Vampir-Nostalgie auf Abruf
Laut Polygon ist der kreativste Vampir-Thriller der 2000er derzeit völlig kostenlos streambar. Ein Titel, den fast niemand mehr auf dem Schirm hat, obwohl er damals mit originellen Ideen und jeder Menge Trash-Charme punkten konnte. Die Forderung der Redaktion: “Bring back cheesy vampire movies”. Wir schließen uns an.
Warum gerade die 2000er?
- Das Jahrzehnt lieferte eine Fülle an Vampirfilmen: von Blade II bis Van Helsing, von Underworld bis The Forsaken.
- Viele waren over-the-top, schlecht gealtert, aber unvergesslich in ihrer Frechheit.
- Genau dieser unbeschwerte B-Movie-Spirit fehlt heute im Streaming-Alltag.
Studio-Historie: Terminal Reality
Terminal Reality wurde 1994 in Dallas gegründet und war vor allem für Rennspiele wie Monster Truck Madness (1997) und den Flugsimulator Fly! (1999) bekannt. 1999 veröffentlichte das Studio den Horrorshooter Nocturne, ein cel-shaded Third-Person-Actionspiel, das in den 1930ern spielt und Geheimagenten gegen Werwölfe, Vampire und Dämonen antreten lässt. Nocturne nutzte die hauseigene Infernal Engine, die später für BloodRayne optimiert wurde. Die technische Basis ermöglichte dynamische Beleuchtung und flüssige Animationen, die für die damalige Zeit beachtlich waren.
Der passende Spieletipp für die Stimmung
Wer nach dem Film weiter in die Cheesy-Vampir-Welt eintauchen will, sollte BloodRayne (2002) eine Chance geben. Der Action-Titel spielt mit einer halb-vampirischen Heldin, die Nazi-Bluträuber zerlegt, inklusive deftiger Gewalt und greller Ästhetik.
- BloodRayne ist auf GOG und Steam erhältlich, oft für wenige Euro oder in gängigen Abos.
- Das Gameplay erinnert an Devil May Cry mit Fangzähnen: wild, unprätentiös, einfach spaßig.
- Der Look und Soundtrack fangen den 2000er-Vibe perfekt ein, inklusive knalliger Farbfilter und Metal-Riffs.
Die BloodRayne-Reihe: Verkaufszahlen und Ableger
BloodRayne verkaufte sich laut Terminal Reality rund 1,5 Millionen Exemplare, ein solider Mittelklasse-Erfolg. Der direkte Nachfolger BloodRayne 2 (2004) folgte mit verbesserter Grafik und neuen Waffen, blieb aber mit etwa 800.000 Einheiten hinter den Erwartungen zurück. 2011 erschien BloodRayne: Betrayal, ein 2D-Sidescroller mit handgezeichneten Animationen und knallhartem Schwierigkeitsgrad. 2020 brachte der Publisher Ziggurat Interactive BloodRayne: Terminal Cut auf den Markt, eine aufpolierte Version des Originals mit höheren Auflösungen und stabiler Framerate. Der von Uwe Boll inszenierte BloodRayne-Film (2005) mit Kristanna Loken erzielte an den Kinokassen nur 3,7 Millionen Dollar und gilt als einer der schlechtesten Videospiel-Adaptionen.
Einordnung ins Action-Genre
BloodRayne erschien im gleichen Jahr wie The Suffering und ein Jahr nach Devil May Cry, alle drei prägten das damalige Third-Person-Action-Genre mit. Anders als Capcoms Stilblüte setzte Terminal Reality auf eine Mischung aus Schusswaffen und Nahkampf, ergänzt durch eine eigenwillige Story über Nazis, Vampire und eine weibliche Hauptfigur mit übersexualisierter Darstellung. Der Ton war bewusst trashig, die Gewalt oft überzogen und die Dialoge voller Wortwitze. In einer Zeit, in der Vampire: The Masquerade, Redemption (2000) auf taktischen RPG-Kampf setzte und Legacy of Kain: Soul Reaver 2 (2001) auf düstere Rätsel, war BloodRayne der pure, ungehobelte Action-Kick.
Cheesy lebt
Ob Film oder Spiel: Die 2000er-Vampir-Ästhetik ist ein Stück Popkultur-Geschichte, das viel zu selten gewürdigt wird. Also streamen, zocken, und die Fangzähne ausfahren.