Eine Farbe gegen Lebensgefahr
Das ursprüngliche Ethernet-Kabel trug die auffällige Farbe „1968 Corvette Yellow“. Diese Wahl war kein ästhetischer Zufall, sondern eine lebenswichtige Sicherheitsmaßnahme.
In den 1980er Jahren war die Sorge vor versehentlichen Stromschlägen bei der Netzwerkinstallation allgegenwärtig. Die Signalfarbe sollte das Netzwerkkabel klar von stromführenden Stromkabeln unterscheiden.
Robert Metcalfe, der Kopf hinter der Entwicklung von Ethernet bei Xerox PARC, wählte diesen Farbton gezielt für das 10Base5-System. Die Farbe entsprach exakt dem Lack der Chevrolet Corvette aus dem Jahr 1968.
Warum die Farbe überlebenswichtig war
Die Installation der frühen Netzwerke unterschied sich massiv von heutigen Plug-and-Play-Lösungen. Man musste das Kabel physisch anzapfen, um eine Verbindung herzustellen.
- Das Kabel musste für die Installation angebohrt werden.
- Eine Verwechslung mit einem Stromkabel hätte bei dieser Arbeit fatale Folgen gehabt.
- Die grelle Farbe diente als visuelle Warnung direkt am Arbeitsplatz.
Das 10Base5-Kabel, auch bekannt als Thicknet, besaß einen Durchmesser von knapp 10 Millimetern. Da das Kabel starr und unhandlich war, nutzten Techniker spezielle Vampir-Abgriffe, die durch die Isolierung stachen.
Sicherheit durch Design
Die Entscheidung für den Farbton „1968 Corvette Yellow“ war somit eine direkte Reaktion auf die technischen Anforderungen der damaligen Zeit. Wer damals ein Netzwerk installierte, arbeitete mit einer hohen mechanischen Belastung am Kabel.
Die auffällige Lackierung stellte sicher, dass Techniker sofort erkannten, welches Kabel gefahrlos durchbohrt werden konnte. So verhinderte die Farbe in den 1980er Jahren effektiv lebensgefährliche Unfälle bei der Infrastruktur-Verkabelung.
Die Wurzeln der Vernetzung
Xerox PARC fungierte als Forschungszentrum, aus dem neben Ethernet auch die grafische Benutzeroberfläche und die Computermaus hervorgingen. Die Entwickler mussten ihre Prototypen in einer Ära etablieren, in der Bürogebäude nicht für digitale Datenströme ausgelegt waren.
Das 10Base5-Protokoll ermöglichte Übertragungsraten von 10 Megabit pro Sekunde über eine Distanz von 500 Metern. Diese Spezifikation wurde 1980 unter dem Standard IEEE 802.3 formalisiert.
Vor dem Erfolg von Ethernet konkurrierten verschiedene Systeme wie Token Ring von IBM oder Arcnet um die Vorherrschaft in Firmennetzwerken. Ethernet setzte sich durch die geringeren Kosten für die Hardwarekomponenten und die offene Standardisierung durch.
Von Thicknet zu Twisted Pair
Der Übergang zum dünneren 10Base2-Kabel und schließlich zum heute gebräuchlichen Twisted-Pair-Kabel veränderte die physische Beschaffenheit der Netzwerke grundlegend. Mit dem Einzug von RJ45-Steckern verschwand die Notwendigkeit, Leitungen für eine Verbindung anzubohren.
Die Farbe Gelb blieb jedoch in der Branche als Kennzeichnung für spezielle Kabeltypen erhalten. In modernen Rechenzentren dienen Farben heute der logischen Trennung von Netzwerkgruppen, etwa zur Unterscheidung von VLANs oder Sicherheitszonen.
Ein originales Stück Thicknet-Kabel findet sich heute in den Sammlungen des Computer History Museum in Mountain View. Dort ist die grelle Lackierung als Zeugnis einer Zeit ausgestellt, in der die physikalische Beschaffenheit eines Kabels die Sicherheit des Bedieners bestimmte.