubisoft entfernt seit Jahren inaktive Konten, oft ohne Vorwarnung. Nintendo löschte 2023 sogar ältere Nintendo-Accounts mit digitalen Käufen, wenn sie länger als 18 Monate nicht genutzt wurden. Paradox nennt als Gründe Datenschutzverpflichtungen (etwa die EU-DSGVO) und Sicherheitsaspekte, alte Accounts sind anfälliger für Hacking.
Konkret betroffen sind Accounts, die seit März 2024 oder früher nicht mehr eingeloggt wurden. Paradox gibt damit eine Vorlaufzeit von drei Jahren. Wer nur auf Plattformen wie Steam oder Epic spielt, hat dort kein Paradox-Konto, die Löschung betrifft ausschließlich den firmeneigenen Account, der für den Paradox-Store, Foren oder Multiplayer-Funktionen notwendig ist.
Ein Paradox-Sprecher erklärte gegenüber PCGamer, dass die Daten unwiderruflich gelöscht werden. Spielstände aus der Cloud sind ebenso betroffen wie gekaufte DLCs, die nicht über Steam verknüpft wurden. Besitzer älterer Spiele wie Magicka oder Prison Architect, die vor der Ära der Plattform-Kopplung erworben wurden, sollten ihren Account dringend prüfen.
Die Erfolgsgeschichte der Paradox-Serien
Cities: Skylines erschien 2015 und verdrängte schnell SimCity aus dem Fokus der Städtebau-Fans. Die Erweiterungen, darunter After Dark, Mass Transit und Parklife, verkauften sich jeweils Millionen Mal. Mit Cities: Skylines II (2023) setzte Paradox auf einen technischen Neuanfang, der jedoch von Performance-Problemen überschattet wurde.
Stellaris, 2016 veröffentlicht, war Paradox‘ erster Ausflug ins Science-Fiction-Genre und verkaufte sich über 3 Millionen Mal. Das Spiel kombinierte Grand-Strategy mit 4X-Elementen und erhielt Dutzende Updates und DLCs wie Utopia und Apocalypse. Die aktive Modding-Community gehört zu den größten auf Steam.
Europa Universalis IV (2013) gilt mit über 30 DLCs als das am längsten unterstützte Grand-Strategy-Spiel des Studios. Paradox hat kürzlich eine Europa Universalis V angekündigt, deren Entwicklung durch die Account-Löschung nicht beeinflusst wird, aber Spielstände alter Versionen könnten für Hardcore-Fans verloren gehen.
Was anderen Publishern droht
Die Account-Löschung bei Paradox ist Teil eines größeren Trends: Steam löscht keine Accounts, selbst nach Jahren der Inaktivität. Epic Games entfernt Accounts nur bei Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen. Microsoft hingegen löscht Microsoft-Konten nach zwei Jahren Inaktivität, das betrifft auch Xbox-Profile.
Paradox folgt mit dem März-2027-Datum einer vergleichsweise großzügigen Frist. Andere Publisher geben nur 12 Monate Warnzeit. Spieler sollten sich bewusst sein, dass ihre digitalen Bibliotheken oft nicht ihnen gehören, sondern nur lizenziert sind. Ein vergessener Login kann den Unterschied zwischen Zugriff und Verlust bedeuten, besonders bei älteren Titeln, deren Aktivierungsschlüssel nicht mehr auf andere Plattformen übertragbar sind.