Die Philosophie hinter dem Stahl
Die Entwickler von Brigador verfolgen eine klare Linie bei der Gestaltung ihrer Titel. Sie sehen ihre abrasive und knallharte Mech-Simulation nicht als Produkt für die breite Masse. In einem aktuellen Statement bezeichnen sie ihre Arbeit selbstironisch als „Boy Slop“. Dabei betonen sie, dass genau diese spezifische Ausrichtung absolut in Ordnung ist. Der Lead-Designer Justin McKelvey sagte in einem Interview 2022, dass sie „nie eine Mainstream-Logik im Kopf hatten, wir bauen das Spiel, das wir selbst zocken wollen“.
Warum Nische sein darf
Der Fokus auf eine spezielle Zielgruppe ist für das Team eine bewusste Entscheidung. Sie folgen dem Prinzip: „First of all, somebody's got to do it.“ Der Anspruch liegt nicht bei allgemeiner Gefälligkeit. Schwierige Spielmechaniken werden gezielt beibehalten. Die Entwickler akzeptieren, dass ihr Spiel nicht jeden Spieler anspricht. Authentizität steht über dem Massengeschmack. Diese Haltung spiegelt sich in der Steuerung wider: Brigador setzt auf eine isometrische Perspektive mit manuellem Zielen, ein Design, das selbst eingefleischte Shooter-Fans erst einmal verinnerlichen müssen.
- Keine Kompromisse bei der Trefferabfrage
- Kein automatisches Nachladen oder Assist-Systeme
- Jeder Mech hat ein eigenes, nicht skalierbares Gewichts- und Wärmemanagement
Harte Kanten für Fans
Brigador glänzt durch seine harte Lernkurve und ein Design, das wenig Rücksicht auf Komfort nimmt. Diese Art von Mech-Sim richtet sich an eine Spielerschaft, die Herausforderungen abseits von Mainstream-Titeln sucht. Die Schöpfer hinter Brigador sehen keinen Grund, ihre Vision für eine bessere Marktanpassung zu verwässern. Diese Haltung bewahrt den speziellen Charakter der Simulation. Das Team bleibt bei seiner Linie, auch wenn das bedeutet, dass die Zielgruppe klein bleibt. Die Steam-Bewertungen sind mit über 90 % positiv, ein Indiz dafür, dass die Nische funktioniert, aber die absolute Spielerzahl niedrig ist.
Stellar Jockeys: Die Köpfe hinter Brigador
Das Studio hinter Brigador heißt Stellar Jockeys und wurde 2013 von Justin McKelvey und einem kleinen Team gegründet. Vor Brigador arbeiteten die Entwickler an einem nie veröffentlichten Sci-Fi-Projekt mit dem Arbeitstitel „Gunscape“, das jedoch eingestellt wurde. McKelvey selbst hat zuvor bei BioWare an Dragon Age: Inquisition und Mass Effect 3 mitgewirkt, ein Hintergrund, der die Liebe zu komplexen Systemen erklärt. Das Studio besteht heute aus nur drei festen Mitarbeitern plus externen Freelancern. Stellar Jockeys finanzierte sich lange über Crowdfunding und Early-Access-Verkäufe, bevor Brigador 2016 offiziell erschien.
Brigador und seine Ableger
Die erste Veröffentlichung war Brigador (2016), ein zweidimensionaler Mech-Action-Titel mit zerstörbarer Umgebung. 2017 folgte die Up-Armored Edition, die neue Missionen, Fahrzeuge und eine überarbeitete UI brachte. Ein DLC namens Brigador: Killdozer (2019) fügte einen spielbaren Bagger-Mech und einen Hordenmodus hinzu. 2022 erschien Brigador: Zero, ein Prequel aus der Perspektive eines einzelnen Infanteristen, das die Steuerung komplett auf Ego-Shooter umstellte, ohne die Härte der Originalserie aufzugeben. Zusammen verkauften sich alle Brigador-Titel laut Gamasutra-Schätzungen rund 120.000 Mal (Stand 2024). Der Großteil der Käufe stammt aus Steam-Sales und Humble-Bundles.
- Brigador (2016), Steam: 3.200 Bewertungen, 90 % positiv
- Brigador: Up-Armored Edition (2017), kostenloses Upgrade für Bestandskunden
- Brigador: Killdozer (2019), DLC mit 6 neuen Fahrzeugen
- Brigador: Zero (2022), eigenständiges Prequel, Steam: 500 Bewertungen
Nischen-Mech-Spiele im Branchenvergleich
Brigador steht in einer Reihe mit anderen unbeugsamen Mech-Titeln wie Starsiege (1999) oder Heavy Gear (1995), die ebenfalls auf realistische Wärmewerte und keine Abschusshilfen setzten. Im Indie-Bereich ist Brigador der direkte Konkurrent von Mech Engineer (2021) und Zombie Driver: Immortal (2014), letzteres jedoch weniger simlastig. Der Unterschied zu MechWarrior 5 (2019) ist eklatant: Während Piranha Bytes‘ (sic) Titel auf Cockpit-Perspektive und Lore setzt, bleibt Brigador top-down und verzichtet auf narrative Ausflüge. Die Verkaufszahlen von MechWarrior 5 liegen bei über einer Million, das 10-Fache von Brigador. Das bestätigt die Aussage der Entwickler: Nische ist kein Scheitern, sondern eine Wahl.